FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™

11 Juni - 11 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™

WM-Fieber in den arabischen Ländern

© Getty Images

Je näher der Beginn der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ rückt, desto mehr steigt die Vorfreude auf dieses sportliche Großereignis.

Das alle vier Jahre von Millionen Menschen mit Spannung erwartete Turnier, das die Fans in aller Welt vereint und selbst diejenigen in seinen Bann zieht, die ansonsten nicht zu den Anhängern des runden Leders zählen, gilt inzwischen als das Sportereignis, welches weltweit das größte Interesse hervorruft.

Nachdem die Meisterschaften rund um den Globus entschieden sind, sehen die Fans aller Kontinente bereits voller Ungeduld dem weltgrößten Fussballturnier entgegen. Insgesamt 32 Mannschaften haben es geschafft, die Farben ihres Landes bei dieser FIFA Weltmeisterschaft zu repräsentieren. Die Träume ihrer Fans nehmen langsam aber sicher Gestalt an, wenngleich die entsprechenden Ergebnisse der Begegnungen zwischen den Favoriten, ihren unmittelbaren Konkurrenten oder auch zwischen jenen Teams, für die das Erreichen der nächsten Runde schon ein großer Erfolg wäre, noch abzuwarten bleiben.

WM rückt überall in den Fokus
In den Ländern der teilnehmenden Mannschaften sind die Öffentlichkeit und die Medien natürlich längst dazu übergegangen, ihr Nationalteam in der letzten Vorbereitungsphase für Südafrika 2010 auf Schritt und Tritt zu begleiten und es nach allen Kräften zu unterstützen. Die Leidenschaftlichsten unter den Fussballanhängern stehen schon in den Startlöchern und bereiten sich derzeit massenhaft darauf vor, rechtzeitig direkt am Ort des Geschehens zu sein und so ihre ganze Freude darüber zum Ausdruck zu bringen, ihre Mannschaft aus ihrer Heimat beim Stelldichein der Weltelite spielen zu sehen. Für einige von ihnen ist allein schon die Teilnahme ihrer Nationalmannschaft an der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ ein Riesenerfolg, auf den die Nationalspieler und ihre Trainer ebenso stolz sein können wie der gesamte Betreuerstab, der während des Turniers rund um die Uhr für die Mannschaft sorgen wird. Sie alle wollen für ihr Land ein Stück Fussballgeschichte schreiben.

Doch wie steht es nun um jene Fans, deren Nationalmannschaften sich nicht für Südafrika 2010 qualifizieren konnten? Werden sie das bevorstehende Turnier nur am Rande verfolgen, als wäre es eines unter vielen? Und werden sie sich nur für ihre eigenen Stars interessieren, deren Entwicklung sie das ganze Jahr über in ihrer jeweiligen Liga beobachten konnten?

Selbstverständlich nicht. Das Interesse an einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ ist keinesfalls auf die 32 teilnehmenden Mannschaften beschränkt. Auch in denjenigen Ländern deren Nationalteam nicht mit von der Partie ist, wird das WM-Turnier sehr intensiv verfolgt.

Man zeigt Flagge in Arabien
In den arabischen Staaten zeigen die Fans schon mal Flagge, indem sie die eine oder andere Mannschaft zu ihrem Favoriten erklären. Meistens handelt es sich dabei um jene Länder, die bei einer FIFA WM bereits mindestens einen Titel gewonnen haben, also in erster Linie Brasilien, Argentinien, Italien, Deutschland und England.

Dank der ständig wachsenden Zahl von Live-Übertragungen durch arabische Fernsehsender erfreut sich das weltweit bedeutendste Fussballturnier mittlerweile in den arabischen Ländern einer immer größeren Beliebtheit. So ist es heute normal, dass die arabischen Fans bei jeder Auflage der FIFA WM ihren eigenen Lieblingsklub für die Dauer des Turniers in den Hintergrund drängen und sich stattdessen voll auf die von ihnen bevorzugte Nationalmannschaft konzentrieren.

Ahmed Abou Ata ist Jordanier, dessen Herz während des WM-Turniers für das Team der Auriverdes schlägt. "Meine Mannschaft ist die Seleção. Ich bin überzeugt, dass Brasilien erneut Weltmeister wird. Innerhalb dieses Teams herrscht eine große Geschlossenheit."

WM vor dem TV
Die meisten WM-Spiele wird sich Abou Ata zu Hause im Fernsehen ansehen. Jene Partien aber, die von vornherein die größte Spannung versprechen, wird er lieber gemeinsam mit seinen Freunden im Café verfolgen, denn dort wird das Ambiente diesem Großereignis am besten gerecht. Genau das möchte auch Abou Ata genießen, zumal die Gelegenheit dafür höchst selten ist.

Demnach scheint es völlig natürlich zu sein, dass man vor allem jener Mannschaft die Daumen drückt, die man als seinen persönlichen Favoriten auserwählt hat. Eingefleischte Fans verfolgen die gesamte Vorbereitung "ihrer" Mannschaft bis ins kleinste Detail, und der harte Kern unter ihnen schickt gar Stoßgebete gen Himmel, dass sich ja kein Spieler ihres Lieblingsteams noch kurz vor dem Turnier verletzen möge. Ab dem Moment, da die 23-Mann-Kader für Südafrika 2010 bekannt sind, kommt es dann zu zahlreichen Diskussionen und Debatten, in deren Verlauf die nominierten Akteure mit kritischem Blick unter die Lupe genommen und häufig auch mit einem Fragezeichen versehen werden. Zum Bespiel diese: "Wie bitte? Ronaldinho, Francesco Totti und Zanetti sind nicht dabei?"

Die arabischen Fans verfolgen die FIFA WM mit großer Begeisterung, und vielleicht können sie ja im Jahr 2022 die erste Endrunde der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ auf arabischem Boden erleben, falls Katar den Zuschlag für die Austragung des Turniers in zwölf Jahren erhalten sollte.

Diskussionen und Rahmenprogramme
Während des vierwöchigen WM-Turniers wird der Spielplan überall und immer präsent sein. Bei wichtigen Begegnungen zwischen großen Fussballnationen finden spezielle Rahmenprogramme statt, ohne dass darüber die bislang weniger im Rampenlicht stehenden Mannschaften vernachlässigt werden. Denn auch sie haben dank ihrer WM-Qualifikation bereits einen großen Erfolg errungen. Einige werden an dieser Stelle anmerken, dass es ausnahmslos alle Spiele verdienen, gesehen und beachtet zu werden, und zwar unabhängig davon, welche Mannschaften sich dabei gegenüberstehen.

Doch wie dem auch sei, sobald der Anstoß zum Eröffnungsspiel erfolgt ist, werden sicher auch die ersten Gegensätze – wenngleich nur auf friedliche Art und Weise – zu Tage treten. Die Diskussionen werden heftiger und viele Fans werden in ihren Wohnvierteln zusammenkommen, um über diese oder jene vergebene Torchance zu fachsimpeln, bestimmte Tore besonders herauszuheben, die Klasse des einen oder anderen Stars zu loben, weil der sich für seine Mannschaft als Schlüsselspieler erweist, oder auch über so manchen Spieler herzuziehen, der ihrer Meinung nach seiner Verantwortung nicht gerecht wird.

Aïssa El Asmar kommt gleichfalls aus Jordanien. Und er legt großen Wert darauf, ja kein Spiel der WM zu verpassen. Schließlich fiebert er dem Beginn dieses Turniers alle vier Jahre voller Erwartung entgegen. Die Spiele selbst sieht er sich dann im Kreis seiner Freunde an, das macht das Ganze noch spannender und interessanter. El Asmar ist bekennender Fan der Albiceleste, in der gleich mehrere Weltstars stehen, allen voran Lionel Messi. Der Topstürmer des FC Barcelona könnte zum Spieler des Turniers werden und damit in die Fußstapfen seines Trainers Diego Maradona treten, der mit Argentinien bei der FIFA WM Mexiko 1986 den Titel geholt hatte.

Fan-Kult an allen Ecken
Die arabischen Fans zelebrieren ihre Unterstützung für ihr Lieblingsteam auf unterschiedliche Art. Während einige die Fahne mit den Nationalfarben ihrer bevorzugten Mannschaft ins Fenster hängen, hissen andere die Flaggen ihrer Lieblingsmannschaft auf den Dächern ihrer Häuser. Und wieder andere schmücken für die Dauer des Turniers ihr Auto mit der Nationalflagge "ihres" Teams oder tragen an den Tagen, an denen ihr Favorit spielt, die Trikots ihrer Idole.

Als besonders einfallsreich gelten in dieser Hinsicht die Libanesen. Denn im Libanon sieht man vor einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ in aller Regel an zahlreichen Häuserfassaden und auf öffentlichen Plätzen die Nationalfahnen Brasiliens, Deutschlands und Italiens, die es zu dieser Zeit überall im Land zu kaufen gibt.

Die schönsten Augenblicke indes bleiben sicher jene, in denen die Fans von überall herbeiströmen, um beim Public Viewing ein WM-Spiel live zu sehen. Die moderne Technik macht es möglich, dass ein solches Event auch fernab des eigentlichen Schauplatzes von vielen Menschen an einem dafür geeigneten Ort live verfolgt werden kann. Und das mit allem, was dazugehört, von der knisternden Spannung bis zu den Jubelschreien und Freudentaumeln, sobald ein Tor gefallen ist. Mit fortschreitender Turnierdauer nimmt die Zahl der auf den Boulevards veranstalteten Autokorsos, bei denen unter lautstarken Hupkonzerten die Nationalfahnen der noch im Wettbewerb befindlichen Mannschaften geschwenkt werden, stetig zu. Daneben gibt es natürlich auch jene Fans, die an den Tagen, da ihre Lieblinge verloren haben oder aus dem Turnier ausgeschieden sind, ihrer Enttäuschung und Verzweiflung Ausdruck verleihen und deren Gesichter sich dann auch kaum von denen der Fans der direkt betroffenen Nationen unterscheiden.

"Es ist einfach wunderbar, eine FIFA WM als Fan zu verfolgen"
Dazu der Ägypter Mohamed Abdel Raouf: "Es ist einfach wunderbar, eine FIFA WM als Fan zu verfolgen, denn es ist unbestritten das bedeutendste Sportereignis überhaupt. Selbstverständlich bin ich traurig darüber, dass die Nationalmannschaft meines Landes nicht dabei ist, auch wenn sie zweifellos die stärkste auf dem afrikanischen Kontinent und im arabischen Raum ist. Jetzt hoffe ich, dass Algerien eine gute Vorstellung bietet und zumindest die zweite Runde erreicht."

Und fügte hinzu: "In Kairo treffen wir uns mit unseren Kumpels im Café. Dort reden wir dann über das jeweilige Spiel, noch bevor es losgeht. Danach konzentrieren wir uns bis zum Schlusspfiff voll auf die Partie und feiern jeden Treffer so, als ob wir selbst im Stadion wären. Anschließend wird das soeben Gesehene in alle Einzelheiten zerpflückt."

Algerien ist bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ der einzige Repräsentant aus dem arabischen Sprachraum. Trotz der Tatsache, dass viele arabische Fans die eine oder andere teilnehmende Mannschaft favorisieren, steht die gesamte arabische Fangemeinde wie ein Block hinter dem einzigen arabischen Team, von dem alle hoffen, dass es mindestens die Vorrunde übersteht.

Ganz Arabien unterstützt Algerien
Rafik Bouchlaka, der in Tunesien als Tennislehrer arbeitet, verweist darauf, dass er bei FIFA WM-Turnieren vorzugsweise die Auftritte der arabischen Mannschaften verfolgt. In diesem Jahr habe es das Schicksal jedoch gewollt, dass der arabische Fussball lediglich durch Algerien vertreten sein wird, wodurch die Algerier zwangsläufig in den Fokus der Aufmerksamkeit aller Araber gerückt sind.

"Ich werde mir auch die Spiele der afrikanischen Teams ansehen, vor allem die der Kameruner, denn die haben sich fast bei allen ihrer WM-Teilnahmen hervorragend geschlagen. Dieses Mal ist Kamerun ein ernster Anwärter für die zweite Runde, wenn nicht gar für das Viertelfinale", so Bouchlaka weiter.

Einen ganzen Monat lang wird die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ also für weltweite Aufmerksamkeit sorgen, unter anderem auch in den arabischen Ländern. Was wird die Fans in aller Welt wohl am meisten beeindruckt haben, wenn die Weltmeister von 2010 mit der begehrten Trophäe vor den Kameras posieren?

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