FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

9 Juni - 9 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™

Ferenc Puskás – der Mächtigste der Magyaren

  • Am 17. November 2006 verstarb Ferenc Puskás im Alter von 79 Jahren
  • Wir blicken zurück auf einen außergewöhnlichen Fussballer
  • Seit 2009 gibt es den FIFA Puskás-Preis

Die Geschichte des europäischen Landesmeisterpokals wurde durch einige der größten Spieler des Weltfussballs mitgeprägt. Nur wenige dieser Spieler können jedoch dem großen Ferenc Puskás, dem besten ungarischen Spieler aller Zeiten, das Wasser reichen.

Drei Mal gewann er mit Real Madrid den wichtigsten europäischen Wettbewerb für Vereinsmannschaften und trug mit dazu bei, dieses Turnier in seinen Anfangsjahren zu etablieren. Er war der schillernde Star eines Teams, der einer Trophäe Glanz verlieh, die in Istanbul diese Woche erneut im Mittelpunkt stehen wird, wenn der AC Mailand und der FC Liverpool im Finale der Champions League aufeinander treffen.

Zwar hatte Puskás mit den Königlichen aus Madrid bereits reichlich europäischen Ruhm geerntet, doch seine Hoffnungen auf den Gewinn der höchsten Auszeichnung im Weltfussball, den FIFA-Weltpokal, wurden in einem der dramatischsten Finale der Geschichte des Fussballs zerstört, als Ungarn 1954 im Endspiel der Bundesrepublik Deutschland unterlag. Das Spiel sollte der krönende Höhepunkt für ein Team sein, das vier Jahre lang kein Spiel verloren hatte und dessen wichtigste Inspiration Puskás' linker Fuß war – doch am Ende verloren die Magyaren sensationell mit 2:3.

1927 in Budapest geboren, begann die Karriere von Puskás beim alten Verein seines Vaters, Kispest Budapest. Seine kleine, etwas massig wirkende Gestalt mag neben den modernen athletischen Fussballern der heutigen Zeit etwas seltsam wirken, doch seine beeindruckende Treffsicherheit hätte ihm sicher in jeder Epoche zu Ruhm verholfen. Nachdem er bereits mit 16 Jahren einen Stammplatz im Verein erobert hatte, debütierte Puskás mit 18 Jahren in der Nationalelf. Nach der Wiedergeburt von Kispest als Armeeverein des Landes, wurde Honved, wie der Club nun hieß, zum dominierenden Verein des ungarischen Fussballs.

'Major Puskás'

Honveds Verbindungen zur Armee brachten ihm die Bezeichnung 'Major Puskás' ein. Es waren jedoch vor allem seine Erfolge mit der Nationalmannschaft, die zum großen Teil aus Spielern von Honved Budapest bestand, die ihm Anerkennung in ganz Europa und darüber hinaus einbrachten. Puskás holte mit Ungarn bei den Olympischen Spielen 1952 die Goldmedaille und führte im folgenden Jahr die 'Mächtigen Magyaren' zu einem ihrer größten Triumphe. Mit dem 6:3-Sieg gegen England wurden sie zum ersten Team vom Kontinent, das im Wembley-Stadion siegte.

Man erzählt sich, dass ein englischer Spieler vor dem Anpfiff Puskás sah und Folgendes zum Besten gab: "Seht euch den Dicken an. Die machen wir alle kalt." Nun, die Ungarn fegten die Hausherren vom Platz. Dabei erzielte Puskás den dritten Treffer der Partie – ein Tor, das er später als sein "absolutes Lieblingstor" bezeichnen sollte.

Bevor er Englands Torhüter Gil Merrick mit einem Schuss ins kurze Ecke bezwang, setzte sich Puskás noch gegen Englands Spielführer Billy Wright mit einer geschickten Körpertäuschung durch. Die Zeitung 'The Times' beschrieb dies wie folgt: "Wright stürmte an ihm vorbei, wie ein Feuerwehrauto, das auf dem Weg zum falschen Feuer ist." Puskás beschrieb es etwas nüchterner. Er erinnert sich, dass ohne seine schnelle Reaktion, "Wright mich und den Ball vom Rasen und bis auf die Tribüne befördert hätte."

Rückblick: Schweiz 1954

So kam es, dass Ungarn als klarer Favorit zur WM 1954 in der Schweiz reiste. In den ersten Spielen ließen die Ungarn dann auch keinerlei Zweifel an ihrer Favoritenrolle aufkommen. Erst besiegten sie die Republik Korea mit 9:0, bevor sie Deutschland im nächsten Gruppenspiel mit 8:3 vom Platz fegten. Im ersten Spiel erzielte Puskás zwei Tore, während er gegen die Deutschen ein Mal erfolgreich war.

In dieser zweiten Partie erlitt er jedoch nach einem Angriff von Werner Liebrich eine folgenschwere Verletzung. Der englische Journalist Brian Glanville schrieb darüber in 'The Story Of The World Cup': "Im Nachhinein war es der Tritt, der über den WM-Sieg entschied. Puskás würde ihn später als absichtlich bezeichnen."

Aufgrund seiner Knöchelverletzung verpasste Puskás sowohl den Viertelfinalsieg gegen Brasilien, das aufgrund des anschließenden Handgemenges zwischen Spielern beider Mannschaften als die 'Schlacht von Bern' in die Geschichte eingehen sollte, als auch den Sieg im Halbfinale gegen Uruguay. Die große Frage vor dem Endspiel war, ob Puskás noch rechtzeitig wieder fit werden würde. In der Tat stand er in der Anfangsformation und erzielte auch das erste Tor, war jedoch, wie Glanville schreibt, "deutlich durch die Knöchelverletzung gehandicapt." Die Deutschen hatten einen 0:2-Rückstand wieder wettgemacht, als Puskas den Ball erneut ins Netz setzte. Der Schiedsrichter verweigerte dem Treffer die Anerkennung wegen Abseits. Am Ende mussten die Ungarn noch einen Gegentreffer hinnehmen, und ihr Traum hatte ein abruptes Ende gefunden.

Laut des ungarischen Fussballverbands erzielte Puskás beeindruckende 83 Treffer in 84 Spielen für Ungarn. Es hätten noch wesentlich mehr werden können, wenn er nicht in dem Jahr, in dem er 29 Jahre wurde, nämlich 1956, seinem Land den Rücken kehrte. Der Grund für sein Überlaufen in den Westen war die Niederschlagung des Aufstands in Ungarn, während er sich mit seiner Honved-Mannschaft für ein Europapokalspiel in Spanien befand.

Zweites ruhmreiches Kapitel

Er verbrachte sein erstes Jahr im Westen in Österreich, konnte dort jedoch keinen Verein finden. Es war sein ehemaliger Trainer bei Honved, Emil Oestreicher, der ihm dann zu Real Madrid holte, wo ein zweites ruhmreiches Kapitel seiner fussballerischen Laufbahn beginnen sollte. Er wurde Mitglied eines Teams, das vier Mal in Folge den Europapokal holte und fand dort einen kongenialen Partner in Alfredo Di Stefano. Dieses Duo harmonierte im Europapokal-Finale 1960 besonders spektakulär, als Di Stefano einen Hattrick erzielte, Puskás ihn an diesem unvergesslichen Abend in Glasgows Hampden Park noch um ein Tor übertraf und vier Mal erfolgreich war.

Als er 1966 seinen Rücktritt erklärte, hatte Puskás mehr als 300 Tore für Real Madrid erzielt und war vier Mal erfolgreichster Torschütze der Primera División. Zwar unterlag er 1962 im Europapokal-Finale gegen Benfica Lissabon, erzielte aber auch in dieser Partie einen Hattrick - nicht schlecht für einen 35-Jährigen. Im selben Jahr spielte er für seine Wahlheimat Spanien beim FIFA Weltpokal™-Turnier in Chile.

Einmal sollte Puskás noch eine Rolle in einem Europapokal-Finale spielen, und zwar als Trainer des griechischen Vereins Panathinaikos im Jahr 1971. Das Spiel fand in Wembley statt, dem Schauplatz eines seiner großen Triumphe. Dieses Mal fand er sich jedoch auf der Verliererseite wieder, als sein Team der Mannschaft von Ajax Amsterdam mit 0:2 unterlag. Weitere Trainerstationen waren AEK Athen und Colo Colo in Chile, Al-Maszri in Ägypten und das australische Team Panhellic Melbourne bevor er schließlich 1993 in seine Heimat Ungarn zurückkehrte. Selbst dann, mit 66 Jahren, war er noch so populär, dass er eine kurze Zeit lang als Interimstrainer der Nationalelf fungierte. 2001 wurde das Nationalstadion in Budapest nach ihm benannt, fünf Jahre später verstarb Puskás in seiner Geburtsstadt.

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