FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™

14 Juni - 15 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2018™

Erinnerungen an einen "Traum in blau"

© Popper Foto
  • Am 12. Juli liegt der Triumph von Frankreichs "Bleus" bei der WM im eigenen Land genau 20 Jahre zurück
  • Im WM-Archiv gibt es ale Infos, Videos und Fotos zu Frankreich 1998
  • Frankreich will nach 20 Jahren den zweiten Stern auf der Brust

Alle Franzosen, die 1998 alt genug waren, Fussball zu schauen, wissen bis heute genau, wo sie am 12. Juli dieses Jahres waren: Vor Ort im Stade de France, in einer Bar, in den Ferien oder im heimischen Wohnzimmer. Alle erinnern sich an diesen denkwürdigsten Augenblick der französischen Fussballgeschichte, als Zinédine Zidane die brasilianischen Abwehrspieler übersprang, um die ersten beiden Tore im Endspiel der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Frankreich 1998 zu erzielen.

Unvergessen die Kommentare des französischen Reporters Thierry Roland nach dem Tor von Emmanuel Petit. Alle Anhänger der "Bleus" verspürten nach Schlusspfiff unbändige Freude. Immer wieder sangen sie: "On est champions" – Wir sind Weltmeister! Gar nicht genug bekommen konnten sie auch davon, den 3:0-Endstand mit "Et un, et deux, et trois - zéro" zu skandieren. Kurz, sie feierten den historischen Moment gebührend. Auch 20 Jahre später sind die Erinnerungen an diese verrückte Fussballnacht im Juli noch frisch – oder werden wieder wach. FIFA.com blickt zurück.

Zahlen und Fakten

3 – Wie die Tordifferenz im Finale. Das gab es nur drei Mal in der Geschichte des Wettbewerbs. Zum ersten Mal 1958, als Brasilien gegen Schweden mit 5:2 gewann. Das zweite Mal 1970, als Brasilien gegen Italien mit 4:1 gewann. Und eben 1998, als Frankreich mit 3:0 gegen Brasilien gewann.

6 – Frankreich gewann 1998 die WM im eigenen Land und avancierte damit zur sechsten Mannschaft, der diese Leistung gelang. Zuvor waren Uruguay (1930), Italien (1934), England (1966), die BR Deutschland (1974) und Argentinien (1978) als Gastgeber Weltmeister geworden.

75,8 – Am Abend des 12. Juli 1998 erreichte die Einschaltquote beim WM-Endspiel bei 75,8 Prozent aller französischen Haushalte. Die meisten Zuschauer wurden gegen Ende des Spiels registriert: 23 Millionen.

Mehr "Statistisches" gibt es hier: Der Triumph der "Bleus" in Zahlen

Die Protagonisten von damals wollten ihre Erinnerungen mit ihrem Publikum teilen und bestritten im Juni 2018 ein Jubiläumsspiel in der U Arena von Nanterre. FIFA.com hat sich mit einigen von ihnen unterhalten.

"Es ist auch 20 Jahre danach immer wieder beeindruckend, wenn man feststellt, dass das über das rein Sportliche hinaus geht. Es war unser schönster Sieg. Das wurde uns erst einige Zeit später bewusst, als wir diese Massen, diese Heerscharen von Menschen sahen. Das alles hätten wir zu keinem Zeitpunkt vorhersagen können. Es traf uns vollkommen unvorbereitet, auch wenn es letztlich extrem positive Gefühle waren, wie man sie sich eigentlich nur wünschen kann. Unterm Strich ist das für einen Fussballer das Schwierigste überhaupt: die Herzen der Menschen zu erobern."
Mittelfeldspieler Emmanuel Petit

"20 Jahre danach wird einem wieder bewusst, was das für eine große Sache war. 1998 war und ist der Wahnsinn. Auch nach 20 Jahren tragen die Menschen uns noch in den Herzen und uns verbindet etwas Besonderes. Das begreift man in dem Moment gar nicht. Das übersteigt das eigene Fassungsvermögen. Man kann sich ja nicht in Millionen Leute hineinversetzen. Für uns war es so, dass wir einfach nur ein Spiel gespielt haben, eine WM. Wir haben versucht, unsere Partien zu gewinnen. Für uns, für unsere Zuschauer. Aber damit war es für uns erledigt. Wir dachten nicht, dass wir darüber hinaus irgendwie Einfluss darauf hätten, was die Leute denken oder fühlen."
Linksverteidiger Bixente Lizarazu

"Es ist uns gelungen, glücklich zu sein, indem wir einfach nur wir selbst waren. So haben wir ein ganzes Land glücklich gemacht. Wir haben diese Gefühle gemeinsam erlebt. Ich denke jeden Tag daran zurück."
Torhüter Fabien Barthez

"Ich denke, wir haben Freude hinterlassen, und Freude ist schon mal nicht schlecht. Der Schiedsrichter pfeift ab und man denkt nur so: 'Wir sind Weltmeister.' Das mag sich banal anhören oder auch total bescheuert, aber ich habe zu mir gesagt: 'Wir sind Weltmeister.' Ich weiß noch, ich habe eine Minute vor dem Ende auf die Uhr gesehen und gedacht: 'Die Brasilianer könnten noch mal ins Spiel zurückkommen.' Und dann pfeift der Schiri ab und es wird dir klar."
Stürmer Thierry Henry

Interviews: Laurent Blanc / Fabien Barthez

Von 1998 bis 2018
Zwanzig Jahre später schicken sich die neuen "Bleus" an, es denen von 1998 gleichzutun. Die Gemeinsamkeiten drängen sich dabei geradezu auf.

So profitierte die Mannschaft von Trainer Aimé Jacquet seinerzeit von der Unbekümmertheit David Trezeguets oder Thierry Henrys. Bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ ist es Kylian Mbappé, der mit seinen gerade mal 19 Jahren die Fussballwelt begeistert. Die französische Nationalmannschaft von 1998 war auch und vor allem defensivstark – genau wie ihre Nachfolger. Frankreich 1998 war der Durchbruch für zwei französische Außenverteidiger: Lilian Thuram und Bixente Lizarazu. Heute lobt man allerorten die Flügelzange aus Benjamin Pavard und Lucas Hernandez. Und schließlich wären da noch Stéphane Guivarc'h und Olivier Giroud. Beide sind sich für Abwehrarbeit nicht zu schade und beide teilen das Schicksal, das sie bei "ihren" Weltmeisterschaften 1998 und 2018 selbst kein Tor erzielt haben.

Eine Art Konstante wäre indes Didier Deschamps: Der Kapitän von 1998 ist der Nationaltrainer von 2018. Im Falle eines Sieges gegen Kroatien könnte er nach dem Brasilianer Mario Zagallo und dem Deutschen Franz Beckenbauer der Dritte sein, der die Weltmeisterschaft sowohl als Spieler denn auch als Trainer gewinnt.

Dazu muss auf den 12. Juli 1998 "nur" der 15. Juli 2018 folgen.

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