FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™

11 Juni - 11 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™

England und Deutschland zum Siegen verdammt

John Terry of England directs his team mates
© Getty Images

In den Gruppen C und D ist noch längst nichts entschieden, da sich noch alle acht Teams Hoffnungen auf das Erreichen des Achtelfinales der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ machen können.

Die im Vorfeld des Turniers als Favoriten gehandelten Engländer hatten sicher nicht damit gerechnet, dass sie vor dem dritten und letzten Vorrundenspiel in der Gruppe C auf einem Tabellenplatz stehen würden, der das Ausscheiden bedeutet. Trotz des schwachen Turnierauftakts könnten die Three Lions sogar noch den Gruppensieg holen, wenn sie gegen Slowenien gewinnen. Den Slowenen hingegen genügt bereits ein Unentschieden. Mit einem torreichen Unentschieden könnten die Schützlinge von Fabio Capello noch den Sprung in die nächste Runde schaffen, sofern es in der Partie zwischen den USA und Algerien keinen Sieger gibt. Die U.S.-Boys und die Algerier wiederum wissen, dass ihnen im Falle eines englischen Sieges ebenfalls nur ein Sieg reicht

Ebenso offen ist die Situation vor dem abschließenden Spieltag in der Gruppe D. Mit vier Punkten besitzt Ghana zweifellos die beste Ausgangsposition, da den Afrikanern im letzten Gruppenspiel gegen Deutschland schon ein Unentschieden genügen würde, um die nächste Runde zu erreichen. Für die DFB-Elf hingegen muss angesichts der Tatsache, dass sie die gleiche Punktzahl wie Serbien aufweist und ihr eventuell auch noch Australien (ein Zähler) gefährlich werden könnte, gegen Ghana unbedingt ein Sieg her. Gleiches gilt für die Australier, die gegen Serbien ebenfalls gewinnen müssen, um ihre Chance auf den Einzug ins Achtelfinale zu wahren. Den Serben wiederum würde sogar ein Unentschieden reichen, wenn Deutschland gegen Ghana keinen Punkt holt.

Die Spiele
USA - Algerien, Gruppe C, Tshwane/Pretoria, 16:00 Uhr
Slowenien – England, Gruppe C, Nelson Mandela Bay/Port Elizabeth, 16:00 Uhr
Australien - Serbien, Gruppe D, Nelspruit, 20:30 Uhr
Ghana - Deutschland, Gruppe D, Johannesburg (Soccer-City-Stadion), 20:30 Uhr

Das Spiel des Tages
Ghana – Deutschland

Joachim Löw will keinesfalls als erster deutscher Nationaltrainer in die Geschichte eingehen, dessen Mannschaft bereits nach der Vorrunde einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ die Heimreise antreten muss. Nach der Euphorie, die der klare 4:0-Auftaktsieg über Australien ausgelöst hatte, erhielt die DFB-Elf mit der 0:1-Niederlage gegen Serbien einen unerwarteten Dämpfer, so dass sie nun um den Einzug in die nächste Runde bangen muss. Torjäger Miroslav Klose, von dem man sich im deutschen Lager noch einiges erhofft hatte, wird seiner Mannschaft wegen der Roten Karte aus dem Serbien-Spiel nicht zur Verfügung stehen. Für ihn dürfte Angreifer Cacau in die deutsche Startformation nachrücken. Obwohl Deutschland auch ein Remis reichen könnte – falls sich Australien und Serbien gleichfalls unentschieden trennen würden – erwartet ganz Deutschland nichts anderes als einen überzeugenden und erfolgreichen Auftritt. Die Ghanaer wiederum dürften sich noch immer die Haare raufen, dass sie gegen die lange in Unterzahl spielenden Australier nicht über ein Remis (1:1) hinauskamen. Überdies hoffen sie, dass die beiden Innenverteidiger John Mensah und Isaac Vorsah gegen Deutschland wieder einsatzbereit sind. Im Übrigen wären die Afrikaner, die sich der bedingungslosen Unterstützung seitens der Zuschauer sicher sein dürften, gut beraten, nicht auf Unentschieden zu spielen. Schließlich bekommen sie es mit einer Mannschaft zu tun, die vor allem und gerade dann höchst gefährlich ist, wenn sie wie in diesem Fall leicht angeschlagen in ein Spiel geht.

Das Top-Duell
Robert Koren (SVN) gegen Wayne Rooney (ENG)

Der slowenische Mittelfeldakteur zählt bislang zweifellos zu den besten Spielern seiner Mannschaft. Dagegen war von Wayne Rooney im englischen Nationalteam, das in Südafrika 2010 bisher vieles schuldig geblieben ist, überraschend wenig zu sehen. Im letzten Gruppenspiel der Gruppe C kommt es zum Duell zwischen dem wuchtigen Torjäger von Manchester United, der – um das Mutterland des Fussballs zu retten – endlich wieder treffen muss, und dem Mittelfeldspieler von West Bromwich Albion, der nur eines im Sinn haben wird: einen Konter im Rücken der Engländer einzuleiten und möglichst auch erfolgreich abzuschließen, um seinem Land zum ersten Mal überhaupt den Einzug ins Achtelfinale eines FIFA WM-Turniers zu sichern. Manchester United gegen West Bromwich Albion, das hört sich ein bisschen an wie David gegen Goliath, wenngleich niemand voraussagen kann, wer von beiden Teams am Ende als Sieger vom Platz gehen wird.

Zitat
"Die U.S.-Amerikaner sind wie wir, sie sind echte Patrioten. Und sie haben keine Stars in ihren Reihen. Da zählt allein die Mannschaft."

Madjid Bougherra (Verteidiger, Algerien)


Modenschau auf der Trainerbank. Die Zeiten, als die Trainer noch in schlabbernden Trainingsanzügen an der Seitenline auf- und abliefen, scheinen vorbei zu sein. Seit Beginn dieser FIFA WM bestimmen Eleganz und korrekte Kleidung das Bild auf der Trainerbank. Allen voran die Nationaltrainer der favorisierten Teams. So auch Brasiliens Carlos Dunga, der neuerdings mit Rollkragen-Pullover und im maßgeschneiderten Kurzmantel zu sehen ist. Oder Fabio Capello, der wie immer elegant gekleidet und im offiziellen Anzug der englischen Delegation auf der Trainerbank zu beobachten ist. Deutschlands Joaquim Löw hingegen bevorzugt nach wie vor ein lässig-elegantes Outfit und trägt unter dem Sakko ein weißes oder blaues T-Shirt mit V-Ausschnitt. Für die größte Überraschung sorgte indes Diego Maradona, der sich – um seine Töchtern zu gefallen, wie er selbst sagte – ebenfalls im feinen Tuch präsentiert, indem er einen klassisch grauen Anzug trägt, auch wenn der ein wenig zu groß geraten scheint. Einzig Marcello Lippi ruderte gegen den Trend seiner Trainerkollegen und zeigte sich in einem roten Trainingsanzug, in dem sein graues Haar erst richtig zur Geltung kommt. Raymond Domenech schließlich scheint – passend zum Trauerspiel seiner Bleus – bereits die entsprechende Farbe für seine Kleidung gewählt zu haben, denn er trägt meist einen kurzen schwarzen Mantel.

Nummer 13 als Glücksbringer. Die deutsche Fangemeinde setzt derzeit große Hoffnungen auf Bayern-Stürmer Thomas Müller, wobei sicher auch ein Hauch Nostalgie mitschwingt. Denn der junge Thomas von heute hat den gleichen Familiennamen wie Gerd Müller. Der frühere* Bomber der Nation* hatte mit Bayern München – dem gleichen Klub also, bei dem Thomas Müller spielt – so ziemlich alles gewonnen, was es zu gewinnen gab, und als Nationalspieler in 62 Länderspieleinsätzen mit 68 Toren eine Traumquote erzielt. Sicher, Thomas ist zehn Zentimeter größer als sein berühmter Namensvetter und agiert zudem nicht als Sturmspitze, sondern als Mittelfeldspieler. Doch er heißt so wie er, spielt auch bei Bayern München und trägt in der Nationalmannschaft ebenfalls die 13 als Rückennummer. Fehlen also nur noch die Tore!

Capello als Psychologe? Fabio Capello ist mit seinem Latein am Ende. "Im Training läuft alles perfekt. Die Spieler geben ihr Bestes und setzen meine Vorgaben vollständig um. Doch sobald es ernst wird und man ihnen beim Spiel zusieht, erwecken sie den Eindruck, dass es sich dabei nicht um die gleichen Spieler handelt", klagte der italienische Coach der Engländer. "Ich habe das Gefühl, dass meine Spieler irgendwie Angst haben. Das ist unglaublich. Sie müssen ihren Kopf unbedingt wieder frei bekommen", so der sichtlich ratlose Capello, was bei einem Mann seiner Erfahrung schon etwas heißen will. "Unser Tagesablauf beschränkt sich auf die Trainingseinheiten, das Mittagessen und die Ruhepausen. Der Rest steht der Mannschaft zur freien Verfügung. "Der Druck auf uns nimmt zu, zumal wir viel Zeit darauf verwenden, um uns auf das nächste Spiel einzustellen", sagte dazu Mannschaftskapitän John Terry. Aber wer weiß, vielleicht ist das von Capello eingeführte strenge Regime ja auch nicht ganz unschuldig an der psychischen Blockade seiner Spieler…


Mehr zu diesem Thema erfahren