FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™

11 Juni - 11 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™

Ein Kontinent in Tränen

© Getty Images

Auf dem Platz flossen Tränen, ebenso auf den Tribünen und in ganz Afrika, als das letzte Team, das die Fahne des Kontinents hoch gehalten hatte, schmerzvoll seinen Abschied von der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010 nehmen musste. Asamoah Gyan, der so oft der Held der Black Stars aus Ghana gewesen war, weinte am bitterlichsten, während seine Mannschaftskameraden reihum versuchten, ihn zu trösten. Sein Fehlschuss vom Elfmeterpunkt aus in den letzten Sekunden der Verlängerung resultierte in einem Elfmeterschießen, in dem Ghana schließlich den Kürzeren zog.

"Wir lieben sie immer noch"
Außerhalb des Stadions - diesem wunderbaren Monument des afrikanischen Fussballs, das Soccer City geworden ist - streckten sich Gyan und seinen Black Stars noch mehr Arme entgegen. "Wir lieben sie doch immer noch. Wir lieben Gyan und all unsere Jungs", versicherte Apeni aus Ghana, die immer noch tanzte, ihre Fahne schwenkte und in ihre Vuvuzela blies. "Das sind unsere Jungs und wir werden sie immer unterstützen", sagte Nii, der den Arm um seine Cousine gelegt hatte, beide in die rot-grün-gelbe Fahne Ghanas gehüllt. Sie waren den ganzen Weg von Accra hierher gereist und lächelten immer noch. "Es hätte alles auch ganz anders laufen können, aber der Fussball kann manchmal auch grausam sein. 2014 werden wir mit neuem Mut wieder am Start sein!" Angesichts von fünf Spielern, die 20 Jahre oder jünger sind, könnte Niis Worten für die nächste WM in Brasilien durchaus prophetische Bedeutung zukommen.

Mehr als 84.000 Fans füllten das Soccer-City-Stadion in Johannesburg, und die übergroße Mehrheit unterstützte enthusiastisch die* Black Stars,* das einzige im Turnier verbliebene Teams Afrikas nachdem Gastgeber Südafrika, die Elfenbeinküste, Algerien, Nigeria und Kamerun bereits in der Gruppenphase ausgeschieden waren. Die Enttäuschung war mit den Händen zu greifen, aber ebenso Gefühle wie Stolz, Würde und Mitgefühl. "Wir hatten es in der Hand", klagte Monde, 23 Jahre alt, in Soweto geboren und aufgewachsen. "Wenn wir die Ghanaer sehen, dann sehen wir eine große Mannschaft. Heute Abend sind sie unser Team und wir grüßen sie als Afrikaner."

Historische Chance verpasst
Nachdem man in der grausamen Lotterie des Elfmeterschießens unterlegen war, hatte Ghana damit auch eine historische Chance verpasst. Bei einem Sieg wäre man die erste Mannschaft vom afrikanischen Kontinent gewesen, die bei einer FIFA WM-Endrunde das Halbfinale erreicht hätte. Nun sind sie in einer Reihe mit Kamerun und Senegal zu nennen, die ebenfalls in der Runde der letzten Acht scheiterten. Milovan Rajevacs Team ist noch jung und die afrikanischen Fussballanhänger hoffen, in Zukunft noch mehr davon zu sehen. "Ich werde in vier Jahren nach Brasilien fahren und sehen, wie ein afrikanisches Team dort noch weiter kommt", versicherte Justin, ein weißer Südafrikaner, lächelnd und nahm einen letzten Schluck Bier, bevor er das Stadion verließ und sich auf den Heimweg machte.

Es war eines der dramatischsten Spiele dieser ersten Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden. Die Tränen von Gyan und seinen Mannschaftskameraden werden trocknen, denn sie haben ihren Kontinent großartig vertreten. Nachdem Ghana zum zweiten Mal die K.o.-Runde bei einer WM erreicht hatte, sagte ein Banner, das von einer der Tribünen hing, eigentlich alles: "Danke, Ghana", stand nur darauf, in roten Buchstaben. Es ist ein Gefühl, das an diesem Abend alle in Afrika teilten, von Kairo bis Kapstadt.

"Sie haben keinen Grund zu weinen", sagte Nii, während er und seine Cousine sich auf den Weg in die Dunkelheit machten und sich dabei gegenseitig stützten. "Sie haben der Welt gezeigt, dass wir Afrikaner Fussball spielen können. Wir können schön spielen und eines Tages sind auch wir an der Reihe. Da bin ich ganz sicher."

Mehr zu diesem Thema erfahren

Empfohlene Artikel

FIFA Weltmeisterschaft™

Die Bilder zum Spiel Uruguay - Ghana

02 Jul 2010