FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™

11 Juni - 11 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™

Ein Favorit und drei Außenseiter

© Getty Images

In den letzten zwei Achtelfinal-Begegnungen kommt es bei der FIFA WM 2010 einerseits zu dem mit Spannung erwarteten Nachbarschaftsduell zwischen Spanien und Portugal sowie andererseits zur Begegnung zwischen Paraguay und Japan.

Auch wenn die Spanier zum Auftakt gegen die Schweiz eine unerwartete Niederlage hinnehmen mussten, der Einzug des amtierenden Europameisters in die Runde der letzten 16 dürfte für niemanden eine Überraschung gewesen sein. Portugal hingegen musste in der Gruppenhase bereits einen schweren Härtetest bestehen, zumal man es dort mit starken Gegnern wie Brasilien und der Elfenbeinküste zu tun hatte. Dadurch war dieses Achtelfinale fast schon vorprogrammiert, so dass Vicente del Bosque und Carlos Queiroz genügend Zeit blieb, ihre Mannschaften auf diese Begegnung einzustellen.

Dagegen hatte wohl kaum jemand voraussagen können, dass Titelverteidiger Italien derart enttäuschen und in Gruppe F am Ende dem Team aus Paraguay den Einzug in die nächste Runde ermöglichen würde. Die Südamerikaner, deren erfolgreichster Torschütze aus der WM-Qualifikation, Salvador Cabañas, nicht mit nach Südafrika reisen konnte, treffen im Achtelfinale auf Japan, das in der Kap-Nation das beste Abschneiden bei einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ - das Erreichen des Achtelfinales – wiederholen konnte. Damit kommt es zur zweiten Achtelfinal-Partie zwischen einer südamerikanischen und einer asiatischen Mannschaft bei diesem Turnier, nachdem sich Uruguay dank eines 2:1-Erfolgs gegen die Republik Korea bereits für das Viertelfinale qualifizieren konnte.

Die Spiele
Paraguay – Japan, Tshwane/Pretoria, 16:00 Uhr
Spanien – Portugal, Kapstadt, 20:30 Uhr

Das Spiel des Tages
Spanien – Portugal

Von den bislang vier direkten Aufeinandertreffen beider Mannschaften im Rahmen der WM-Qualifikation konnten die Spanier drei für sich entscheiden. Für die Portugiesen weist die Bilanz lediglich ein Unentschieden aus. Doch das alles liegt inzwischen schon über ein halbes Jahrhundert zurück. Dennoch besteht seitens der Portugiesen offenbar so etwas wie eine Art Komplex, denn von den insgesamt 32 Länderspielen gegen Spanien gewann die Selecção nur fünf und spielte zwölf Mal remis. Die restlichen 15 Partien endeten mit einer Niederlage.

Paradoxerweise findet das nächste Duell zwischen beiden Kontrahenten zu einem Zeitpunkt statt, da sich der amtierende Europameister einerseits mit einer der besten Mannschaften präsentiert, die Spanien je hatte, andererseits aber auch am ehesten verwundbar im Vergleich mit den übrigen Favoriten dieses Turniers scheint. Nachdem das attraktive Kurzpassspiel der Spanier von den gegnerischen Teams weitestgehend durchschaut und entschärft worden war, entschloss sich Vicente del Bosque, einen Teil des spektakulären Spiels seiner Mannschaft zugunsten einer eher pragmatischen Spielweise zu opfern. Dies wurde besonders beim 2:1-Sieg über Chile deutlich.

Portugals Nationalcoach Carlos Queiroz vertraut indes weiterhin auf sein Erfolgsrezept, das auf einer soliden Abwehr und in der Offensive auf den Schultern von Cristiano Ronaldo ruht, dem er die Führungsrolle im Team übertragen hat. Und bis jetzt hat sich dieses Konzept auch bewährt, denn seine Mannschaft erzielte in der Vorrunde sieben Treffer und blieb ohne Gegentor. Der inzwischen bereits drei Mal zum "Budweiser Man of the Match" gewählte Ronaldo hat es bisher hervorragend verstanden, die gegnerischen Verteidiger ständig zu beschäftigen, um so seinen Mitspielern mehr Spielraum zu verschaffen.

Im Übrigen stehen sich in dieser Begegnung mit Cristiano Ronaldo (Real Madrid) und David Villa, der ab der kommenden Saison für den FC Barcelona auflaufen wird, zwei Topstars der spanischen Primera División gegenüber. Egal wie das Spiel auch ausgehen wird, auf Seiten der *Königlichen *wird man die Aktionen ihres Topstars ebenso aufmerksam verfolgen wie die Katalanen die ihres Neuzugangs.

Das Top-Duell
Gerardo Martino (PAR) gegen Takeshi Okada (JPN)

Während der eine von beiden in seinem Geburtsland noch keinen bekannten Klub trainiert hat, gilt der anderer in seiner Heimat als erfolgreicher Nationaltrainer. Der 47-jährige Gerardo Martin ist einer von drei argentinischen Trainern, die in Südafrika 2010 eine Nationalmannschaft betreuen. Er musste jedoch erst nach Paraguay gehen, um seine taktischen Vorstellungen in die Praxis umsetzen zu können. Zunächst war er dort als Klubtrainer tätig und holte mit den führenden Vereinsmannschaften des Landes nicht weniger als neun Titel. Die logische Folge war, dass er im Januar 2007 zum paraguayischen Nationaltrainer berufen wurde.

Und obgleich er über eine beeindruckende Offensive verfügt, vertritt Martino die Auffassung, dass ein Spiel in erster Linie von den Verteidigern gewonnen wird. Daher legt er großen Wert auf eine sattelfeste Abwehr, die wiederum die Grundlage für schnelle und torgefährliche Konter seiner Mannschaft bilden soll. Sein 53-jähriger Trainerkollege Takeshi Okada, der Japan bereits zur FIFA WM 1998 in Frankreich geführt hatte, übernahm im Dezember 2007 erneut die Leitung der japanischen Nationalmannschaft.

Der frühere Nationalverteidiger (24 Ländersiele) und Meister der Taktik setzt seinerseits auf Schnelligkeit und raumgreifendes Spiel sowie auf einen möglichst aktiven Beitrag der Außenverteidiger zum Offensivspiel seiner Mannschaft. Wohl auch in dem Wissen, dass seine Spieler ihren Gegnern körperlich eindeutig unterlegen sind. Demnach prallen in dieser Partie zwei unterschiedliche Spielauffassungen zweier international noch weitgehend unbekannter Trainer aufeinander. Einer von beiden wird mit seinem Team auf jeden Fall ins Viertelfinale der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™ einziehen.

Zitat
"Das Wichtigste für uns ist der starke Zusammenhalt untereinander. Diese Mannschaft besteht in der Tat aus elf Jungs, die als verschworene Truppe auftreten. Das ist auch der Schlüssel für unsere bislang erfolgreiche Vorstellung in Südafrika. In meinen Augen ist dies im Fussball enorm wichtig"
Daisuke Matsui (Mittelfeldspieler Japan)


"El Guaje und El Niño". So könnte der Titel einer spanischen Fabelgeschichte lauten, die von der Freundschaft und dem engen Zusammenhalt zwischen dem 28-jährigen David Villa, Spitzname "El Guaje" (was in seiner asturischen Heimat der Junge *bedeutet), und dem 26-jährigen Fernando Torres, alias "El Niño" (spanisch: *das Kind), handelt. Die Frage war, wie man diese beiden anerkannten Torjäger, die es in der spanischen Nationalmannschaft bislang zusammen auf 65 Tore (41 durch Villa, 24 durch Torres) brachten, unter einen Hut bringen könnte. Es musste also eine Entscheidung getroffen werden. Vicente del Bosque versetzte Villa kurzerhand auf den linken Flügel, um Torres in der Mitte agieren zu lassen. Und während sich der Stürmer des FC Liverpool nach seiner Meniskusoperation von Ende April offenbar noch nicht ganz erholt hat und noch um seine Form ringt, ist Villa topfit und sorgt überdies für die nötigen Tore. Dennoch stellt auch er die Entscheidung des Trainers nicht infrage. "Wir sind gemeinsam in dieses Turnier gegangen. Und wir sind auch sonst enge Freunde, das spürt man auch auf dem Platz", so Villa. Wenn die Freundschaft zwischen zwei Spielern einer Mannschaft über dem Eigennutz steht, dann erleichtert dies zweifellos die Arbeit des Trainers.

Wer zuerst trifft, der gewinnt. Um Portugal bei einer Weltmeisterschaft zu schlagen, gibt es ein einfaches Rezept: Man muss nur verhindern, dass die Portugiesen das erste Tor schießen. Die elf WM-Spiele, in denen Portugal in Führung ging, hat die Mannschaft dann auch gewonnen. Dies war auch dieses Mal beim 7:0-Kantersieg über die DVR Korea der Fall. Auf der anderen Seite ist die Seleccão bisher auch die einzige Mannschaft im Turnier, die bereits zwei Partien mit einem torlosen Remis beendete. Die Spanier sind also gewarnt.

Historisches Novum. Zum ersten Mal in der Turniergeschichte kommt es im Achtelfinale nicht zu einer Begegnung zwischen einem europäischen und einem südamerikanischen Team, wenngleich derartige Duelle inzwischen längst zu echten Klassikern geworden sind. Davon zeugen die bislang insgesamt 204 Begegnungen zwischen Vertretern der beiden Konföderationen. Die Bilanz weist mit 83 Siegen, 73 Niederlagen und 48 Unentschieden einen komfortablen Vorsprung für die CONMEBOL vor den Teams der UEFA aus. Das nächste Duell zwischen den beiden Kontinentalverbänden folgt bereits im Viertelfinale von Südafrika 2010.


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