FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™

11 Juni - 11 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™

Drogba: "Wenn wir versagen, dann als Mannschaft"

© Getty Images

Didier Drogba, die Offensivkraft Nummer eins der Elfenbeinküste, hat seine erste Schlacht bereits erfolgreich geschlagen: Er spielt bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™.

Nachdem er am 5. Juni am Arm operiert worden war, ist sich Drogba fast sicher, den Wettlauf mit der Zeit gewinnen zu können, um seinen Stammplatz im Nationalteam der Elfenbeinküste in Südafrika zu behaupten: Nachdem er bereits in der Partie gegen Portugal fast 30 Minuten durchgehalten hat, wird der ivorische Superstar wohl am kommenden Sonntag im Soccer-City-Stadion von Johannesburg im zweiten Gruppenspiel gegen Brasilien in der Startelf stehen.

Drogba war in der Qualifikation mit sechs Treffern bester Torschütze der Elfenbeinküste, und die Mannschaft sieht ihn geschlossen als wichtige Führungspersönlichkeit. Nun möchte er seinen Mannschaftskameraden das Vertrauen zurückzahlen, indem er auf dem Platz eine entscheidende Rolle spielt. Vor dem Kracher gegen die Seleção hat sich der Spieler vom englischen Premier League-Klub FC Chelsea zu einem Exklusiv-Interview mit der FIFAbereit erklärt.

Didier, Romaric hat uns letzten Monat erzählt, dass Sie im Falle eines Scheiterns der Elfenbeinküste vermutlich als Sündenbock herhalten müssten. Verletzt Sie das, oder motiviert Sie eine solche Aussage?Ehrlich gesagt stellt das für mich kein Problem dar. Als Mannschaftskapitän bin ich jetzt auch der Repräsentant dieser Nationalmannschaft. Daher ist es also auch nicht unlogisch, dass die gesamte Aufmerksamkeit auf mich gerichtet sein wird - vor allem, wenn wir versagen sollten. Ich bin der charismatische Kapitän dieser Nationalelf. Daher gibt es auch nichts Unlogisches an dieser Aussage. Aber eines steht in jedem Falle fest: Wenn wir versagen sollten, dann versagen wir als Mannschaft.

Da Sie dieses Thema gerade ansprechen: Ist der disziplinierte Auftritt Ihrer Mannschaft gegen die Portugiesen ein Verdienst Ihres Trainers Sven-Göran Eriksson? Oder ist das Verantwortungsbewusstsein innerhalb der Mannschaft gereift?
Eriksson hat es geschafft, das Verantwortungsbewusstsein, von dem Sie sprechen, bei jedem einzelnen Spieler zu schärfen. Wir haben innerhalb des Kaders eine Art kollektiven Motivationsschub verspürt, so wie nach unserer erfolgreichen Qualifikation für die WM 2006 in Deutschland. Und unser Trainer hat es sehr gut verstanden, diese positive Einstellung zu stärken.

Ist diese ivorische Nationalelf besser als die Mannschaft, die bei der FIFA WM 2006 in Deutschland gespielt hat?Ja, denn wir haben unsere Lektion gelernt. Wir verfügen heute über einen tollen Teamgeist und eine klare Linie. Wir wissen jetzt genau, was wir wie zu tun haben. Wir haben auch mehr Erfahrung gesammelt, sowohl als Einzelspieler als auch als Mannschaft. Jeder einzelne hat mehr Spielerfahrung auf Vereinsebene sammeln können, und das Team ist mental stärker als vor vier Jahren. Wir sind einfach viel mehr zusammengewachsen.

Werden Sie am Sonntag 100-prozentig fit sein?Ich denke, in der Partie gegen Portugal konnte jeder sehen, dass ich mein Bestes gegeben habe. Sobald ich den Rasen betrete, vergesse ich meine Verletzung und die Schmerzen. Ich habe vor nichts Angst. Ich fühle mich wirklich gut - sowohl körperlich als auch mental. Ich bin glücklich, bei dieser WM dabei zu sein und Fussball spielen zu können.

Sie haben einmal gesagt, dass Nelson Mandela Ihr Leben entscheidend beeinflusst hat. Daher muss es doch etwas ganz Besonderes sein, heute in seinem Heimatland zu spielen...Es ist für mich wirklich eine große Ehre, bei dieser WM in Südafrika dabei zu sein. In der Schule habe ich einiges über die Geschichte Südafrikas gelernt. Ich habe vieles über das Apartheid-Regime und die Rolle erfahren, die Nelson Mandela für alle Afrikaner gespielt hat. Heute hier zu sein und die Gelegenheit zu haben, diesem großartigen Mann zu begegnen und sich mit ihm austauschen zu können, macht mich unheimlich stolz.

Das "Time Magazine" hat Sie als eine der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt bezeichnet. Und zwar größtenteils aufgrund Ihres Einflusses in Ihrem Heimatland während der Bürgerkriegszeit. Wie denken Sie darüber?Es ist sehr schwer für mich, über mich selbst zu sprechen - und vor allem über dieses Thema. Ich versuche im Rahmen des Möglichen alles in meiner Macht stehende zu tun, um mein Land und den gesamten afrikanischen Kontinent zu unterstützen. Ich versuche, mein Heimatland und ganz Afrika bestmöglich zu repräsentieren. Das sehe ich als eine sehr wichtige Aufgabe an. Aber natürlich erfüllt es mich mit großem Stolz, vom "Time Magazine" in die Liste der 100 weltweit einflussreichsten Persönlichkeiten aufgenommen worden zu sein. Das ist eine ganz besondere Erfahrung für mich.

Ist Ihr Anliegen aber im Grunde genommen nicht doch etwas unrealistisch?Ich weiß nicht, aber die Botschaften, die wir versendet haben, um für ein Ende des Bürgerkrieges zu plädieren, waren überaus wichtig. Ich denke, dass nicht allen bewusst ist, welch gigantischen Einfluss der Fussball in der ganzen Welt hat. Es ist sehr wichtig, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen, wenn man ein berühmter Fussballspieler ist, dem man auch Gehör schenkt.

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