FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

9 Juni - 9 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™

Doucouré: "Sie hatten niemals Panik"

French fans wave flags
© Getty Images

Ladji Doucouré wuerde am 28. März 1983 im Pariser Vorort Juvisy-sur-Orge geboren. Der Weltmeister über 110 Meter Hürden ist auch leidenschaftlicher Fussballfan. Wegen eines Schienbeinbruchs kann er aktuell nicht ins Geschehen eingreifen, aber das hält ihn nicht davon ab, ins Stadion zu gehen. Ursprünglich wollte Doucouré Zehnkämpfer werden, entschied sich dann aber letztlich für die 110 Meter Hürden. Bei den Olympischen Spielen in Athen 2004 verpasste Doucouré noch die Silbermedaille, weil er kurz vor dem Ziel stürzte. Aber am 12. August 2005 holte er sich in Helsinki nicht nur den Weltmeistertitel sondern gewann am Folgetag auch Gold über 4 X 100 Meter mit Frankreich.

Wie denken Sie über das Spiel?
Ich hatte das Gefühl, die Franzosen waren ein bisschen müde. Sie haben sich daher darauf verlegt, ihre Erfahrung auszuspielen. Sie haben so lange Druck gemacht, bis sie die Führung erzielt hatten, und sich dann aufs Verwalten des Ergebnisses verlegt. Sie haben die Portugiesen spielen lassen und auf Konter gelauert. Diesen Eindruck hatte zumindest ich.

Was hat Sie am meisten beeindruckt?
Das Selbstvertrauen und die Ruhe, die die Franzosen ausgestrahlt haben. Sie wurden ja quasi von allen Seiten angegriffen, vor allem von Cristiano Ronaldo, der die ganze portugiesische Elf mitgerissen hat, aber sie sind nie in Panik geraten. Die Franzosen haben die Portugiesen einfach kommen lassen, sind nicht übereilt herausgestürzt und haben genau im richtigen Momenet gestört. Das war unglaublich. Portugal hat enorm viele Angriffe gestartet und hatte entsprechend auch viele gute Möglichkeiten zum Ausgleich, aber die französische Abwehr um Lilian Thuram hat sich einfach nicht aus der Ruhe bringen lassen. Alles, was die Franzosen gemacht haben, hatte Hand und Fuß.

Haben Sie noch andere Spiele der Franzosen gesehen ?
Natürlich, alle! Meiner Meinung nach hat die Mannschaft gegen die Schweiz nicht gerade brilliert, aber das lag daran, dass sich diese beiden Gegner einfach zu gut kennen. Da war auf beiden Seiten nicht viel los. Den Ausschlag hat für meine Begriffe das Spiel gegen Togo gegeben, das als französischsprachiges Land zeigen wollte, dass es mit den Franzosen mithalten kann. Das hatte so was von "Alles oder nichts". Im Spiel gegen Südkorea hatte Frankreich zuvor schon angedeutet, was kommen würde, sein Spiel durchgesetzt und seinen Fussball gespielt. Da fehlte einzig und allein noch ein wenig der nötige Schneid, um es mal so auszudrücken. Aber der französische Konditionstrainer hatte zuvor ja schon erklärt, man habe so trainiert, dass man erst im Verlauf des Turniers an die Leistungsgrenze stößt. Ich denke, das hat sich dann auf dem Rasen bestätigt.
Wir waren gerade bei der Europameisterschaft auf Malaga, als das Spiel gegen Spanien lief. Wir waren zuversichtlich, auch wenn die Spanier natürlich am Vorabend des Spiels mächtig gestichelt haben. Ich glaube, die Franzosen hatten einfach kapiert, dass sie etwas tun mussten. Dann kam das Spiel gegen Brasilien. Ich hatte Frankreich schon seit Jahren nicht mehr so spielen sehen. Für die meisten Leute war das das Spiel der Spiele, aber aus sportlicher Sicht waren die Partien gegen Togo und Spanien entscheidend. Mit diesen Spielen kam meiner Meinung nach das Selbstvertrauen zurück, denn vorher hatten die Franzosen zu abwartend gespielt. Und das war noch nicht alles.
Denn es ist fast egal, wie das Endspiel ausgeht. Wichtig ist, dass es Spaß macht. Und dass sie im Idealfall gewinnen, natürlich Worauf es aber vor allem ankommt, ist, dass der Mannschaftsgeist mit und für künftige Generationen erhalten bleibt.

Gab es für Sie einen entscheidenden Augenblick?
Es gab Momente, in denen den Franzosen die Frische fehlte. Dass junge Spieler wie Ribéry in die Mannschaft gekommen sind, hat ihr sehr gut getan. 1998 waren das David Trézéguet und Thierry Henry. Auch sie haben der französischen Elf viel gebracht. So muss das jetzt weiter gehen.

Sind Sie Fan eines bestimmten Klubs?
Ich wohne in Paris, daher bin ich natürlich PSG-Fan. Aber ich liebe den Fussball ganz allgemein. Ich verfolge alle europäischen Meisterschaften und mag insbesondere Barcelona in Spanien und Arsenal in England. Im Finale der Champions League war ich dann hin und her gerissen zwischen meiner Bewunderung für Ronaldinho und für Thierry (Henry). Aber ich wollte vor allem ein schönes Spiel sehen, das leider durch den Platzverweis für Lehmann getrübt war.
Ich hoffe, das Endspiel der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ wird ebenfalls schön. Ich laufe am Vorabend beim Meeting von Gaz de France. Ich werde versuchen, alles so zu organisieren, dass ich das Spiel mit Freunden schauen kann, zusammen mit allen Ausländern, die in Paris sind. Ich werde mich ganz in Blau kleiden. Allez les Bleus!