FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

9 Juni - 9 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™

Domenech: "Für mich ist Dabeisein nicht alles!"

Geschlafen hat er nach der Rückkehr aus München ins französische Trainingsquartier Aerzen nicht. Trotzdem strahlt Raymond Domenech an diesem Morgen wie selten. Der französische Nationaltrainer ist glücklich, das selbst gesteckte Minimalziel erreicht zu haben und genießt jeden einzelnen Augenblick. Aber klar ist auch: Es soll noch nicht Schluss sein.

Raymond, wie fühlen Sie sich am Tag nach dem Erreichen des Endspiels der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™?

Man verspürt natürlich eine ganz besondere Aufregung, wenn man das Endspiel eines solchen Wettbewerbs erreicht hat. Wir alle hatten bei unserem Aufbruch Gedanken an die Finalteilnahme im Kopf und sind sehr froh, dass wir es geschafft haben. Es wird das schönste all unserer Spiele, weil es das letzte ist. nach unseren Siegen gegen Spanien und Brasilien wollten wir keine Vorhersagen machen. Und jetzt stehen wir hier!

Sind Ihre Gedanken schon auf die italienische Mannschaft gerichtet?

Im Moment habe ich ein merkwürdiges Gefühl. Ich habe Italien stets bewundert. Über Jahre und Jahrzehnte haben sämtliche italienischen Mannschaften gekämpft und enorme mentale Stärke bewiesen. An jede Squadra Azzurra erinnert man sich wegen irgendetwas. Ich gehe also schon mit ganz besonderen Gefühlen in dieses Spiel.

Wie geht es Ihren Spielern?

Sie sind sehr erschöpft, aber das ist normal. Wobei ich hier von einer körperlichen Erschöpfung spreche, nicht von einer psychischen. Und das wiederum ist an sich eine gute Nachricht, denn ein Endspiel wird immer im Kopf entschieden.

Ihre Mannschaft ist körperlich in Topform, und dennoch ist immer wieder davon die Rede, sie sei zu alt.

Ich kann mich da nur wiederholen: Meine Spieler sind nicht alt! natürlich sind einige Spieler schon in einem etwas gesetzteren Alter, aber mit der richtigen Vorbereitung können auch die noch laufen (lacht). Aber Scherz beiseite: sie verströmen Zuversicht, das ist für mich am wichtigsten. Das Alter kann zum Problem werden, wenn man über sechs Monate immer wieder schwere Spiele hat, aber nicht in einem vergleichsweise so kurzen Turnier wie diesem.

Zumal die Erfahrung gerade dieser Spieler wichtig zu sein scheint.

Die älteren Spieler wissen, wovon sie reden und geben diese Sicherheit an die jüngeren weiter. Sie werden nicht von Zweifeln geplagt, geben kein Spiel im Vorhinein verloren oder glauben ein Spiel im Vorhinein gewonnen. Ich kann Ihnen versichern, Sie werden am Sonntag Punkt 20.00 Uhr bereit sein, nicht vorher.

Wie sieht Ihre Arbeit jetzt aus?

Es ist jetzt viel einfacher als noch zu Beginn des Turniers. Heute kann ich mich auf einige Gespräche, das übliche Auslaufen nach dem Spiel und eine Videoanalyse beschränken. Um ehrlich zu sein, wenn ich mir die Turnschuhe anziehe, um auf den Trainingsplatz zu gehen, dann nur, damit ich sagen kann, ich hab sie mal getragen (lacht).

Blicken Sie Ihrer Zukunft an der Spitze der französischen Nationalmannschaft genau so entspannt entgegen?

Daran denke ich nicht. Dazu fehlt mir momentan die nötige Ruhe, ich bin noch ganz mit der WM beschäftigt. Ich habe immer gesagt, dass wir sieben Spiele vor uns haben. Und ich kann nur betonen, das letzte findet am Sonntag in Berlin statt. Wenn die korrekte Einschätzung der Leistung meiner Mannschaft darin besteht, Zeitung zu lesen und sich am Bauchnabel zu kratzen, ist das nicht meine Welt.

Sie wurden in den vergangenen beiden Jahren oft heftig kritisiert. Erlebt man dann den Erfolg auf besondere Weise?

Glauben Sie bitte nicht, dass es mir um persönliche Genugtuung geht. In diesen Bahnen denke ich nicht - bei niemandem. Ich denke weiterhin, dass ich getan habe, was zu tun war. Und vielleicht war die Kritik ja letztlich genau so fundiert wie meine Hoffnungen.

Jetzt gilt es nur noch ein Spiel zu gewinnen

Dazu müssen wir alles zusammen nehmen, was wir in den Spielen zuvor richtig gemacht haben. Ich bin stolz, dass ich die Mannschaft bis hierher geführt habe. Stolz auf das, was gerade in Frankreich geschieht. Aber mit dem Olympischen Motto von Baron Pierre de Coubertin brauchen Sie mir nicht zu kommen. Für mich ist Dabeisein nicht alles!