FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™

12 Juni - 13 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2014™

Die wunderbaren Geschichten der WM-Trikots

Argentina's Diego Maradona beats England defender Terry Fenwick on his way to scoring his outstanding individual second goal
© Getty Images

Zu den spannendsten Momenten im Vorfeld einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft zählt die Präsentation der Trikots der teilnehmenden Mannschaften, doch auch abseits der minutiösen Gestaltung der Trikots fanden gleichermaßen kuriose wie wunderbare Geschichten statt, die FIFA.com in Erinnerung ruft.

Der Kampf gegen die Luftfeuchtigkeit

Mexiko veranstaltete die FIFA WM-Endrunden 1970 und 1986 und beide Male machten sich die Mannschaften Gedanken darüber, welchen Einfluss die Hitze und die Luftfeuchtigkeit auf die Spieler haben würden. Die Trikots mussten vor allem atmungsaktiv sein. Aus diesem Grund entschied sich England im Jahr 1970 auf Anraten des Mannschaftsarztes Neil Phillips für eine Konfektion aus leichterem Stoff und mit kleinen Löchern namens Air-Tech.

Doch die Engländer gingen noch einen Schritt weiter. Da sich dunkle Farben in der Sonne stärker aufheizen, degradierten sie das rote Trikot, mit dem sie vier Jahre zuvor den WM-Titel geholt hatten, zur zweiten Ersatzausrüstung. Das Haupttrikot war vollkommen weiß. Das erste Ersatztrikot war eine absolute Neuheit: ganz in Hellblau, ebenso wie Hosen und Stutzen. In dieser Montur liefen die Engländer gegen die Tschechoslowakei auf, die sich ebenfalls in Weiß kleidete. Doch trotz des 1:0-Sieges erwies sich dies als Fehler.

"Ich denke, dass meine Entscheidung zugunsten dieser hellblauen Trikots eine schlechte war. Dort, wo ich saß, blickte ich vom Schatten aus direkt in die Sonne und konnte die Spieler kaum voneinander unterscheiden", erklärte der damalige englische Nationaltrainer Alf Ramsey. Auch für das Fernsehen erwies sich diese Farbwahl als wenig vorteilhaft. Die meisten Zuschauer sahen die Bilder in Schwarz-Weiß, wobei der Kontrast zwischen den zwei Teams minimal war. Die Engländer entschieden daher, gegen Deutschland doch wieder auf die rote Spielkleidung zurückzugreifen. An diesem Tag war es jedoch nicht nur sehr heiß, sondern es gab zudem eine Verlängerung. Am Ende unterlag England mit 2:3 und schied aus.

Argentinien griff 1986 ebenfalls auf das Air-Tech–Material zurück – jedoch nur bei den hellblauen und weißen Haupttrikots. Im Achtelfinale gegen Uruguay hatte man noch mit blauen Trikots aus Baumwolle gespielt, doch im Viertelfinale gegen England, das in der Mittagshitze der Hauptstadt stattfand, konnte man nicht in dieser Montur auflaufen, was Carlos Bilardo Kopfzerbrechen bereitete.

Der Trainer bat den Ausrüster, blaue, aber leichtere Trikots bereitzustellen. Dies war jedoch in so kurzer Zeit nicht möglich. Drei Tage vor dem Spiel beauftragte er einen Mitarbeiter, alle Geschäfte der mexikanischen Hauptstadt abzuklappern. Rubén Moschella kehrte mit zwei blauen Modellen zurück, die gewogen wurden, doch man konnte sich nicht entscheiden. Dann kam jedoch Diego Maradona: "Das ist ein schönes Trikot! Damit werden wir gegen England gewinnen."

Moschella ging in das Geschäft zurück und kaufte 38 Stück dieser vom Kapitän ausgewählten Trikots. Ein Designer brachte in Windeseile das Emblem des argentinischen Fussballverbandes AFA an, das auf jedem Trikot angenäht wurde, während auf der Rückseite silberne Nummern des American Football angebracht wurden. Nur wenige Stunden später sollte Maradona Geschichte schreiben: mit der "Hand Gottes" und dem Jahrhunderttor – und all das in einem Trikot, das notgedrungen in einem kleinen Geschäft in Mexiko-City gekauft wurde.

Die 'Bleus'? Oder doch die Grün-Weißen?

Am 10. Juni 1978 bereiteten sich Frankreich und Ungarn auf das Duell in Mar del Plata vor, das für beide das letzte Spiel der Weltmeisterschaft in Argentinien war, da das Ausscheiden in der Gruppe 1 bereits vor dieser Partie besiegelt war. Eine halbe Stunde vor Spielbeginn bemerkte Henri Michel plötzlich die Trikotfarbe der Ungarn.

"Ein weißes Trikot?", fragte der Kapitän des FC Nantes András Torocsik. "Ja, ein weißes Trikot", antwortete der Stürmer. Michel erwiderte, dass Frankreich in Weiß spielen würde. Doch Torocsik versicherte ihm, dass die Ungarn auf jeden Fall in Weiß spielen würden. Was zunächst nur kurios erschien, wurde nun zu einem Problem, das es rasch zu lösen galt.

Beide Teams versicherten, ein Rundschreiben der FIFA erhalten zu haben, dem zufolge sie darüber informiert wurden, in Weiß spielen zu müssen. Man diskutierte, bis der französische Delegationsleiter Henri Patrelle plötzlich erblasste: "Dafür bin ich allein verantwortlich. Ich habe das zweite Rundschreiben nicht gelesen, welches das erste ersetzte." Frankreich musste somit in einer anderen Spielkleidung auflaufen, hatte jedoch keine. Die blauen Haupttrikots befanden sich im 400 Kilometer entfernten Buenos Aires.

Ein Polizeiwagen fuhr mit Blaulicht und Sirene vom Stadion zur Heimstätte des Vereins Atlético Kimberley, während das Publikum die Verzögerung mit Pfiffen bedachte. Am Ende gewann Frankreich im grün-weißen Trikot des argentinischen Traditionsklubs mit 3:1. Kimberley verfügte damals, wie jede andere Mannschaft, nur über Trikots mit Rückennummern von 1 bis 16. Dominique Rocheteau erzielte einen Treffer mit der Nummer 18 auf der Hose, jedoch mit der Nummer 7 auf dem Trikot.

In der Geschichte der Weltmeisterschaft gab es noch weitere Fälle, in denen eine Mannschaft aufgrund von Farbähnlichkeiten die Spielkleidung von Vereinen tragen musste: Mexiko zum Beispiel spielte 1950 in Brasilien mit den blau-weiß gestreiften Trikots von Cruzeiro Belo Horizonte gegen die Schweiz. Acht Jahre später bestritt Argentinien sein Auftaktspiel gegen die Bundesrepublik Deutschland bei der WM-Endrunde in Schweden mit dem gelben Trikot von IFK Malmö.

Das alte Costa Rica

Die WM 1990 in Italien wird Costa Rica wohl niemals vergessen. Die Mannschaft konnte sich erstmals für eine Endrunde qualifizieren und zur allgemeinen Überraschung auf Anhieb das Achtelfinale erreichen. Dieser Erfolg ging in die Geschichtsbücher ein, ebenso wie die Spielkleidung.

Nach dem Sieg über Schottland im ersten Spiel, in dem Costa Rica mit rotem Trikot mit weißem Kragen auflief, stand die Partie gegen Brasilien mit Careca und Alemão auf dem Programm. Obwohl es dafür keinen farblich bedingten Grund gab, betraten die Mittelamerikaner das Stadio Comunale in Turin mit einer ungewohnten schwarz-weiß gestreiften Spielkleidung. Der Fussballverband von Costa Rica hatte sie als Hommage an den ältesten Klub des Landes, CS Libertad, mitgenommen, der damals nicht mehr existierte. Doch die Entscheidung für diese Trikots hatte auch einen anderen Grund: "Bora schlug diese Trikots wegen Juve vor", erinnerte sich der damalige Spieler Alexandre Guimarães im Gespräch mit FIFA.com. 'Bora' ist Bora Milutinovic, der Trainer der Ticos bei dieser WM-Endrunde. Der serbische Trainerfuchs wollte durch das Tragen der Spielkleidung von Juventus bezwecken, dass sich das Turiner Publikum mit seiner Mannschaft identifizierte. Doch dieser Schuss ging nach hinten los: "Das funktionierte nicht, denn Brasilien hatte das ganze Stadion für sich vereinnahmt."

Costa Rica unterlag mit 0:1, griff jedoch vier Tage später erneut auf die Spielkleidung der Alten Dame zurück und sicherte sich mit einem 2:1 über Schweden den Achtelfinaleinzug.

Costa Rica's Hernan Medford is seen in action durin the 1990 FIFA World Cup mathc against Sweeden in Genoa, Italy, June 20 1990.
© Getty Images

Gib mir ein V!

Bei der Weltmeisterschaft 1930 in Uruguay sorgte Bolivien für eine der kuriosesten Geschichten aller Zeiten. Im Auftaktspiel gegen Jugoslawien liefen die Bolivianer mit einem weißen Trikot ein, und jeder hatte einen Buchstaben auf der Brust. Bei der Pose vor den Fotografen wurde das Geheimnis gelüftet: Die elf Buchstaben bildeten den Satz Viva Uruguay.

Dieses Spiel ging am Ende mit 0:4 verloren, doch gegen Brasilien konnte man diese Geste nicht wiederholen. Da auch die Brasilianer mit weißer Spielkleidung aufliefen, spielte Bolivien mit den hellblauen Trikots, die man sich von den Gastgebern geliehen hatte.

Ein grün-gelber... und blauer Glücksbringer

Brasilien spielte von 1914 bis 1950 meist in Weiß, ehe die Tageszeitung Correio da Manhã die hellen Trikots mit blauem Kragen nach dem so genannten Maracanazo (der entscheidenden Niederlage gegen Uruguay bei der WM 1950) für verflucht erklärte. Die Zeitung meinte, dass es so nicht weitergehen könnte, und organisierte gemeinsam mit dem brasilianischen Sportverband (CBD) einen Wettbewerb, dessen erklärtes Ziel die Anpassung der Trikotfarben an die brasilianische Flagge war. Der Sieger dieses Wettbewerbs war der erst 18-jährige Schriftsteller und Illustrator Aldyr García Schlee, der die wohl berühmteste Spielkleidung der Welt konzipierte: gelbes Trikot, grüner Kragen, blaue Hose und weiße Stutzen.

Die Seleção lief in dieser Montur erstmals zum Spiel gegen Mexiko bei der WM 1954 in der Schweiz auf. Man gewann mit 5:0 und sah darin ein gutes Omen. Mit der von García Schlee konzipierten Spielkleidung holten die Brasilianer fünf Weltmeistertitel. Die einzige Ausnahme stellte die WM 1958 in Schweden dar, bei der die Schweden im Endspiel aufgrund eines Losentscheids berechtigt waren, mit ihren gelben Trikots aufzulaufen, während die Brasilianer eine andere Spielkleidung wählen mussten. Erneut in Weiß? Nicht in hundert Jahren!

Zwei Tage vor dem Spiel kaufte die brasilianische Delegation in einem Laden in Stockholm zu Ehren der Nossa Senhora Aparecida, der Schutzheiligen von Brasilien, einen Satz blauer Trikots. Die ursprünglichen Wappen wurden entfernt und jene der CBD aufgenäht. Pelé und Garrincha sorgten schließlich mit einer Glanzleistung für den 5:2-Sieg der Südamerikaner. Dies war der erste Weltmeistertitel und gleichzeitig der Beginn einer weiteren Tradition: Seit diesem Spiel ist das Ersatztrikot der Brasilianer stets blau.

Brazil's Gabriel Jesús and Brazil's Neymar Jr celebrate a goal
© AFP

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