FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 1950™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 1950™

24 Juni - 16 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1950™

Die Wiederauferstehung des Fussballs nach dem Krieg

  • ​Uruguay schockiert Brasilien im "Maracanazo"
  • Alcides Ghiggia lässt das Maracana verstummen
  • Auch die USA überraschten gegen England

Während des gesamten Zweiten Weltkriegs versteckte FIFA-Vizepräsident Dr. Ottorino Barassi den Weltpokal in einem Schuhkarton unter seinem Bett und verhinderte so, dass er in die Hände der Besatzungstruppen fiel.

Die Qualifikation zu diesem Turnier erwies sich als eine Farce, da einige qualifizierte Teams absagten und andere, die bereits ausgeschieden waren, eine Einladung erhielten. Indien zog zurück, da die FIFA nicht erlaubte, dass man barfuß antrat. So kam es, dass schließlich nur 13 Teams am Endturnier teilnahmen.

Der Weltpokal war wiederauferstanden und wurde zum zweiten Mal von Uruguay gewonnen, in "einem Finale, das kein Finale war". Zuvor jedoch hatten die Vereinigten Staaten England mit 1:0 in Belo Horizonte und Schwedens Amateure in Sao Paulo die Italiener mit 3:2 geschlagen.

Es wurde eine Art Mini-Liga ausgespielt, und Brasilien, Schweden, Spanien und Uruguay erreichten schließlich die Finalrunde. Brasilien fehlte im Spiel gegen Uruguay nur ein Punkt, aber die Mannschaft verlor mit 1:2 vor 174.000 Zuschauern im Maracana-Stadion von Rio.

Der erste Nachkriegs-Kongress der FIFA, der am 25. Juli 1946 in Luxemburg abgehalten wurde, war aus verschiedenen Gründen ein historisches Ereignis. Zunächst erwies man dem FIFA-Präsidenten die Ehre, der während der Kriegsjahre alles in seiner Macht stehende getan hatte, um den Geist des Fußballs aufrecht zu erhalten. Fortan sollte die Weltpokal-Trophäe den Namen "Jules-Rimet-Pokal" tragen. Der Kongress feierte auch die Rückkehr der britischen Verbände, die seit 1929 gefehlt hatten. Dem brasilianischen Fußballverband, dessen Team beim Weltpokal 1938 so beeindruckt hatte, gewährte man schließlich die Ehre und Verantwortung, das nächste Turnier um den Weltpokal auszurichten, das für 1950 vorgesehen war.

Zwölf Jahre nach der Veranstaltung in Frankreich, kam es zur Wiedergeburt des Weltpokals, in Form eines neuen Turniers, das im berühmten Maracano-Stadion in Rio und in anderen Städten Brasiliens abgehalten wurde.

Der Fußball in Brasilien war so populär geworden, dass man beschlossen hatte, ein brandneues Stadion mit einem Fassungsvermögen von 220.000 Zuschauern in einem Vorort Rio de Janeiros zu erbauen. Die Arbeiten begannen am 2. August 1948. Die gesetzte Frist für die Fertigstellung erwies sich jedoch als zu kurz und bald waren die Arbeiten gegenüber dem Bauplan in Verzug. Fünf Wochen vor dem Eröffnungsspiel fanden sich die brasilianischen Organisatoren in einer verzweifelten Lage wieder, und so beschloss die FIFA, Dr. Ottorino Barassi, den Vorsitzenden des italienischen Fußballverbandes, der auf so brillante Weise den Weltpokal 1934 organisiert hatte, nach Rio zu entsenden. Am 24. Juni 1950 wurde das Maracana-Stadion tatsächlich offiziell eingeweiht. Es sah zwar noch immer wie eine Baustelle aus und verfügte nicht einmal über eine Pressetribüne, dennoch war es bereit, als Spielstätte für die 13 Teams zu fungieren, die sich für das Finalturnier qualifiziert hatten. Die Mannschaften wurden in 4 Gruppen unterteilt (2 Gruppen mit je 4 Teams, 1 Gruppe mit 3 Teams und 1 Gruppe mit 2 Teams).

Nach einem leichten Sieg über Mexiko (4:0) kam Brasilien gegen die Schweiz nicht über ein 2:2-Unentschieden hinaus. Jugoslawien dagegen, das seine ersten beiden Spiele gewonnen hatte, fehlte aus dem Treffen gegen Brasilien nur ein Punkt, um sich für die nächste Runde zu qualifizieren. Im Hexenkessel des Maracana-Stadions mit seinen 150.000 Zuschauern setzte sich dann doch Brasilien mit 2:0 durch. Somit qualifizierten sich die Gastgeber zusammen mit drei anderen Teams - Spanien, Uruguay und Schweden - nicht für das Halbfinale, sondern für eine Reihe von Finalspielen; ein Modus, der in geheimer Absprache, an der seltsamerweise England und Italien nicht beteiligt waren, beschlossen worden war. Nach einer einwöchigen Pause drehten die Brasilianer richtig auf und deklassierten erst die Schweden mit 7:1 und anschließend Spanien mit 6:1. Kein Mensch zweifelte auch nur eine Sekunde daran, dass diese beeindruckende Siegesserie auch gegen Uruguay ihre Fortsetzung finden würde. Die "Urus" selbst hatten nach dem Unentschieden gegen Spanien erst drei Punkte auf der Habenseite. Somit fehlte Brasilien nur ein Unentschieden, um Weltmeister zu werden.

In dem bis auf den letzten Platz besetzten Maracana-Stadion erzielte Brasilien kurz nach der Halbzeit den ersten Treffer des Spiels, wirkte dennoch sehr angespannt und weit von der Form des zuvor gezeigten Samba-Fußballs entfernt. Uruguay, in keiner Weise durch den Hexenkessel eingeschüchtert, erzielte den Ausgleich und schließlich 11 Minuten vor dem Ende den Siegtreffer. Brasilien hatte "seinen" Weltpokal verloren. Ein ganzes Land verfiel in Trauer. Die brasilianischen Offiziellen vergaßen sogar, den Uruguayern die Weltpokal-Trophäe zu übergeben. Es war schließlich Jules Rimet selbst, der sich auf den Rasen begab, um den Spielführer der Uruguayer für die Siegerehrung zu suchen. Brasilien konnte sich schließlich nur damit trösten, dass die "Taça de Mondo" ein toller sportlicher und finanzieller Erfolg gewesen war. Für den Fußball selbst hatte eine neue Ära begonnen...