FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

9 Juni - 9 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™

Die Ukraine bläst zum Gegenangriff

Die Ukraine, die sich zum ersten Mal in ihrer Fussballgeschichte für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ qualifizieren konnte, hat durch ihre 0:4-Auftaktniederlage gegen Spanien einen katastrophalen Start in ihr WM-Endrunden-Abenteuer erwischt. Fünf Tage später jedoch hatte sie diesen Schlag offenbar gut verkraftet und überrannte Saudiarabien mit dem gleichen Ergebnis. Vor dem entscheidenden letzten Vorrundenspiel in der Gruppe H gegen Tunesien im Berliner Olympiastadion muss man sich die Frage stellen, welches das wahre Gesicht dieser ukrainischen Elf ist, die zweifelsohne zu sehr nur auf ihren Stürmerstar Andriy Shevchenko reduziert wird.

"Die Leute wissen spätestens jetzt, dass die Ukraine nicht nur Shevchenko ist", unterstrich Serhiy Rebrov nach dem ersten Sieg des WM-Neulings gegen Saudiarabien. Rebrov versteht sich immer noch glänzend mit seinem ehemaligen Klub-Mannschaftskameraden bei Dynamo Kiew, aber er wollte mit dieser Aussage klarstellen, dass sein Team so gefestigt ist, dass es – gerade bei einem solch wichtigen Turnier – auch herbe Rückschläge verkraften kann.

"Dieser erste Sieg hat uns sehr viel Selbstvertrauen zurückgegeben. Nachdem wir das erste Tor in unserer WM-Geschichte erzielt hatten, hatten wir das Gefühl, dass uns jetzt nichts mehr aufhalten konnte", erklärt der Torschütze zum 2:0. "Wir haben die Dinge wieder zurechtgerückt, und jetzt haben wir wieder alle Chancen auf das Weiterkommen. Das war ohne Zweifel unser bestes Spiel seit langem. Unser Punkte- und Torverhältnis ist jetzt ausgeglichen. Unsere Mannschaft hat natürlich nicht die ganz große Erfahrung, die man bei einem solch hochkarätigen Turnier benötigt. Aber die Erfahrungen, die wir bereits in unseren beiden ersten Partien sammeln konnten, sind für uns eminent wichtig. Wir müssen uns jetzt hundertprozentig auf unser nächstes Spiel konzentrieren und vor allem mit beiden Füßen auf der Erde bleiben", fügt er hinzu.

Die Wiederauferstehung der Ukraine im Spiel gegen Saudiarabien war kein Wunder. "Gegen Spanien haben mir meine Spieler einfach nicht zugehört. In der Partie gegen Saudiarabien hingegen haben sie meine Instruktionen hundertprozentig befolgt. Unser Ziel war, uns den Ball bereits im Mittelfeld zu erobern und den Gegner erst gar nicht ins Spiel kommen zu lassen. Und das haben wir auch in den meisten Fällen erreicht. Wir konnten dann sehr schnell umschalten und unsere Gegenangriffe starten. Das hat sich bezahlt gemacht", erklärt der ukrainische Nationaltrainer Oleg Blokhin.

Torschützen und der Rest

Die Abreibung gegen Spanien scheint jedoch auch positive Auswirkungen gehabt zu haben. Denn nach der heftigen Kritik hat sich das Team auf seine Stärken und die mannschaftliche Geschlossenheit besonnen, um auf dem Platz Taten folgen zu lassen, die diese kritischen Stimmen verstummen lassen sollten. "Ich möchte nicht über meine eigene Leistung sprechen, denn Fussball ist ein Mannschaftssport und ich bin sehr stolz, Teil dieser Mannschaft zu sein", erklärte der Mittelfeldspieler Maksym Kalinichenko, der nach dem Spiel gegen Saudiarabien zum Anheuser Busch Bud Man of the Match gewählt worden war.

"Jetzt bin ich davon überzeugt, dass wir Tunesien schlagen und uns für die nächste Runde qualifizieren können. Aber es ist auch wichtig, nicht nur die Torschützen hervorzuheben. Wir sind ein Team, und das gesamte Team hat zu diesem Sieg beigetragen."

Und die Bestätigung kommt aus dem Munde seines Nationaltrainers: "Wir wollen uns für das Achtelfinale qualifizieren, aber unser nächster Gegner, Tunesien, ist eine sehr starke Mannschaft. Sie hat einen großartigen Trainer, und viele der tunesischen Spieler stehen bei namhaften europäischen Klubs unter Vertrag", erklärt Oleg Blokhin zurückhaltend.

Andriy Shevchenko, der seine Knieverletzung nun vollends überwunden hat, ist seinerseits vom Achtelfinaleinzug seiner Elf überzeugt. "Aber Vorsicht", ergänzt er, "wir müssen jedes Spiel so angehen, als ob es ein Endspiel wäre". Denn die Mannschaft hat sehr wohl ihre Lehren aus dem Spanien-Spiel gezogen.