FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™

14 Juni - 15 Juli

FIFA Fussball-WM 2018™

Die Philippinen verfolgen einen Plan

Philippines forward Phil Younghusband (C) celebrates with teammates midfielder Emelio Caligdong (L) and defender Stephan Schrock
© AFP

Die dramatische 1:13-Niederlage gegen Indonesien war das Beste, was den Philippinen passieren konnte. Die enttäuschten Anhänger mögen das an jenem 23. Dezember 2002 beim Tiger Cup noch ganz anders gesehen haben, zumal dieser Demütigung zwei andere herbe Schlappen gegen Myanmar (1:6) beziehungsweise Vietnam (1:4) vorausgegangen waren.

Aber das Team war endgültig am Tiefpunkt angelangt. Und dies führte zu einer Reaktion. Diese fiel so tiefgreifend und wirkungsvoll aus, dass 13 Jahre später derart bittere und hohe Niederlagen der Vergangenheit angehören. Die Azkals erleben heute eine der besten Phasen ihrer Geschichte und bieten auf dem Weg zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ den besten asiatischen Teams die Stirn.

*Der Wert einer langfristigen Planung
*
Wenige Tage nach dieser schmerzhaften Niederlage rief der philippinische Fussballverband das so genannte Azkal-Programm ins Leben. Das Ziel bestand in erster Linie darin, eine solche Situation in Zukunft zu vermeiden. Es handelte sich um einen ehrgeizigen und intelligenten Plan, der sich in den letzten Jahren zunehmend in verbesserten Resultaten niederschlug.

José Ariston Caslib, ehemaliger Nationaltrainer der Philippinen und einer der Urheber des Programms, und Phil Younghusband, sein erster "Absolvent" und heutige Kapitän der Mannschaft, gaben im Interview mit FIFA.com Auskunft über diese spektakuläre Verwandlung der Azkals.

"Die ursprünglichen Ziele des Projekts waren sehr klar", berichtet Caslib. "Wir wollten der Serie von acht Jahren ohne Sieg ein Ende bereiten. Und wir wollten das mit einer neuen Spielergeneration tun, welche die Entwicklung der Nationalmannschaft in den nächsten zehn Jahren sicherstellen sollte. Außerdem mussten wir diesen Fussballern das entsprechende Wettkampfniveau bieten, damit sie die erforderliche Reife erlangen konnten."

Die Verantwortlichen schritten zur Tat und wandten sich an ein Reservoir von talentierten Spielern, das bis dahin unbekannt und ungenutzt geblieben war: Die zahlenmäßig recht starke Diaspora der in den 70er- und 80er-Jahren nach Europa ausgewanderten Philippiner. Genauer gesagt: Es wurde nach den schon auf dem alten Kontinent geborenen Kindern der Auswanderer gesucht, welche aber noch enge Beziehungen zum Land ihrer Vorfahren pflegten. Unter so vielen jungen Menschen musste es talentierte Fussballer geben.

Und die gab es tatsächlich! Die ersten Entdeckungen waren zwei Mitglieder der Jugendakademie des FC Chelsea: James und Phil Younghusband, 17 beziehungsweise 18 Jahre alt, Söhne eines englischen Vaters und einer philippinischen Mutter. Phil kann heute auf 70 Länderspiele und 42 Tore zurückblicken. Er trägt inzwischen die Kapitänsbinde der Azkals und erzählt gerne von seinen Erfahrungen in diesen ersten Jahren.

"Wir wussten ehrlich gesagt nicht viel über den Fussball auf den Philippinen, doch wir reisten jedes Jahr dorthin. Zu Hause hatten wir immer eine interessante Mischung der Kulturen, das reichte von der Sprache bis hin zum Essen. Als uns der Verband kontaktierte, zögerten wir nicht, der Mannschaft zuzusagen. Es war eine große Ehre, dass sie auf uns aufmerksam geworden waren", sagt er nostalgisch.

*Kontinuierlicher Aufstieg
*
Die Ergebnisse sollten noch eine Weile auf sich warten lassen, aber sie blieben nicht aus. 2004 feierten die Philippinen mit einem 2:1-Erfolg gegen Osttimor endlich wieder einen Sieg. Zwei Jahre später konnte das Team weitere Erfolge gegen denselben Gegner, Kambodscha und Brunei verzeichnen. Die Suche nach Spielern im Ausland begann Früchte zu tragen. Immer mehr Fussballer mit philippinischen Wurzeln stießen zur Mannschaft und erhöhten ihre Wettkampfstärke.

Der erste große Erfolg wurde im folgenden Jahrzehnt erzielt: 2011 gelang gegen Sri Lanka erstmals ein Sieg (4:0) in der Qualifikation zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™. Dies setzte im Land eine neue Entwicklung in Gang.

"Die guten Ergebnisse haben dazu beigetragen, dass das Interesse in den fünf Jahren seit 2010 gestiegen ist und die Spieler bekannter und in vielen Fällen zu wahren Idolen geworden sind. Die TV-Zuschauerzahlen stiegen und damit auch der Profit. So konnte eine viel professionellere Infrastruktur geschaffen werden, sogar in den Nachwuchskategorien und im Frauenfussball", sagt Caslib voller Stolz.

Auch wenn die Leistungen der Philippinen in den Augen der restlichen Welt erstaunlich wirken mögen, erschien es den Fans und den direkt Beteiligten nur logisch, dass die Azkals auf dem Weg nach Russland 2018 die große Überraschung sein würden. In der zweiten Phase der asiatischen Vorausscheidung belegt das Team in Gruppe H hinter Korea DVR und Usbekistan und vor Bahrain und Jemen den dritten Rang.

"Wenn mir vor fünf Jahren jemand gesagt hätte, um was wir heute spielen, hätte ich es nicht geglaubt", räumt Younghusband ein. "Aber jetzt ist unser Ehrgeiz geweckt. Wir verfügen über das Talent, haben gut gearbeitet und es herrscht eine tolle Stimmung in der Mannschaft. Wir sind Fussballer mit sehr verschiedenen kulturellen Hintergründen, aber mit philippinischem Blut."

Wie vorauszusehen war, schossen die Erwartungen im Vorfeld der kommenden Partien des Teams zu Hause gegen Jemen und auswärts beim Zweitplatzierten Usbekistan in die Höhe. Aber um die Chancen auf Russland 2018 zu wahren, werden die Azkals beide Duelle gewinnen müssen. Die Spieler sind sich der Größe der Herausforderung bewusst.

"Es wird nicht leicht. Wir sind zuversichtlich, gute Ergebnisse holen zu können, doch wir wissen, dass wir uns noch verbessern müssen, vor allem im mentalen Bereich. Aber im Fussball ist nichts unmöglich und wir genießen vollstes Vertrauen. Wir werden das Land nicht enttäuschen", sagt der Kapitän in der Gewissheit, dass er sich auf dem richtigen Weg befindet. 

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