FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™

12 Juni - 13 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2014™

Siegtorschütze di María: "Messi ist mein Maradona"

© AFP

Es sind bereits mehr als zwei Stunden gespielt, aber Ángel di María ist nicht aufzuhalten. Er läuft unermüdlich weiter und hat keine Angst, etwas zu riskieren. Kurz vor Schluss war der Schweizer Torwart Diego Benaglio nach einem Kopfballversuch noch irgendwo an vorderster Front anzutreffen und sein Kasten damit leer. Der Mittelfeldspieler stürmte nach vorn und jagte den Ball aus dem Mittelfeld ein weiteres Mal aufs Tor. Er verfehlte das Ziel nur knapp.

Das war aber nicht mehr wirklich wichtig. Der technisch versierte und unermüdlich ackernde Argentinier hatte schließlich zuvor bereits den Treffer erzielt, der den Einzug Argentiniens ins Viertelfinale der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ perfekt machte. Die Partie war – wie so viele andere in diesem Achtelfinale – ausgesprochen spannend und wurde erst in der Verlängerung entschieden. Außerdem gab es ein weiteres atemberaubendes Detail zu vermelden. Die Tatsache, dass Di María nach über 120 Minuten noch immer in der Lage war, erneut über den Platz zu jagen und das Tor zu suchen, ließ die Fans den Atem stocken. Außerdem war dies sage und schreibe sein zwölfter Schuss aufs Tor in dieser Partie und erst der zweite, der nicht platziert genug war und das Gehäuse verfehlte.

"Er ist ein fantastischer Spieler, ja. Er ist überall und nirgends zu finden. Aber er ist nicht nur wegen seiner guten Kondition fantastisch, sondern auch wegen seiner Technik", erklärt der Mittelfeldspieler Javier Mascherano, der bei der WM Di Marías Teamkamerad ist. Während eines Großteils der Saison musste er ihn jedoch bewachen, wenn er mit dem FC Barcelona gegen Real Madrid antrat. "Gegen ihn zu spielen? Das ist schwer, sehr schwer…aber jetzt stehen wir Seite an Seite auf dem Platz."

Haupt- und Nebenrollen
Der offensive Mittelfeldspieler weiß, was es heißt, "an der Seite" eines Stars zu spielen. In den Reihen von Real ist der gebürtig aus Rosario stammende Spieler daran gewöhnt, dass Cristiano Ronaldo, der aktuelle FIFA Weltfussballer des Jahres, der mit dem FIFA Ballon d'Or ausgezeichnet wurde, immer im Rampenlicht steht. Wenn er für die argentinische Nationalmannschaft aufläuft, hat er die Ehre, eine gewisse "Nummer zehn" zu flankieren. "Wer mit Leo in einer Mannschaft spielt, kann sich sehr glücklich schätzen", hatte Di María unter der Woche bereits im Gespräch mit der FIFA geäußert. "Genauso wie diejenigen, die Maradona dabei helfen konnten, Bestleistungen zu bringen, und davon profitiert haben, müssen wir es jetzt mit Messi tun."

Der Star, der selbst über genügend Talent verfügt, um in seinem Team eine Führungsrolle zu übernehmen, hat keinerlei Probleme damit, sich voll und ganz in den Dienst von Messi zu stellen. Und La Pulga (der Floh) ist wirklich ein Wirbelwind. In der Partie gegen die Schweiz in São Paulo hatte man den Eindruck, dass bei jeder seiner Ballberührungen etwas Großes in der Luft lag. Es war, als könnten die Gegner ihn höchstens bremsen, aber nicht stoppen.

Jedenfalls war es kein Geringerer als Messi, der die Vorlage zu Di Marías Treffer lieferte. Nachdem der Ball im Mittelfeld zurückerobert worden war, startete die Nummer zehn durch. Er ließ einen Verteidiger aussteigen und bediente seinen Teamkameraden. Dieser zog ab und ließ Benaglio keine Chance. Zu diesem Zeitpunkt schrieben wir die 118. Spielminute. Das war ein glanzvoller Auftritt des argentinischen Stars, oder besser gesagt von zwei argentinischen Stars.

"Sie sind ganz unterschiedlich, nicht war? Und wir sagen es immer wieder: Sie können mit einem Spielzug ein Spiel entscheiden", bestätigt Mascherano. "Wir haben das Glück, sie an unserer Seite zu haben. Ich hoffe, dass das Team ihnen weiterhin die Unterstützung geben kann, die sie brauchen, und dass sie weiterhin entscheidende Beiträge auf diesem Niveau leisten können", fügt er hinzu. Damit haben wir einen weiteren Star, der davon spricht, seine noch brillanteren Teamkameraden zu unterstützen, zu denen in diesem Fall auch Di María zählt.

Viel Beifall
Solches Talent erregt Aufmerksamkeit, selbst beim Gegner. Das weiß Mascherano nur zu gut. Obwohl er gerade eine unglaubliche Enttäuschung erlebt hat, für die vor allem Di María verantwortlich war, macht der junge Schweizer Angreifer Josip Drmic keinen Hehl aus seiner Bewunderung für den Gegenspieler. "Er war heute sensationell. Ich bin so etwas wie ein Fan von ihm", erklärte der Schweizer im Gespräch mit FIFA.com. "Ich mag seine Spielweise sehr. Und er hat mich wirklich beeindruckt, besonders die Tatsache, dass er nach 120 Minuten noch einen solchen Sprint hinlegen konnte. Das ist einfach unglaublich. Heute hat er seine Klasse ganz deutlich gezeigt."

Mascherano kann dies nur bestätigen. Außerdem ist Di María nicht nur in der Lage, einen schnellen Sprint hinzulegen, sondern weiß diese unermüdlich rackernden Beine auch noch richtig einzusetzen. "Ich wollte unbedingt ein Tor erzielen." Daran dürfte wohl kaum jemand zweifeln. "Leo [Messi] hatte den Ball, und er entscheidet, wem er ihn zuspielt."

Und Messi, der in Spanien ebenfalls gegen seinen Landsmann antritt, wusste in der Tat ganz genau, was er zu tun hatte. Er sah die "goldene" Chance und gab an Di María ab. Mascherano legt daher Wert darauf, etwas zu betonen, was eigentlich auf der Hand liegt: "Tatsächlich bereitet es viel mehr Vergnügen, ihn im eigenen Team zu haben."

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