FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

9 Juni - 9 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™

Deutschland verabschiedet sich mit einem Sieg

DER TAG IM RÜCKBLICK: Vor 29 Tagen startete Deutschland mit einem Sieg mit zwei Toren Vorsprung glanzvoll in diese FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™. Heute konnte das Team von Jürgen Klinsmann einen solchen Erfolg wiederholen. Mit einem 3:1-Sieg über Portugal sicherten die Deutschen sich den dritten Platz in einem Turnier, in dem sie eine der positivsten und offensivsten Mannschaften waren und zu dem die Deutschen Fans mit ihrer Begeisterung und Gastfreundschaft so immens viel beigetragen haben.

Es war vor allem für Bastian Schweinsteiger ein Abend des Triumphs. Er traf mit zwei gewaltigen Schüssen selber ins Tor, beim dritten deutschen Treffer fälschte Petit einen Freistoß des Münchners ins eigene Netz ab. Für zwei Große der modernen Ära war es noch aus einem anderem Grund ein denkwürdiger Abend: Portugals Fussballlegende Luis Figo verabschiedete sich mit der perfekten Vorlage zum portugiesischen Ehrentreffer von der internationalen Bühne, und auch Oliver Kahn, für viele Jahre die unangefochtene Nummer 1 im Tor der deutschen Nationalmannschaft, verkündete nach dem Abpfiff das Ende seiner internationalen Karriere. Genau wie Pauleta, der heute Kapitän seiner Mannschaft war, so lange Figo auf der Bank saß.

Während Deutschland feierte und die Tränen von vor vier Tagen vergaß, als der Traum des Finaleinzugs durch Italien vereitelt wurde, konnten die Portugiesen zumindest den späten Treffer von Nuno Gomes genießen, der eine butterweiche Flanke von Figo per Kopf verwandelte. Bis dahin sah es so aus, als würden die Portugiesen enttäuscht die Heimreise antreten, ohne in ihren letzten drei Spielen in der regulären Spielzeit ein Tor erzielt zu haben. Aber der vierte Platz ist kein schlechtes Ergebnis für die Schützlinge von Luiz Felipe Scolari. Schließlich ist es das beste Abschneiden Portugals seit dem dritten Platz von 1966.

Das Spiel um den dritten Platz ist traditionell eine torreiche Angelegenheit – vor dem heutigen Tag fielen in 15 Partien im Schnitt 3,93 Tore. Deshalb überraschte es nicht, dass im Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadion eine Vorstellung geboten wurde, die sich in diese Tradition einreiht.

Nach der torlosen ersten Halbzeit hatte es allerdings noch so ausgesehen, als würde dieses Spiel gegen den Trend laufen, aber man hätte es besser wissen müssen. Schließlich ist Deutschland mit 14 Treffern das Team, das bei dieser WM die meisten Tore erzielt hat. Und weil Miroslav Klose und der "Gillette Beste Junge Spieler" Lukas Podolski nicht wie gewohnt dominieren konnten, brachte ein Mittelfeldspieler die Wende, der im Halbfinalspiel gegen Italien nicht berücksichtigt worden war und offensichtlich etwas beweisen wollte.

Spieler des Tages und Tor des Tages

Bastian Schweinsteiger – zwei Supertore

Für den besten Spieler der Partie konnte es keine andere Wahl geben, nachdem "Schweini" zwei Donnerschläge in Ricardos Netz versenkt hatte. Beim ersten gab er dem Ball einen tückischen Effet mit, durch den die Kugel durch die hochgerissenen Arme von Torhüter Ricardo segelte.

Das zweite Tor fiel nach einem Freistoß von Schweinsteiger, den Petit ins eigene Netz abfälschte. Zwölf Minuten vor Spielende zog der Spieler von Bayern München ein weiteres Mal vom linken Flügel nach innen und feuerte einen unhaltbaren Schuss ins lange obere Eck.

Wie versprochen hatte Jürgen Klinsmann im Tor Oliver Kahn aufgestellt, um auch ihm einen Auftritt bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land zu ermöglichen. Robert Huth hoffte auf seinen zweiten Einsatz im Turnier, verletzte sich jedoch beim Aufwärmen, so dass an seiner Stelle Jens Nowotny spielte.

Auch Michael Ballack fehlte verletzungsbedingt, wodurch es der Partie an spielerischer Fantasie mangelte, obwohl sich die Portugiesen zu Beginn mit ihrem klugen Passspiel einige gute Chancen erarbeiteten. Nach 15 Minuten machte Simãos Pass den Weg frei für Pauleta, aber der portugiesische Kapitän, ein weiterer Spieler, der sich von der internationalen Bühne verabschiedet, ließ seine Absichten allzu deutlich erkennen.

Im Bemühen, das Turnier als Gewinner des adidas Goldenen Schuhs zu beenden, spielte Klose zu eigennützig und übersah mehrmals den besser platzierten Podolski. Hin und wieder blitzte ein Funken seines großen Könnens auf, aber er wurde schließlich ausgewechselt, ohne seinen fünf in den ersten fünf Spielen erzielten Toren ein weiteres hinzugefügt zu haben. Aber wenn Thierry Henry im Finale nicht eine wahre Torserie gelingt, ist Klose der Titel des Torschützenkönigs bei dieser WM nicht mehr zu nehmen.

Der Augenblick des Tages

Deutschland feiert seine Freude über rundum gelungene FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™

Die Spieler wollten das Feld gar nicht wieder verlassen, und die Anhänger harrten im Stadion aus. Für die Gastgeber ist die Party vorbei. Sie endete nicht mit dem ersehnten Titel, aber sowohl auf als auch abseits des Rasens war der deutsche Beitrag zum Erfolg dieses Turniers gewaltig.

Nun bleibt der Mannschaft nur noch, sich morgen auf der Berliner Fan-Meile bei ihren zahllosen Anhängern zu bedanken, die sie auf ihrem Weg begeistert unterstützt haben - und auf Klinsmanns Entscheidung zu warten, ob er seinen Job weiter machen möchte. Vor dem Turnier wurde der deutsche Trainer teilweise heftig kritisiert. Jetzt drucken Zeitungen Petitionen, in denen sie ihn förmlich anflehen, zu bleiben. Es war ein bewegender Monat für viele – nicht zuletzt für den bewundernswerten deutschen Trainer.