FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

9 Juni - 9 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™

Deutschland gewinnt Freunde, Italien den Titel

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Dass Italien die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ gewinnen konnte, hatten die *Azzurri *vor allem einer geschlossenen Mannschaftsleistung zu verdanken. In Erinnerung bleiben wird wohl auf ewig Zinédine Zidanes Aussetzer im Berliner Olympiastadion, als sich Frankreichs eigentlich so routinierter Spielmacher zu einem Kopfstoß gegen Marco Materazzi hinreißen ließ. Dabei gibt es an Italiens viertem WM-Titel so viel mehr zu bewundern.

Angeführt von Trainer Marcello Lippi, der mit Juventus Turin bereits von Erfolg zu Erfolg geeilt war, und vom Skandal um manipulierte Spiele in der Heimat scheinbar zusammengeschweißt, kam zu den individuellen Qualitäten der italienischen Spieler noch das Plus einer großen Kameradschaft hinzu. 21 der 23 Spieler im Kader von Marcello Lippi kamen während des Turniers zum Einsatz, zehn von ihnen trugen sich bei der Gelegenheit gleich in die Torschützenliste ein.

Vor dem großartigen Torhüter Gianluigi Buffon dirigierte der umsichtige und zweikampfstarke Kapitän Fabio Cannavaro die beste Abwehr in der Geschichte des Turniers: ganze zwei Gegentore kassierte Italien im Turnier - das eine ein Eigentor, das andere ein Strafstoß. Im Mittelfeld gab es die Kombination aus "Der Harte und der Zarte" in Gestalt von Andrea Pirlo und Gennaro Gattuso. Ebenfalls ins Auge fielen die Vorstöße der offensiv ausgerichteten Außenverteidiger Gianluca Zambrotta und Fabio Grosso.

Grosso war es auch, der mit seinem Tor im phänomenalen Halbfinale gegen Deutschland für die Entscheidung sorgte, und der im Endspiel mit seinem verwandelten Elfmeter den Triumph gegen Frankreich besiegelte. Es war der erste Sieg Italiens in einem Elfmeterschießen - und ein Sieg gegen das Trauma dreier Weltmeisterschaften, namentlich natürlich das des Endspiels von 1994.

Aber diese FIFA Fussball-WeltmeisterschaftTM war nicht allein eine italienische Erfolgsgeschichte. Jürgen Klinsmanns junge deutsche Mannschaft etwa stürmte mit temporeichem Offensivfussball bis auf den dritten Platz. Mit 14 Treffern erzielten die Gastgeber die meisten Tore - fünf davon machte allein Miroslav Klose, der damit den Goldenen Schuh von adidas gewann. Sein Sturmpartner Lukas Podolski war drei Mal erfolgreich und gewann die Gillette-Auszeichnung "Bester Junger Spieler".

Vor allem aber prägte Klinsmanns Nationalmannschaft den Geist von Deutschland 2006. Das alte Stereotyp vom wenig attraktiven deutschen Ergebnisfussball wurde von einer jugendlichen Mannschaft mit begeisternden Auftritten auf dem Rasen verscheucht, und abseits des Spielfelds erfüllten die Menschen in ganz Deutschland das WM-Motto "Die Welt zu Gast bei Freunden" mit Leben. Riesige Menschenmassen bevölkerten die Fanmeilen im ganzen Land, und der WM-Ausrichter erwies sich als vorbildlicher Gastgeber für die Besucher aus der ganzen Welt.

Die vier Wochen Fussball in Deutschland lockten nicht nur sage und schreibe 3.359.439 Zuschauer zu den Begegnungen in den zwölf fantastischen Stadien (ganz zu schweigen von den Millionen auf den Fanmeilen). Geschätzte kumulierte 30 Milliarden verfolgten das Turnier über die verschiedenen Medien. Alle Augen waren auf die Besetzungsliste der 32 Mannschaften von Angola bis USA gerichtet - 32 Mannschaften, die in einem Marathon von 64 Partien und 147 Toren gemeinsam begeisterten, verzauberten und gelegentlich auch zur Verzweiflung trieben.

Fussball-Liebhaber kamen in vielerlei Hinsicht auf ihre Kosten. So drehte ein Zinédine Zidane etwa scheinbar die Zeit zurück und verhalf den von Raymond Domenech trainierten Franzosen auf dem Weg ins Finale nach Berlin zu Erfolgen gegen Spanien und Brasilien. Das letzte Hurra des 33-Jährigen brachte ihm den Goldenen Ball von adidas ein, aber obwohl er acht Jahre nach dem Finale von 1998 auch gegen Italien noch einmal traf, blieb ihm das Happy End versagt.

Portugals Flügelflitzer Cristiano Ronaldo gehörte zu den großen Individualisten in einem Turnier, bei dem seine Mannschaft erstmals seit 1966 wieder die Vorschlussrunde erreichte. Portugals Trainer Luiz Felipe Scolari verpasste durch die Niederlage gegen Frankreich denkbar knapp sein zweites Endspiel in Folge nach dem Triumph 2002 mit Brasilien.

Stichwort Halbfinale: Dieses war zwar eine rein europäische Angelegenheit, aber das heißt nicht, dass nicht auch andere Länder gute Leistungen gezeigt hätten. Im Gegenteil: vor dem bitteren "Aus" im Elfmeterschießen gegen Deutschland etwa zeigte Argentinien begeisternden Kombinationsfussball, unter anderem eine Ballstaffette über 24 Stationen, an deren Ende das Tor von Esteban Cambiasso beim 6:0-Kantersieg gegen Serbien und Montenegro stand. Auch die vielleicht schönste Einzelleistung des Turniers geht auf das Konto eines Argentiniers: Maxi Rodriguez gelang im Achtelfinale ein sensationeller Volleyschuss zum Siegtor gegen starke Mexikaner.

Auch die afrikanischen Neulinge hatten allen Grund, stolz zu sein. Die Elfenbeinküste verlor zwar sowohl gegen Argentinien als auch gegen die Niederlande, machte beiden Mannschaften aber das Leben gehörig schwer. Angola holte gegen Mexiko und Iran jeweils ein Unentschieden, und das von Stephen Appiah und Michael Essien angetriebene, offensiv ausgerichtete Team aus Ghana kam sogar zu einem Sieg gegen die hoch gehandelte Tschechische Republik, ehe im Achtelfinale gegen Brasilien Endstation war.

Zu den Glanzlichtern gehörte auch WM-Neuling Trinidad und Tobago, der sich ein 0:0 gegen Schweden erkämpfte. Ecuador überstand nach Siegen gegen Polen und Costa Rica erstmals die Gruppenphase, und kampfstarke Australier drehten das Spiel gegen Japan mit drei Toren in den letzten zehn Minuten und zogen ins Achtelfinale ein. Respekt auch vor der Schweizer Abwehr, die in der regulären Spielzeit von vier Partien kein einziges Mal überwunden wurde.

Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. Denn obwohl Ronaldo mit seinem 15. WM-Tor zum Rekordhalter aufstieg, blieben Brasiliens Stars allesamt blass. Wie England erreichte auch die Seleçao das Viertelfinale, aber das war gemessen auch an den eigenen Ansprüchen zu wenig. Die asiatischen Mannschaften konnten nicht an ihre Erfolge von 2002 anknüpfen und schieden früh aus. Die Spiele der K.-o.-Runden waren insgesamt die torärmsten seit 1990. Auch Überraschungen gab es nach der Gruppenphase kaum noch, sieht man einmal davon ab, dass die Ukraine das Viertelfinale erreichte. Dort verloren die Osteuropäer gegen Italien, was wahrlich keine Schande war. Cannavaro & Co.* *waren schließlich die späteren - und würdigen - Gewinner.