FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™

11 Juni - 11 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™

Der Weltmeister ist gefordert

© Getty Images

Italien und die Niederlande sind die Hauptdarsteller des vorletzten Gruppenspieltags bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™. Der Weltmeister fand bisher nur schleppend in das Turnier, während die Oranjes in den ersten zwei Partien zwar erfolgreiche, aber glanzlose Auftritte lieferten.

Die Männer von Bert van Marwijk haben sich in der Gruppe E vorzeitig qualifiziert und können es sich in der letzten Vorrundenbegegnung gegen die bereits ausgeschiedenen Kameruner endlich erlauben, dem Spektakel den Vorzug vor der Effizienz zu geben. Die Entscheidung um den zweiten Platz fällt im Duell zwischen Japan gegen Dänemark. Den Asiaten würde gegen die Skandinavier aufgrund der besseren Tordifferenz ein Unentschieden reichen.

Komplizierter gestaltet sich die Situation in der Gruppe F. Theoretisch haben sowohl Paraguay, Italien wie auch Neuseeland noch die Möglichkeit, den Gruppensieg zu erreichen. Paraguay behielte im Fall eines Sieges in jedem Fall die Spitzenposition. Italien folglich wäre bei einem dreifachen Punktgewinn zwar sicher weiter, aber nicht unbedingt als Gruppensieger. Es ist gut möglich, dass die Tordifferenz am Ende über den zweiten Platz entscheidet, und dabei könnte Neuseeland überraschend zum Spielverderber mutieren.

Die Spiele
Paraguay - Neuseeland, Gruppe F, Polokwane, 16:00 Uhr
Slowakei - Italien, Gruppe F, Johannesburg (Ellis Park), 16:00 Uhr
Kamerun - Niederlande, Gruppe E, Kapstadt, 20:30 Uhr
Dänemark - Japan, Gruppe E, Rustenburg, 20:30 Uhr

Das Spiel des Tages
Slowakei – Italien

Die Squadra Azzurra spielt gerne mit dem Feuer. Bereits 1982 bei der Endrunde in Spanien überstanden die Italiener nach drei Unentschieden nur knapp die Gruppenphase, um am Ende dank Paolo Rossi trotzdem Weltmeister zu werden. Auch in diesem Jahr startete Italien mit zwei Unentschieden ins Turnier. Doch damit hören die Gemeinsamkeiten schon auf. Die Defensive um Kapitän Fabio Cannavaro verströmt nicht mehr dieselbe Autorität wie früher. Und die verletzungsbedingte Abwesenheit von Andrea Pirlo ist an allen Ecken und Enden zu spüren: Das Umschalten auf den Angriff erfolgt nicht schnell genug, um die Stürmer in aussichtsreiche Positionen zu bringen.

Doch der nächste Gegner aus der Slowakei hat im Vergleich zu den beachtlichen Leistungen in der Qualifikationsphase bisher enttäuscht, und vielleicht bedarf es nur eines kleinen Anstoßes, um aus dem "Unentschieden-Weltmeister" eine Siegermannschaft zu machen. Doch ein schlechter Start kann am Ende immer teuer zu stehen kommen. Und auch in diesem Fall ist es möglich, dass sich Italien trotz eines Sieges in der letzten Partie mit dem zweiten Platz begnügen müsste. Und dann hieße der Gegner im Achtelfinale: Niederlande.

Das Top-Duell
Nicklas Bendtner (Dänemark) - Marcus Tulio Tanaka (Japan)

Der mit körperlichen Problemen nach Südafrika gereiste Stürmer des FC Arsenal hat sich seit Turnierbeginn kontinuierlich gesteigert. Gegen Kamerun gelang Bendtner sein erster Treffer, und nun scheint er bereit zu sein, um sich mit dem japanischen Verteidiger ein packendes Duell zu liefern. Dem für seine Kopfballstärke bekannten Tanaka dürfte gegen den 1,94 Meter langen Angreifer sicher nicht langweilig werden. Die zwei Männer werden im Mittelpunkt des Duells um den Einzug ins Achtelfinale stehen. Die Dänen erreichten bei jeder ihrer drei Teilnahmen stets die zweite Runde, während die Japaner nach 2002 zum zweiten Mal in ihrer Geschichte ins Achtelfinale einziehen wollen.

Zitat
"Wir haben sechs Punkte, ohne gut gespielt zu haben. Wir können und müssen einen besseren Fussball zeigen, doch das Wichtigste war zunächst, sich so problemlos wie möglich für das Achtelfinale zu qualifizieren."
Rafael van der Vaart (Mittelfeldspieler, Niederlande)


Böser Bube. Der Niederländer Mark van Bommel ist in erster Linie ein Gewinnertyp. Seit der Amtsübernahme durch seinen Schwiegervater Bert van Marwijk, der Marco Van Basten ersetzte, mit dem sich der Spieler des FC Bayern München überworfen hatte, ist der für seine Kompromisslosigkeit berüchtigte Van Bommel wieder der große Rückhalt im Mittelfeld der Niederländer. "Ja, ich mache die Drecksarbeit. Na und? Eine Fussballmannschaft kann nicht nur aus elf Ballerinas bestehen", erwidert er regelmäßig auf Kritik an seiner rustikalen Gangart. "Ja, ich spiele immer hart an der Grenze, versuche aber, sie nie zu überschreiten", räumte der 33-Jährige ein, den die Vorwürfe indes kalt lassen und der nicht daran denkt, seinen Stil zu ändern.

Von Sansibar nach Nelspruit. Der designierte Nachfolger von Marcello Lippi nach der WM 2010, Cesare Prandelli, verfolgte die Partie der Italiener gegen Neuseeland (1:1) in Sansibar (Tansania). Der ehemalige Trainer des AC Florenz weihte dort in Begleitung seiner Tochter eine Schule ein, die nach seiner vor zwei Jahren verschwundenen Frau Manuela benannt wurde.

Mit dem Kopf woanders. Japan bestätigte in Südafrika 2010 mit dem ersten WM-Sieg fern der Heimat (1:0 gegen Kamerun) die positive Entwicklung in den letzten Jahren. Dieser Erfolg ist umso höher zu bewerten, da die Männer von Takeshi Okada einen großen Schwachpunkt kompensieren müssen: Ihre Unterlegenheit im Luftkampf. Im japanischen Kader sind lediglich sieben Spieler 1,80 Meter groß oder größer. Bereits 2006 in Deutschland war Japan mit nur 34 Prozent gewonnener Kopfballduelle in dieser Hinsicht der schwächste der 32 Teilnehmer.


Mehr zu diesem Thema erfahren