FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 1974™

13 Juni - 7 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1974™

Der "Kaiser" führt Deutschland zum zweiten WM-Titel

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Mit der Bundesrepublik Deutschland triumphierte 1974 einmal mehr das Gastgeberland und nahm den neuen FIFA-Weltpokal in Empfang. Dieses Turnier gilt als Beginn des "totalen Angriffsfussballs" mit seinem unverwechselbaren Offensivstil.

Die Niederlande schlugen zunächst mit dem überragenden Johan Cruyff Argentinien mit 4:0 und Brasilien mit 2:0. Im Finale jedoch unterlagen sie der deutschen Mannschaft mit 1:2. Das Siegtor für Deutschland erzielte Gerd Müller, der "Bomber der Nation" in typischer Manier aus der Drehung.

20 Jahre danach...

Die bundesdeutsche Mannschaft lief nach einem schwachen Start zu Form auf, um "ihre" WM zu gewinnen. Im Finale führte "Kaiser" Franz Beckenbauer die Deutschen zum Höhepunkt ihrer Spielkunst und zum Sieg über die glänzend aufgelegten Niederländer. Eine Neuheit der 10. Weltmeisterschaft in der Bundesrepublik 1974 war die Übertragung der Spiele in Farbe! Und um den kulturellen Umbruch noch deutlicher zu machen, brachte die WM '74 zwei weitere entscheidende Neuerungen mit sich. Zunächst wurde der Turniermodus geändert. Das System einer Vorrunde in Gruppen mit anschließendem K.O.-System ab dem Viertelfinale wurde durch eine weitere Gruppenrunde ersetzt. Die zweite Änderung war, dass ein neuer Pokal benötigt wurde, um den bisherigen "Jules Rimet"-Pokal zu ersetzen. Den hatten die Brasilianer behalten dürfen, da sie ihn vier Jahre zuvor zum dritten Mal (1958, 1962, 1970) gewonnen hatten. Der neue Pokal wurde schlicht als FIFA-Weltpokal bezeichnet.

Wie sein Vorgänger war auch dieser von Silvio Gazzaniga geschaffene Pokal von Vielen heiß begehrt und 98 Nationen nahmen an der Qualifikation teil. Bemerkenswerte Erstteilnehmer an der Endrunde waren die DDR, Haiti, Australien und Zaire, die erste afrikanische Nation der Sub-Sahara, die sich regulär für die WM qualifizieren konnte. Andererseits konnten sich Ungarn, Spanien, Frankreich und noch erstaunlicher auch England nicht qualifizieren. Im Vorfeld des innovativen Turniers wählte die FIFA erstmalig mit dem Brasilianer João Havelange einen Nicht-Europäer zum Präsidenten als Nachfolger des Engländers Sir Stanley Rous, der dieses Amt seit 1961 bekleidet hatte.

Die Bundesrepublik konnte sich als einer der Favoriten für die zweite Runde qualifizieren, wenn auch nicht gerade überzeugend. Und im Anschluss an die Niederlage gegen die DDR in der ersten Runde gab es eine kleine Revolution. Die Mannschaftskollegen baten ihren Kapitän Beckenbauer den Trainer Helmut Schön davon zu überzeugen, Änderungen der Mannschaftsaufstellung und der Spieltaktik vorzunehmen.

Für das Team der Niederländer mit Spielern wie Cruyff, Neeskens, Rep und Rensenbrink lief alles glatt und man konnte sich für die erste und die zweite Runde qualifizieren durch Siege über Argentinien (4:0), die DDR (2:0) und Brasilien (2:0). Die Mannschaft spielte mit dem "totalen Angriffsfußball" ein neues System, welches sie von der berühmten niederländischen Mannschaft Ajax Amsterdam übernommen hatten. Die Entdeckung des Turniers war die sehr talentierte polnische Mannschaft, die Dritter wurde und deren Starstürmer Gzregorz Lato mit 7 Treffern zum besten Torschützen des Turniers avancierte.

Die Polen konnten jedoch nicht verhindern, dass die Bundesrepublik ins Finale gegen die Niederlande einzog. Die Anfangsphase des Finales verlief dramatisch, als Cruyff nach einem Solo im Strafraum der Deutschen zu Fall gebracht wurde. Durch den darauffolgenden Elfmeter gingen die Niederländer durch Neeskens in Führung. Es war erst eine Minute vergangen und die Deutschen hatten noch nicht einmal den Ball berührt. Der Kampfeswille der Deutschen wurde hierdurch angestachelt. Maier, Beckenbauer, Vogts - der im weiteren Verlauf Cruyff nicht mehr zur Entfaltung kommen ließ - Hoeness und Overath kämpften sich ins Spiel zurück und triumphierten am Schluss mit 2:1 durch Tore von Paul Breitner (Elfmeter) und Gerd Müller. So errangen die Deutschen ihren zweiten WM-Titel zwanzig Jahre nach ihrem ersten Erfolg 1954 in der Schweiz.