FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™

11 Juni - 11 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™

Der furchtlose Vonlanthen

Johan Vonlanthen of Switzerland is challenged by Fernando Meira of Portugal in 2008
© Getty Images

Wenn man den Namen Johan Vonlanthen hört, stellt man sich zunächst einmal einen Ur-Schweizer vor. Aber der junge Fussballer, der sich Zeit für ein exklusives Interview mit FIFA.com genommen hat, entspricht ganz und gar nicht dieser Vorstellung.

Der Nachwuchsmann mit dem dunklen Teint, den braunen Augen und dem freundlichen Gesicht erklärt lächelnd: "Ich wurde in Santa Marta in Kolumbien geboren, lebe aber schon seit meiner Kindheit in der Schweiz."

Das ist die erste von vielen Überraschungen, die der rechte Flügelspieler der Schweizer Nationalmannschaft in petto hat. Außerdem spricht er über seine von zwei Kulturen bestimmte Spielweise, sein frühes Debüt in der Elite sowie seine ehrgeizigen Pläne für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™.

Ich liebe das Spiel mit dem Ball!

Zwei Herzen, ein Trikot
Zunächst kommen wir auf die Herkunft des Spielers zu sprechen. "Ich wurde vor 24 Jahren in Kolumbien geboren", berichtet er. "Als ich fünf Jahre alt war, hat meine Mutter dann einen Schweizer kennengelernt, und so sind wir in die Schweiz gezogen. Ich habe in Flamat mit dem Fussballspielen angefangen, einem kleinen Dorf. Später bin ich dann zu den Young Boys gegangen. Mit 16 habe ich mein Debüt in der ersten Liga gegeben. Ich war damals der jüngste Torschütze in der Geschichte der Liga", erklärt er mit einigem Stolz.

Nach diesem hervorragenden Einstieg wurde sein Name bald mit der Schweizer Nationalmannschaft in Verbindung gebracht. Allerdings zögerte er zuerst und war sich nicht sicher, ob er die Einladung annehmen sollte. "Das war schwierig, weil ich auch gern für Kolumbien gespielt hätte", meint er rückblickend. "Aber ich glaube, dort ist niemand je auf die Idee gekommen, dass ich für die Nationalelf in Frage käme. Vielleicht liegt das ja an meinem Namen. Schließlich hat der Schweizer Trainer Köbi Kuhn sein Vertrauen in mich gesetzt und mich für die Europameisterschaft 2004 nominiert, und ich bin sehr glücklich hier", meint er.

Dennoch hat der Schweizer Nationalspieler in seinem Herzen nach wie vor ein großes Plätzchen für Kolumbien reserviert. Der Fan von Atlético Junior (Barranquilla) spricht mit uns über sein großes Vorbild. Das ist kein Geringerer als Carlos Valderrama. "Ich habe ihn als Kind in Santa Marta spielen sehen. Als ich dann später zurückkam, habe ich ihn persönlich kennengelernt. Er ist ein toller Mensch, ein Idol in Kolumbien und sehr bescheiden. Außerdem steht er einem immer mit einem guten Rat zur Seite", erklärt er bewundernd.

Und in fussballerischer Hinsicht? Steckt da noch der feurige Latino in ihm? "Das ist es, was mich in der Schweiz immer etwas von den anderen Spielern unterschieden hat. Ich liebe das Spiel mit dem Ball, mache gern mal eine Spielerei zu viel. Obwohl ich hier gelernt habe, mich mehr in den Dienst der Mannschaft zu stellen und nicht so viel Show zu machen, habe ich den Latino-Stil doch nicht ganz abgelegt", meint er gut gelaunt.

Geschichte schreibenNachdem wir die Vergangenheit abgehakt haben, kommen wir auf die Zukunft des Spielers zu sprechen. In diesem Zusammenhang geht es natürlich zunächst einmal um die unmittelbar bevorstehende WM. Als Einstieg ins Thema analysiert Vonlanthen die Gruppe, in die die Schweizer gelost wurden. "Spanien ist, glaube ich, eine Klasse für sich. Natürlich braucht man keine Angst vor den Spaniern zu haben, aber sie haben unglaubliche Spieler, die dem Rest der Gruppe voraus sind. Chile und Honduras sind sehr gefährlich, aber wenn wir auch weiterhin die Moral zeigen, die uns bisher ausgezeichnet hat, können wir sie besiegen", meint er selbstbewusst.

Dieses Selbstbewusstsein ist nicht zuletzt dem Trainer zu verdanken. Für Vonlanthen ist Ottmar Hitzfeld einer der Gründe dafür, dass die Schweiz ohne Komplexe nach Südafrika reist. "Er hat uns die Einstellung vermittelt, dass wir vor niemandem Angst haben müssen", meint er. "Vorher war das oft der Fall. Wenn wir gegen Frankreich oder Italien spielen mussten, haben wir gedacht: 'Huuh, dagegen sind wir Schweizer doch ganz kleine Fische'. Unter ihm hat sich das geändert, und dadurch ist die Nationalmannschaft viel stärker geworden."

Bei der WM in Südafrika will Vonlanthen es unbedingt wissen, nachdem er 2006 in Deutschland auf tragische Weise zum Zuschauen verdammt war. "Am ersten Trainingstag habe ich mich gleich verletzt. Ich konnte nicht dabei sein, obwohl ich in Hochform war und der Trainer mich für die WM eingeplant hatte. Daher bin ich jetzt besonders motiviert und möchte mit einem guten Auftritt überzeugen", erklärt er.

Zu guter Letzt hat er noch eine Anekdote auf Lager, die sein Leben zwischen den beiden Kulturen hervorragend charakterisiert: "Am meisten Arbeit hat es mich gekostet, pünktlich zu sein. Ich erinnere mich noch daran, dass ich im Urlaub in Santa Marta einmal zu einer Veranstaltung eingeladen wurde. Ich habe meine Familie und alle um mich herum zur Eile angetrieben, um pünktlich dort zu sein. Und als wir ankamen, war noch niemand da! Der Erste kam eine halbe Stunde nach uns!", erklärt er lachend.

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