FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™

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14 Juni - 15 Juli

FIFA Fussball-WM 2018™

Das neue Selbstvertrauen der Schweiz

l-r Roman Buerki, Michael Lang, Manuel Akanji and Remo Freuler of Switzerland looks on
© Getty Images

Von Alan Schweingruber, Teamreporter Schweiz


Jeden Tag haben die mitgereisten Medienleute aus der Schweiz die Gelegenheit, das Training der heimischen Nationalmannschaft in Togliatti zu besuchen. Nach fünfzehn Minuten aber ist Schluss. Dann müssen die Journalisten und Kameraleute ihre Sachen packen und das Stadion verlassen. So ist der Plan. So war das abgemacht.

Natürlich erfahren die Schreibenden und Filmenden in dieser Viertelstunde nicht wirklich viel. Taktisch schon gar nicht. Coach Vladimir Petkovic verteilt dann meistens ein paar Hütchen auf dem Rasen oder bespricht sich mit den Leuten aus dem Staff. Manchmal schaut er seinen Spielern zu. Die wärmen sich immer so auf: Kreis von etwa zehn Mann. Sie spielen sich den Ball mit nur einer Berührung zu. Und in der Mitte versuchen zwei Spieler, den Spielfluss zu unterbrechen.

Auch wenn es nur fünfzehn Minuten sind, es gibt eben doch Dinge zu erkennen. Die 23 Spieler von Petkovic haben aus dem banalen Spielchen nämlich einen Wettbewerb gemacht. Sie zählen bei jedem Zuspiel laut mit, und je länger die zwei Spieler in der Mitte dem Ball hinterherlaufen, desto lauter wird gezählt. Desto mehr wird gelacht, gespottet. Und dabei verdeutlicht sich eines: Da ist eine Einheit zusammengewachsen in den letzten Jahren. Die Stimmung ist nicht nur heiter. Sie ist richtig gut, sie ist harmonisch. Im Film wäre das kitschig.

Ein Rückblick auf die letzten drei Turniere der Schweiz zeigt, dass viele im Team schon mehrmals und gemeinsam ärgerlich ausgeschieden sind. Das schweißt zusammen. Man lernt. In Südafrika schlug die Schweiz zum Auftakt Spanien und enttäuschte danach gegen Honduras und Chile. 2014 musste man sich nach mitreißenden 120 Minuten im Achtelfinale gegen Argentinien verabschieden.

Und an der EM vor zwei Jahren scheiterte Petkovics Mannschaft unglücklich im Elfmeterschießen an Polen.

"Das Turnier in Südafrika liegt weit zurück", sagt Verteidiger Manuel Akanji vor dem Spiel gegen Serbien (Freitag, 21 Uhr, Ortszeit). "Jetzt sind wir in Russland und es kommen neue Spiele auf uns zu. Zu vergleichen ist das alles nicht." Vergleichen muss man das wirklich nicht. Aber schlechte Erlebnisse graben sich ins Gedächtnis. Es ist dann wie beim Sprung vom Dreimeterbrett, wenn einem im Wasser zum ersten Mal die Hose runterrutscht. Passiert danach nie mehr. Oder man versucht es zumindest zu verhindern.

"Wir wollen uns nicht mit dem Achtelfinale zufriedengeben", sagt Petkovic. "Wir haben über die letzten Jahre ein gesundes Selbstvertrauen bekommen. Wir wissen, was wir können."

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