FIFA Fussball-Weltmeisterschaft England 1966™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft England 1966™

11 Juli - 30 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1966™

Danilov: "Hätten es in England bis ins Finale schaffen können"

World Cup Semi-Final, 1966. Liverpool, England. 25th July, 1966. West Germany 2 v Soviet Union 1. The Russian team line up before their match with West Germany
© Popper Foto

Vor 50 Jahren feierte die Sowjetunion mit dem Erreichen des Halbfinales bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ ihr bestes Abschneiden der Turniergeschichte. Bei ihrer dritten Turnierteilnahme schafften es die Sowjets bis ins Halbfinale und feierten damit ihr bestes Abschneiden aller Zeiten.

Zahlreiche Spieler der damaligen Mannschaft sind bereits verstorben. Umso bedeutender erscheint daher die Gelegenheit zu einem Gespräch mit einem der Stars bei diesem historischen Erfolg. Linksverteidiger Vasily Danilov von Zenit Leningrad spielte insgesamt 23 Mal für sein Land. Die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ vor einem halben Jahrhundert war der Höhepunkt seiner Karriere.

"Ich habe mich sehr über die Reise nach England gefreut. 1962 musste ich wegen einer Blinddarmentzündung zu Hause bleiben. Das war schon sehr schmerzvoll", so der heute 75-jährige Danilov im Gespräch mit FIFA.com. "Aber 1966 hat es ja dann geklappt!" Danilov bestritt vier der sechs Partien der Osteuropäer in England. Nach seiner Rückkehr erlitt er eine Knieverletzung, nach der er nie wieder zu früherer Stärke zurückfand. Letztlich musste er deswegen seine Karriere verfrüht beenden.

"Damals hatte man noch nicht die heutige medizinische Betreuung. Ich habe eine sehr lange Reha absolviert, aber ganz fit bin ich trotzdem nicht wieder geworden", so der Spieler, der zu den besten Verteidigern seiner Ära gehörte. "Das ist sehr schade, denn ich war eingeladen, an der Seite von Lev Yashin und Valery Voronin in der Weltauswahl zu spielen, aber ich musste mich einer Knieoperation unterziehen." Dennoch kann Danilov auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken, in der er gegen Legenden wie Pelé und Eusebio spielte und nach einem Freundschaftsspiel gegen Brasilien mit Garrincha das Trikot tauschte.

Eine Audienz bei der KöniginBei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1966™ stand Danilov beim 3:0-Auftaktsieg gegen die DVR Korea nicht in der Mannschaft. Doch der auf seiner Position spielende Leonid Ostrovsky konnte nicht restlos überzeugen und so rückte Danilov für das nächste Spiel gegen Italien in die Startaufstellung. Auch hier setzten sich die Sowjets durch und besiegten die als Gruppenfavorit gehandelten Italiener mit 1:0. Danilov kam auch im Viertelfinale gegen Ungarn, im Halbfinale gegen Deutschland und im Spiel um Platz drei gegen Portugal zum Einsatz. Er erinnert sich noch gern an die warmherzige Begrüßung in England und die Unterstützung durch die Fans, die großes Interesse an der sowjetischen Mannschaft zeigten.

"Wir wurden am Flughafen wie Ehrengäste empfangen", erinnert er sich. "Nachdem man den gestohlenen WM-Pokal wiedergefunden hatte, waren wir sogar bei einem Bankett bei der Königin zu Gast. Die Queen begrüßte uns und wir gaben ihr einen Handkuss - fantastisch! Gegen die Italiener stand das ganze Stadion hinter uns. Man hörte immer wieder Sprechchöre wie 'Russland, Russland' und 'UdSSR'. Spieler wie Yashin und Voronin waren in England durchaus bekannt, und eigentlich wollten alle auch [Eduard, Anm. d. Red.] Streltsov sehen, doch er hatte keine Reiseerlaubnis bekommen. Die sowjetischen Behörden hatten den Verdacht, dass er nicht wieder zurückkommen würde. Aber das war völlig unbegründet. Er war einer der besten Spieler der Welt."

"Beckenbauers Schuss habe ich bis heute nicht vergessen"
Danilov erinnert sich auch noch, dass er am Vorabend des Viertelfinales gegen Ungarn sehr nervös war. "Der Trainer fragte mich vor dem Zubettgehen: 'Nun, Vasya, wirst du heute nacht gut schlafen können? Wenn Bene (Ferenc Bene, der damalige Top-Torjäger der Ungarn) morgen trifft, dann tut es mir leid, aber...' Und tatsächlich schoss Bene ein Tor! Albert Shesternyov konnte seinen Gegenspieler nicht halten, obwohl ich ihn gewarnt hatte. Also musste ich selbst in einen Zweikampf gehen. Dann aber kam der Ball zu Bene, der ihn im Tor unterbrachte. Aber insgesamt habe ich ganz gut gegen ihn gespielt und wir sind weitergekommen. Der Trainer hatte nichts zu bemängeln."

Die Sowjets gingen nach einem Spielzug in Führung an dem auch Danilov beteiligt war. Igor Chislenko beförderte den Ball letztlich über die Linie. Die Partie endete mit einem 2:1-Sieg der UdSSR, die damit im Halbfinale stand. Rückblickend meint Danilov sogar, die UdSSR hätte noch mehr erreichen können, doch die starke Anfangself wurde immer wieder und unerwartet verändert.

"Bei allem gebührenden Respekt den Spielern gegenüber hat der Trainer bei der Zusammenstellung der Mannschaft nicht immer ein glückliches Händchen bewiesen", so Danilov. "Beispielsweise hätte Anzor Kavazashvili im Halbfinale gegen Deutschland im Tor stehen sollen. Yashin sah nicht gut aus, er war ganz blass und schien nicht wirklich einsatzbereit zu sein. Ich erinnere mich noch an Beckenbauers Schuss. Ich versuchte noch, ihn zu stellen, aber es gelang mir nicht, obwohl der Abstand zum Tor recht groß war. Wegen diesem Tor sind wir gescheitert. Wir hätten es bis ins Finale schaffen können. Unser Team war bei dieser Partie nicht in Bestform. Zwei, drei Spieler fehlten und damals durfte man noch nicht auswechseln."

Hohe Ansprüche in der Heimat
Franz Beckenbauers Schuss in der 68. Minute brachte die BR Deutschland mit 2:0 in Führung. Die Sowjets mussten nach dem Platzverweis gegen Chislenko mit zehn Mann weiter spielen und schafften nur noch den Anschlusstreffer. Auch das Spiel um Platz drei war hart umkämpft. "Wir hätten Portugal besiegen können", so Danilov. "Doch Murtaz Khurtsilava, der sich nicht wohl fühlte und sogar darum gebeten hatte, nicht aufgestellt zu werden, unterlief ein Handspiel im Strafraum. Den Elfmeter nutzte Eusebio zum Führungstreffer." Die Sowjetunion schaffte zwar noch vor der Pause den Ausgleich, doch in der 89. Minute erzielte Torres den Siegtreffer für Portugal.

Vor dem Turnier hatte man das Halbfinale als Ziel für die Mannschaft der Sowjetunion ausgegeben. Dieses Ziel erreichte die Mannschaft zwar, doch besonders große Anerkennung gab es dafür nicht. "Man hatte uns große Ehren zugesichert, wenn wir es über das Viertelfinale hinaus schaffen würden", so Danilov. "Aber danach hieß es dann: 'Nun, eigentlich hättet ihr das Finale erreichen müssen'." Der vierte Platz in England ist bis heute das beste Abschneiden der UdSSR und Russlands bei FIFA WM-Endrunden. Danilov hat seine eigene Theorie, warum dieser Erfolg nie übertroffen wurde.

"Meiner Meinung nach besteht das Problem darin, dass für jedes Turnier immer eine ganz neue Mannschaft aufgestellt wurde", so seine Erklärung. "Die älteren Spieler wurden herausgenommen und man fing wieder ganz von vorn an. Man bereitete sich mit einer Mannschaft vor und ließ dann eine andere spielen."

Danilov genießt die Erinnerungen an die Duelle mit den besten Stürmern der damaligen Zeit, darunter die Brasilianer Garrincha und Pelé, der Schwede Kurt Hamrin und der Ungar Ferenc Bene. "Ich erinnere mich immer noch gut daran und kann es gleichzeitig kaum glauben. Früher hatte ich davon geträumt, diese Spieler im Fernsehen zu sehen und dann habe ich tatsächlich gegen sie gespielt!"

Mehr zu diesem Thema erfahren

Empfohlene Artikel