FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Katar 2022™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Katar 2022™

21 November - 18 Dezember

Katar 2022™

Dalic: "Wir sind ziemlich optimistisch, was die Zukunft angeht"

Croatia coach Zlatko Dalic.
© imago images
  • Kroatien trifft in der WM-Qualifikation 2022 auf lösbare Aufgaben
  • Nationaltrainer Zlatko Dalic im Interview
  • "Es war einfach ein fürchterliches Jahr"

Die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ stellte für den kroatischen Fussball einen Meilenstein dar, ein Sommermärchen, das wohl für immer unvergessen bleiben wird. Bis ins Finale schafften es die Feurigen um Trainer Zlatko Dalic, wo man sich allerdings in einem spektakulären Duell den Franzosen beugen musste (2:4).

Im Anschluss musste Kroatien einen kleinen Aderlass hinnehmen. Stars wie der Stürmer Mario Mandzukic und der 'Elfmetertöter' Danijel Subasic entschlossen sich, ihre Karriere im Nationalteam nach diesem Höhepunkt zu beenden. Doch Dalic, der seit 2017 im Amt ist, blieb am Ruder und beschloss, dass seine Reise noch nicht zu Ende ist.

Der 54-Jährige integrierte erfolgreich junge Talente und führte die Nationalmannschaft souverän zur UEFA EURO 2020, die im kommenden Sommer stattfinden wird. Doch ab März steht die nächste Feuerprobe bevor: die Qualifikation für Katar 2022. FIFA.com sprach mit Dalic über die bevorstehenden Herausforderungen, das schwierige Jahr 2020 sowie die Corona-Pandemie.

Head coach Zlatko Dalic of Croatia reacts 
© Getty Images

Herr Dalic, auf Ihrem Weg nach Katar warten Russland, die Slowakei, Slowenien, Zypern und Malta. Wie schätzen Sie Ihre Gruppengegner ein?

Es gibt keine leichten Gruppen, denn natürlich ist es der Traum einer jeden Nation, sich für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Wir haben eine schwere Gruppe, doch wir nehmen unsere Rolle als Favorit an. Schließlich sind wird das erstgesetzte Team der Gruppe und amtierender Vizeweltmeister. Dennoch begegnen wir allen Gegnern in der Gruppe mit Respekt. Gegen die Slowakei haben wir bereits in anderen Qualifikationsturnieren gespielt. Die Slowaken kennen uns sehr gut und haben Ihre Stärke durch die Qualifikation für die EURO über die Playoffs bewiesen.

Russland war für uns bei der Weltmeisterschaft ein sehr schwerer Gegner. Die Russen siegten dort gegen Spanien, was ja schon eine ganze Menge sagt. Slowenien steigert sich unter Trainer Matjaž Kek weiter, der ja auch schon erfolgreich in Kroatien gearbeitet hat und uns entsprechend gut kennt. Unsere Nachbarn werden sicher sehr motiviert sein, sich gegen uns zu beweisen.

Zypern und Malta gehören in ihren Setztöpfen jeweils zu den besten Teams. Insgesamt ergibt sich also eine sehr anspruchsvolle Gruppe.

Doch wir glauben an unsere Stärken und gehen selbstbewusst und zuversichtlich in die Qualifikation.

Welche Herausforderungen sehen Sie in dieser Qualifikation?

Der Spielplan ist im März und im September mit jeweils drei Spielen in einer Woche sehr prall gefüllt. Da bleibt fast keine Zeit fürs Training. Hinzu kommen die langen Reisen, die für die Spieler sehr anstrengend sind. Es wird also schwer, so schnell hintereinander drei so wichtige Spiele zu absolvieren, zumal die Spieler ja auch in ihren Klubs viel zu tun haben.

Eine sehr gute Planung wird wichtig sein, um die Ressourcen bestmöglich zu nutzen und die Spieler vor Überlastungen zu schützen, wobei wir gleichzeitig gute Ergebnisse brauchen. All dies ist allerdings für alle Teams die gleiche Situation. Wir wollen damit also nichts entschuldigen.

Das andere Problem ist die EURO, die dieses Mal mitten in der Qualifikation liegt. Das ist sehr ungewöhnlich und stellt auch für alle anderen EURO-Teilnehmer ein Problem dar. Es ist durchaus denkbar, dass nach der EURO einige Spieler aus der Stammformation der Nationalmannschaft ihren Rücktritt erklären. Dann müsste man mitten in der Qualifikation wichtige Umstellungen und Veränderungen vornehmen.

Zlatko Dalic and Luka Modric of Croatia celebrate 
© Getty Images

Was wissen Sie über Katar?

Ich hatte bereits Gelegenheit, im Nahen Osten zu arbeiten, nämlich in Saudiarabien und in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Daher bin ich mit der Kultur und den Menschen in der Region vertraut. Ich habe sehr schöne Erinnerungen an meine Zeit im Nahen Osten und ich habe noch immer viele gute Freunde dort. Daher bin ich sicher, dass wir in Katar eine großartige Weltmeisterschaft erleben werden. Die Gastgeber werden alles Erdenkliche tun, um uns ihre großartige Gastfreundschaft zu demonstrieren.

Denken Sie, dass es eine ganz besondere WM wird?

Ja, da bin ich sicher. Hoffentlich ist die Pandemie bis dahin vorbei und wir können die Weltmeisterschaft zusammen mit Fans aus aller Welt genießen. Es wird die erste Weltmeisterschaft im Nahen Osten, und auch die erste, bei der die Fans zwei Spiele an einem Tag sehen können. Die Stadien liegen sehr dicht beieinander. Ich bin sicher, dass dadurch eine großartige Atmosphäre entstehen wird - ähnlich wie bei den Olympischen Spielen.

Die Stadien sind einfach großartig. Und nochmals: Ich bin sicher, die Gastgeber werden ihre Sache großartig machen, was die Organisation, die Sicherheit und alle anderen Aspekte angeht. Sie werden dafür sorgen, dass es für die Fans ein großartiges Erlebnis wird.

Sie haben bei der WM 2018 das Finale erreicht. Gibt es deswegen jetzt großen Druck?

Ich denke, die Leute wissen, dass 2018 ein ganz besonderes Jahr war und dass man so etwas nicht alle zwei oder vier Jahre wiederholen kann.

Ich denke, 2018 war der Druck größer, da wir wussten, dass es für einige unserer älteren Spieler die letzte Chance war. Jetzt haben wir erst einmal den Druck, uns zu qualifizieren. Wir wollen mit dabei sein, mitten unter den Besten.

Wir wissen, dass wir viel Talent, Klasse und Selbstvertrauen haben. Wenn wir also erst einmal dabei sind, können wir an einem guten Tag jeden Gegner schlagen. Doch wir wissen auch, dass Kroatien nicht zur Reihe der Topfavoriten gehört. Das sind Länder wie Frankreich, Spanien, Deutschland, Brasilien, Argentinien, England, Italien, Belgien oder Portugal.

1998 und 2018 haben wir allerdings gezeigt, dass Kroatien dennoch einen historischen Lauf zeigen kann. Doch ich denke, wir stehen nicht unter dem Druck, dies wieder schaffen zu müssen.

Einige kroatische Spieler haben nach der WM 2018 ihren Rücktritt erklärt. Erzählen Sie uns etwas über das aktuelle Team.

Ja, unser Team hat sich seit Russland 2018 ziemlich verändert. Spieler wie Rakitić, Mandžukić, Subašić und Ćorluka sind nicht mehr dabei. Aber es rücken viele talentierte Youngster nach, die immer wichtigere Rollen übernehmen. Wir haben die UEFA Nations League 2018 und 2020 genutzt, um einigen neuen Spielern eine Chance zu geben. Und wir haben die Qualifikation für die EURO 2020 eigentlich ganz gut absolviert.

Luka Modrić ist immer noch unsere Führungsfigur. Mit Brozović und Kovačić an seiner Seite haben wir immer noch eines der besten Mittelfelder der Welt. Erfahrene Spieler wie Perišić, Vida und Lovren bringen die dringend benötigte Routine und Abgeklärtheit mit. Und wir haben einige junge Heißsporne wie Brekalo und Vlašić, die ihr Potenzial schon bewiesen haben. Wir sind also ziemlich optimistisch, was die Zukunft angeht.

Das nächste Jahr wird ungewöhnlich, weil während der WM-Qualifikation die EURO 2020 nachgeholt wird. Was kann Ihr Team dabei erreichen?

Wir haben uns in Russland einen Traum erfüllt. Das war einfach unvergesslich für alle Beteiligten, und natürlich auch für die Fans. Wir ziehen daraus eine zusätzliche Motivation, denn wir wissen, was es bedeutet, einer ganzen Nation so viel Freude und Stolz zu schenken.

Angesichts der aktuellen Pandemie und der vielen Toten ist uns klar, dass die ganze Nation auf uns blickt und wieder auf eine große Freude hofft. Es ist unsere Pflicht, unser absolut Bestes zu geben, um die Magie aus Russland wieder aufleben zu lassen.

Wie ich schon vorher sagte - es gibt einige Teams, die derzeit objektiv betrachtet vor uns liegen. Aber wir vertrauen auf unsere Stärken und akzeptieren nur dann, dass ein Team besser ist als wir, wenn es das auf dem Platz bewiesen hat. Und das ist nicht leicht, denn wir haben nicht nur die nötige Qualität, sondern spielen auch mit sehr viel Leidenschaft und einem Gefühl der Einheit für Kroatien.

Wie lautet Ihr Schlusswort für das Jahr 2020? Ein schweres Jahr, insbesondere wegen Corona?

Ich habe es schon bei unseren letzten Spielen im November gesagt: Ich kann es kaum erwarten, dass dieses Jahr endlich vorüber ist. Zunächst einmal ist es fürchterlich, dass auf der ganzen Welt so viele Menschen den Tod gefunden haben. Auch viele Menschen und Unternehmen wurden von den Lockdowns und anderen Maßnahmen schwer getroffen.

Und dann findet der Fussball ohne Fans statt. Das ist einfach nicht das Gleiche und es fehlen die Emotionen, die nur volle Stadien bieten können. Vor den Spielen haben wir angesichts all der Maßnahmen eher über Tests und wer positiv ist nachgedacht, als über Taktik, Kondition oder sonstige fussballerische Aspekte.

Es war einfach ein fürchterliches Jahr und wir können nur hoffen, dass 2021 alles wieder viel besser wird. Ich wünsche allen Menschen alles Gute für ihre Gesundheit.

Gareth Southgate, Head Coach of England, Zlatko Dalic, Head Coach of Croatia, and Jaroslav Silhavy, Head Coach of Czech Republic pose
© Getty Images

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