FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™

12 Juni - 13 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2014™

Costa Rica verabschiedet sich mit breiter Brust

Costa Rica players watch in a penalty shootout
© Getty Images

Die costa-ricanischen Spieler gehen mit schleppenden Schritten durch die Katakomben der Arena Fonte Nova in Salvador de Bahía. Sie haben innerhalb von einer Woche 240 Spielminuten und 16 Elfmeter hinter sich gebracht. Die Trauer über die Niederlage steht ihnen ins Gesicht geschrieben, sie sind noch immer von Krämpfen geplagt, aber trotz allem verabschiedet sich die Auswahl Costa Ricas nicht mit einem negativen Gefühl von der Weltbühne. Schließlich hat das Team Uruguay, Italien und Griechenland besiegt, verabschiedet sich ohne eine einzige Niederlage aus Brasilien und wäre um ein Haar ins Halbfinale des Turniers eingezogen. Im Viertelfinale gegen die Niederlande scheiterte man erst im Elfmeterschießen. Welche andere Mannschaft kann das schon von sich behaupten?

"Die Welt ist auf Costa Rica aufmerksam geworden. Ich glaube, dass wir für diese Mannschaft und für unseren Fussball etwas Wichtiges erreicht haben." So fasst es Michael Umaña im Gespräch mit FIFA.com zusammen, als wir ihn bitten, den Weg der Ticos vom überraschenden ersten Sieg gegen Uruguay bis zum heutigen Tag noch einmal Revue passieren zu lassen.

An der Spitze der CONCACAFDie Wartezeit betrug 24 Jahre. Seit die Costa-Ricaner 1990 in Italien die Gruppenphase überwunden hatten, waren sie bei ihren folgenden WM-Teilnahmen in den Jahren 2002 und 2006 immer nach den ersten drei Partien gescheitert. Und nun hat diese neue Spielergeneration diese Tendenz gestoppt und ins Gegenteil verkehrt.

"Wir wollten die Welt und Costa Rica überraschen. Wir wollten Geschichte schreiben und ich finde, dass uns das durch alles, was wir erreicht haben, gelungen ist. Wir haben es geschafft, die brasilianischen Fans hinter uns zu bringen, die sich schließlich mit unserer Spielweise identifiziert haben, genauso wie die Fans, die aus unserem Land hierher gereist sind. Sie haben auf den Tribünen alles gegeben, und wir haben auf dem Platz dasselbe getan", betont Giancarlo González, der Chef einer Abwehr, die in fünf Spielen lediglich zwei Treffer zugelassen hat.

Damit haben die Costa-Ricaner nicht nur einen noch nie dagewesenen WM-Erfolg für ihr Land verbuchen können, sondern sich auch noch vor ihre Mitstreiter aus der CONCACAF-Zone geschoben, die im Achtelfinale bzw. in der Gruppenphase Niederlagen hinnehmen mussten. Die Ticos konzentrieren sich jedoch lieber auf sich selbst und ziehen es vor, keine Vergleiche anzustellen. "Wir sind nicht hergekommen, um in Konkurrenz zu den USA, Mexiko oder anderen CONCACAF-Nationen zu treten. Wir sind hergekommen, um unsere Aufgabe zu erfüllen. Wir wollten unsere Ziele erreichen", meint Umaña. Mannschaftskapitän Bryan Ruiz kann ihm da nur zustimmen. "Wir fahren zufrieden nach Hause, weil wir mit unserer eigenen Leistung zufrieden sind, nicht etwa, weil wir es geschafft haben, die anderen zu übertreffen."

Natürlich träumt jeder Spieler, der bei einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ dabei ist, davon Weltmeister zu werden. Die Vertreter Costa Ricas werten es jedoch auch als Erfolg, dass sie auf der Leiter weiter nach oben klettern konnten. "Ich fahre nicht zufrieden nach Hause, aber mit gutem Gewissen. Wenn man einmal anfängt zu gewinnen, dann möchte man immer weiter gewinnen. Ich scheide mit gutem Gewissen aus, weil die Mannschaft alles gegeben hat", so González.

"Tatsache ist, dass wir vorher davon geträumt haben, eine gute WM zu spielen, und letztendlich konnten wir viele der Träume verwirklichen, die wir anfangs hatten. Heute wissen wir, dass wir einen großartigen Auftritt hingelegt haben. Leider sind wir nun auf der Strecke geblieben, aber so ist das nun einmal im Fussball. Manchmal verliert man eben", fügt Umaña hinzu.

Die Spieler laufen noch immer in den Katakomben des Stadions herum und muntern sich gegenseitig auf. Sie wissen, dass das Abenteuer in Brasilien für sie zu Ende ist. Gleichzeitig ist ihnen aber auch bewusst, dass sich im letzten Monat viele Dinge verändert haben. "Jetzt wissen wir, was es heißt, zu gewinnen. Tatsache ist, dass man bis zum Finale dabei sein will. Wir haben junge Spieler, werden hart arbeiten und dann sehen wir uns in Russland wieder", meint González abschließend. Denn nach dem hier Erreichten möchte Costa Rica keinesfalls einen Schlusspunkt setzen, sondern das Märchen auch nach dieser hervorragenden Weltmeisterschaft fortsetzen.

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