FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™

12 Juni - 13 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2014™

Cahill: Raus mit Traumtor und Applaus

© Getty Images

Die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ hat schon jetzt vielen Spielern zu einem großen Auftritt verholfen. Allen voran natürlich all jenen, die nach ihrer Einwechslung gleich ein Tor erzielt haben. Jüngstes Beispiel: Memphis Depay, der im Spiel gegen Australien den Umschwung zu Gunsten der Niederlande brachte. Aber auch im Lager der mit 2:3 unterlegenen Socceroos gab es einen, der seinen großen Auftritt hatte - bei seinem Abschied.

Gemeint ist natürlich der 34-jährige Tim Cahill. Für den etatmäßigen Mittelfeldspieler war klar, dass seine dritte Weltmeisterschaft in Folge zugleich seine letzte sein würde. Hinzu kam, dass Cahill schon beim Anpfiff des zweiten Spiels in der Gruppe B gegen die Niederlande wusste, sein Abschied war nicht mehr fern. Zwei Gelbe Karten in zwei Spielen hätten bedeutet, dass er im dritten gegen Spanien gesperrt sein würde.

Prompt wurde dieses Szenario in der 43. Minute Realität. Cahill stieg im Zweikampf mit Bruno Martins Indi hart ein. Dieser verletzte sich. Der Australier wurde verwarnt, der Niederländer auf der Trage vom Platz gebracht. Kleiner Zwischenfall, große Wirkung: Ab da lief nämlich nicht nur der Countdown für Cahill, es kam auch der erwähnte Memphis Depay. Das Ergebnis ist bekannt. "Ich bin eben wie immer beherzt zur Sache gegangen und habe nicht an Gelbe Karten gedacht, die ich schon hatte oder noch bekommen könnte", beschreibt Cahill die Szene am Mikrofon von FIFA.com einsichtig und aufgeräumt. "Ich gehe immer mit vollem Einsatz in jeden Ball, so habe ich schon immer gespielt. Das Risiko nehme ich in Kauf. Ich habe diese beiden Karten kassiert, aber ich spiele nun mal für den Moment und denke nicht an die Zukunft. Und heute hat mir eine Spielweise einen der schönsten Augenblicke meines Lebens beschert."

Damit meint Cahill zuvorderst das heldenhafte Spiel, das die Socceroos gegen den Favoriten abgeliefert haben und das leicht auch zu ihren Gunsten hätte ausgehen können, aber auch sein eigenes herrliches Ausgleichstor zum zwischenzeitlichen 1:1, als er den Ball mit links volley unter die Latte jagte. Dabei hatten viele den Australiern im Vorfeld eine Abreibung prophezeit. "Ein fantastisches Tor, womöglich das schönste meiner Karriere, das ich nie vergessen werde", jubelt der Spieler von den New York Red Bulls. "Auf diesen Moment bin ich sehr stolz, aber auch mein Land kann stolz darauf sein. Für mich geht es hier nicht mehr weiter, aber ich höre ohne Bedauern auf. Denn wir haben nicht nur dieses Traumtor geschossen sondern das Spiel gegen eine der besten Mannschaften der Welt mit Stars wie Arjen Robben, Wesley Sneijder und Robin van Persie auch ausgeglichen gestaltet."

Der Respekt der ganzen Welt
Kein Wunder, dass Cahill stolz ist, der schon 2006 mit von der Partie war, als die Aussies nach 32 Jahren erstmals wieder eine WM-Endrunde erreichten. "An diesem Turnier teilzunehmen, davon habe ich schon als Kind geträumt, als so etwas wie eine WM-Teilnahme für Australien die absolute Ausnahme war", berichtet der Ex-Spieler des FC Everton, der mit dem Sahnestück von Porto Alegre nun auf fünf Tore bei drei Endrunden kommt. "Zu wissen, dass ich so regelmäßig bei einer WM gespielt habe, macht mich angesichts dessen durchaus stolz. Wir sind schließlich noch eine junge Mannschaft im Weltfussball. Für den australischen Fussball ist es eine neue Ära. Mit dem Spiel heute haben wir uns den Respekt der ganzen Welt verdient."

Darüber hinaus wurde die Fussballwelt Zeuge, dass ein Mittelfeldspieler, der als einer der besten Kopfballspezialisten der Welt gilt, überraschend auch zum Stürmer mit viel Ballgefühl in den Füßen werden kann. "Es ist ein großes Kompliment, wenn ich derjenige sein soll, der die Tore machen soll", sagt Cahill, der von Trainer Ange Postecoglou in den Angriff beordert wurde und so auf seine alten Tage noch einmal zum Torjäger wurde. "Es motiviert zu wissen, dass eine ganze Mannschaft und ein ganzes Land auf dieser Position auf mich zählt", sagt Cahill. "Ich habe mein Bestes gegeben und hoffe, dass ich niemanden enttäuscht habe."

Schlechte Nachrichten für Cahill: Alle Australier und alle Fussballfans sind enttäuscht. Enttäuscht, dass man einen wie ihn bei der Weltmeisterschaft nicht mehr sehen wird.

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