FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™

11 Juni - 11 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™

Bühne frei für die Künstler

Brazil get their hands on the FIFA World Cup trophy
© Getty Images

Der Schatten von Johan Cruyff liegt über dem 19. Endspiel der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™. Denn die niederländische Elf hat gewissermaßen das Erbe des Verfechters des "Totalen Fussballs" angetreten. Auf spanischer Seite wiederum zaubern ganze acht Akteure vom FC Barcelona, wo Cruyff einst als *Flac *(Katalanisch für "der Magere") bekannt war.

Man muss bis ins Jahr 1978 und zum Spiel Argentinien gegen die Niederlande zurückgehen, ehe man ein Finale zwischen zwei Mannschaften findet, die noch nie zuvor Weltmeister waren.

Die *Oranje *hat bislang eine blütenweiße Weste. Sie hat sowohl in der Qualifikation (acht Spiele, acht Siege) als auch in Südafrika (sechs Siege) einen tadellosen Auftritt hingelegt. Kommt ein weiterer Erfolg im Finale hinzu, würden es die Niederländer der legendären brasilianischen Mannschaft von 1970 gleichtun, die bis heute als einzige einen solchen Parcours hingelegt hat.

Spaniens Furia Roja wiederum ist schon amtierender Europameister und hat eine außergewöhnliche Spielergeneration beisammen, die ihren Namen endlich in den Sockel der begehrtesten Trophäe des Weltfussballs graviert wissen möchte. Mit einem Erfolg würde Spanien wiederum mit Deutschland gleichziehen, dem bislang einzigen Europameister, der zwei Jahre darauf Weltmeister werden konnte.

Die Spiele
Uruguay 2:3 Deutschland
Niederlande - Spanien, Sonntag, 11. Juli, Johannesburg (Soccer-City-Stadion), 20:30 Uhr (Ortszeit)

Das Topspiel
Niederlande - Spanien

"Totaler Fussball" gegen "Fussballspektakel": Das Finale der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™ könnte durchaus eine neue Ära einläuten. Denn wie in der Kunst gibt es auch im Fussball echte Epochen. Entsprechend könnte die erste WM-Endrunde in Afrika auch das Ende des allzu schematischen und defensiven Rasenschachs markieren und mehr künstlerischer Freiheit Platz machen. Wesley Sneijder und Arjen Robben jedenfalls sind würdige Erben der mit traumwandlerischer Sicherheit kombinierenden Oranje der 70er Jahre. Außerdem verfügen sie über dieses gewisse Fünkchen Verrücktheit, das sie Wagnisse und Risiken eingehen lässt, die, wenn sie gut gehen, im Stadion alle von den Sitzen reißen.

Der Spanier Xavi seinerseits bringt es pro Spiel auf 100 Pässe. Er ist die ordnende Hand und der Taktgeber im iberischen Spiel. Dabei kommt ihm zugute, dass er für seine Zuspiele in Andrés Iniesta, David Villa und Pedro gleich mehrere dankbare Abnehmer hat, die mit dem Ball auch etwas anzufangen wissen. Hinten hält derweil der gerade gegen Deutschland überragende Carles Puyol den Laden zusammen, und bei den Niederländern ist es Mark van Bommel, der mit seinem unbändigen Siegeswillen Robin van Persie und Co. den Rücken frei hält. Beide Kontrahenten können am Sonntag aus dem Vollen schöpfen. Wenn es ihnen nun noch gelingt, die Bedeutung des Endspiels zu vergessen und frei aufzuspielen, ist eine Galavorstellung vorprogrammiert.

Das Duell
Wesley Sneijder (NED) gegen David Villa (ESP)

Von Diego Forlán und Miroslav Klose vielleicht noch abgesehen, haben diese beiden alle im Vorfeld gehandelten Stars in den Schatten gestellt. Denn Lionel Messi, Wayne Rooney, Cristiano Ronaldo, Thierry Henry und Alberto Gilardino beispielsweise sind schon längst wieder zu Hause. Gut möglich, dass ein Geistesblitz, ein Trick oder Geniestreich von Villa oder Sneijder das Spiel entscheidet. Ein Schuss, ein Kopfball kann genügen. Außerdem geht es für den Niederländer und den Spanier auch noch um prestigeträchtige persönliche Auszeichnungen. Mit fünf Treffern führen beide gemeinsam mit Forlán und Thomas Müller die Torjägerliste an. Legt einer von beiden nach, kann das für sein Land den ersten WM-Titel überhaupt bedeuten und ihm persönlich den Goldenen Schuh von adidas für den besten Torjäger oder den Goldenen Ball von adidas bescheren, der dem besten Spieler des Turniers verliehen wird.

Das Zitat
"Ich liebe Fussball, aber ich liebe auch Siege. Ich bin jetzt seit zwei Jahren Trainer dieser Mannschaft und habe immer wieder auch zu meinen Spielern gesagt, dass wir eine Mission haben, die wir am besten erfüllen können, indem wir an uns glauben."
Bert van Marwijk(Nationaltrainer, Niederlande)


Die WM in Zahlen: Es wird also einen achten Gewinner der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ geben - Spanien oder die Niederlande. Die Titelträger zuvor kamen in chronologischer Reihenfolge aus Uruguay, Italien, Deutschland, Brasilien, England, Argentinien und Frankreich. Im kontinentalen Vergleich hat Europa jetzt mit 10:9 knapp die Nase vorn vor Südamerika. In Afrika wird zudem erstmals eine europäische Mannschaft auf einem anderen Kontinent Weltmeister, während das dem fünfmaligen Titelträger Brasilien bereits in Europa (Schweden 1958), Nordamerika (USA 1994) und in Asien (Korea/Japan 2002) gelungen ist.

Die "WM im eigenen Land" hat Brasilien 1950 paradoxerweise nicht gewinnen können und überhaupt erst einmal in Südamerika (Chile 1962). Zum achten Mal gibt es ein rein europäisches Finale (Italien - Tschechoslowakei 1934, Italien - Ungarn 1938, BRD - Ungarn 1954, England - BRD 1966, BRD - Niederlande 1974, Italien - BRD 1982, Italien - Frankreich 2006 und Niederlande - Spanien 2010). Nur zwei Mal gab es hingegen ein rein südamerikanisches Endspiel (Uruguay - Argentinien 1930 und Brasilien - Uruguay 1950).

Drei südamerikanische Mannschaften haben 13 Endspiele bestritten (Brasilien sieben, Argentinien vier, Uruguay zwei), wohingegen ganze neun europäische Teams bereits im Endspiel standen (Deutschland sieben Mal, Italien sechs Mal, Niederlande drei Mal, Frankreich, Ungarn und die Tschechoslowakei zwei Mal, Schweden, England und Spanien ein Mal).

313 Minuten unbezwungen: Mit dem Halbfinalsieg gegen Deutschland (1:0) hat Spanien seinen eigenen WM-Rekord gebrochen. Die Truppe von Vicente del Bosque hat seit 313 Minuten kein Tor mehr kassiert. Der Chilene Rodrigo Millar war mit seinem Tor in der 47. Minute des dritten Gruppenspiels der letzte, der die iberische Abwehr bezwingen konnte (1:2). Das Achtel-, Viertel- und Halbfinale gegen Portugal, Paraguay und Deutschland hat der Europameister anschließend jeweils mir 1:0 gewonnen. Der alte spanische Rekord von 282 Minuten ohne WM-Gegentor datierte noch von Brasilien 1950.

Sneijder vor historischem Rekord: Mit seinem Verein Inter Mailand hat der Niederländer schon das begehrte "Triple" geschafft (UEFA Champions League, italienischer Meister und Pokalsieger). Wenn er jetzt mit der Nationalmannschaft auch noch die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ gewinnt, wäre das eine historische Premiere für einen Spieler. Obendrein kann Sneijder auch noch bester Torschütze und bester Spieler der WM werden und sich so den Goldenen Schuh und den Goldenen Ball von adidas sichern.

Schiedsrichter-Rekorde: Der Engländer George Reader ist in die Geschichte eingegangen, als er am 16. Juli 1950 im Maracaña-Stadion von Rio das Finale zwischen Brasilien und Uruguay leitete. Er war damals 53 Jahre und 236 Tage alt. Es ist ein Rekord für die Ewigkeit, weil es seitdem eine Altersgrenze von 45 Jahren für Spiele auf dieser Ebene gibt. Umgekehrt war der Spanier Juan Gardeazabal am 8. Juni 1958 im schwedischen Norrköpping beim Spiel Frankreich - Paraguay (7:3) erst 24 Jahre und 193 Tage alt.

Spanien nicht abergläubisch: Spanien hat sein erstes Vorrundenspiel mit 0:1 gegen die Schweiz verloren. Eine Niederlage in der ersten Partie mussten auch noch drei andere späteren Finalisten bei einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft hinnehmen: die Bundesrepublik Deutschland 1982 gegen Algerien (1:2), Argentinien 1990 gegen Kamerun (0:1) und Italien 1990 gegen die Republik Irland (0:1). Diese Verlierer der ersten Stunde unterlagen allesamt auch im Endspiel.


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