FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Chile 1962™

30 Mai - 17 Juni

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1962™

Brasiliens Ballzauberer triumphieren erneut

  • ​Von Garrincha angeführt verteidigte Brasilien den Titel
  • Amarildo, Zito und Vavo bezwangen im Endspiel die Tschechoslowakei
  • Sechs Spieler teilten sich den Titel des Torschützenkönigs

Das Turnier sah einen weiteren Triumph Brasiliens, wenngleich Pelé nur im Eröffnungsspiel gegen Mexiko dabei war, bevor er verletzt ausschied. Im Finale in Santiago schlug Brasilien die Tschechoslowakei mit 3:1 durch Tore von Amarildo, Zito und Vava. Das Turnier sah auch eines der berüchtigtsten Spiele der Weltpokal-Geschichte - die "Schlacht von Santiago"zwischen Italien und Chile, bei der zwei Italiener des Feldes verwiesen wurden. Einer von ihnen hatte, nach einem harten linken Haken eines chilenischen Spielers, einen Nasenbeinbruch erlitten.

In Chile, am Fuß der Anden, holten sich die Brasilianer ihren zweiten Titel in Folge, sogar ohne den großen Pelé. Dieses siebte Weltpokal-Turnier wird auch als der Augenblick in die Fußballgeschichte eingehen, in dem Fußball "physischer" wurde.

Nach zwei Turnieren auf dem alten Kontinent (Schweiz 1954 und Schweden 1958) kehrte der Weltpokal zwölf Jahre, nachdem Brasilien das Endturnier veranstaltet hatte, wieder nach Südamerika zurück. Die Wahl der FIFA, die sich für Chile entschieden hatte, sorgte jedoch für Erstaunen und auch Unverständnis, da dieses Land doch in vielen Bereichen Mängel aufzuweisen hatte (Stadien, Zugangsstraßen, Zuschauerkapazität) und nicht in der Lage schien, als Gastgeber bei einem Großereignis wie diesem zu agieren. Sechsundfünfzig Teams - ein neuer Rekord - nahmen an der Qualifikation teil, bei der Frankreich und Schweden ausschieden, zwei der Großen des Turniers von 1958. Viele der Erstrundenbegegnungen dieses Weltpokals 1962, wie etwa UdSSR gegen Jugoslawien, Chile gegen Italien oder Deutschland gegen die Schweiz waren von überhartem Spiel gekennzeichnet.

Die hässliche Seite des Fussballs machte sich zum ersten Mal bei einem Weltpokal-Turnier bemerkbar: Dies wurde umso deutlicher, als die Brasilianer, der amtierende Weltmeister, zunächst nicht richtig in Tritt kommen wollten. Die Verletzung, die Pelé gegen Jugoslawien erlitt, machte die Sache dabei nicht gerade einfacher. Der Star des Weltpokals 1958 verließ schließlich humpelnd das Turnier von 1962, nach einer gegen die Tschechoslowakei erneut aufgebrochenen Muskelverletzung. Die von Garrincha und Zagallo angeführten Brasilianer erreichten, wenn auch auf weniger überzeugende Art als in Schweden, das Viertelfinale. Das sollte den Uruguayern, Argentiniern und Italiener nicht gelingen.

Seinen emotionalen Höhepunkt erreichte das Turnier im Viertelfinale, als Gastgeber Chile die UdSSR mit 2:1 besiegte und das ganze Land diesen Triumph auf den Straßen feierte. Die Freude der Chilenen sollte jedoch nur von kurzer Dauer sein, da sich die Brasilianer im Halbfinale als zu stark erwiesen. Somit qualifizierte sich Brasilien zum zweiten Mal in Folge für das Finale. Gegner im Endspiel waren die Tschechoslowaken, die sich im anderen Halbfinale überraschend gegen Jugoslawien durchgesetzt hatten.

Die Tschechen hatten bereits in der ersten Runde ein 0:0 gegen die Brasilianer erreicht. Auch ihr Sieg gegen die Ungarn im Viertelfinale kam einem Fussballwunder gleich. In diesem Spiel hatten die Ungarn nicht weniger als viermal den Pfosten getroffen. Zur Überraschung aller gingen die Tschechen im Endspiel gegen Brasilien in Führung. Den Südamerikanern gelang jedoch nur zwei Minuten später der Ausgleich. Zwei weitere brasilianische Treffer machten schließlich alles klar. Ein hervorragendes Team, mit nicht weniger als neun Spielern aus der Siegermannschaft von 1958, hatte den Titel verteidigt. Somit zählte Brasilien nun neben Italien und Uruguay zu den einzigen Ländern, die den Jules-Rimet-Pokal bereits zwei Mal gewonnen hatten. Zumindest bis dahin ...