FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™

14 Juni - 15 Juli

FIFA Weltmeisterschaft™

Brasilien triumphiert, aber Chile verblüfft die Welt

Garrincha runs to congratulate team-mate Amarildo after his goal for Brazil in their 3-1 win over Czechoslovakia in the Chile 1962 Final
© Getty Images

"Weil wir nichts haben, werden wir alles tun" – Das waren die Worte, die der Chilene und damalige CONMEBOL-Präsident Carlos Dittborn verwendete, um in Lissabon 1956 den FIFA-Kongress davon zu überzeugen, Chile als Gastgeber für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ 1962 auszuwählen. Die Entscheidung für Chile sorgte in dem südamerikanischen Land für unbeschreiblichen Jubel. Vier Jahre später jedoch beklagte Chile große Verwüstungen, als das stärkste Erdbeben in der Geschichte des Landes in mehreren Ausrichter-Städten starke Zerstörungen anrichtete, die in den Augen fast aller eine Verlegung der siebten Auflage des Turniers erforderlich gemacht hätten.

Doch mit Hilfe der FIFA machten Dittborn und das chilenische Volk das Unmögliche möglich, das schließlich an diesem Sonntag vor 50 Jahren im Endspiel eines Turniers gipfelte, das allen Schwierigkeiten zum Trotz in bewundernswerter Weise ausgerichtet worden war. Trotz des frühen, verletzungsbedingten Ausfalls des großen Pelé machten es die gastfreundlichen Chilenen, große, wie elektrisierte Zuschauermassen und die Leistungen von Stars wie Florian Albert, Amarildo, Bobby Charlton, Igor Chislenko, Didi, Garrincha, Drazan Jerkovic, Josef Masopust, Leonel Sanchez, Villiam Schrojf und Uwe Seeler zu einem denkwürdigen Ereignis.

*Garrincha sorgt für Furore *
Sehr zur Freude der Chilenen übertrafen dann die eigenen Helden auch noch alle Erwartungen und schlugen Italien auf dem Weg in die K.o.-Runde mit 2:0, wo sie nach einem Sieg gegen eine starke Auswahl der UdSSR das Halbfinale erreichten. Dort boten sie den Brasilianern einen großen Kampf, unterlagen jedoch schließlich mit 2:4. Überragender Spieler dieser Partie war Garrincha, der mit zwei Treffern den Finaleinzug des Titelverteidigers sicherstellte. Gegen Ende dieses Spiels wurde der Flügelstürmer vom Platz gestellt, was eigentlich seine Teilnahme am Finale gegen die Tschechoslowakei verhindert hätte. Doch der öffentliche Aufschrei unter den Chilenen, die darauf brannten, diesen trickreichen Stürmer mit seinen unglaublichen Körpertäuschungen ein letztes Mal zu sehen, führte schließlich dazu, dass die Nummer sieben der Seleção mit einer Sondererlaubnis doch gegen die Osteuropäer auflaufen durfte.

In der Gruppenphase hatten die Europäer den Südamerikanern noch ein torloses Remis abgetrotzt, und dieses Mal gingen Rudolf Vytlacils Männer nach 15 Minuten durch Masopust sogar in Führung. Die Tschechoslowaken waren sich durchaus dessen bewusst, dass sie das Problem Garrincha lösten mussten, weswegen sich immer zwei, drei Spieler in dessen unmittelbarer Nähe auf der rechten Außenbahn befanden. Das schuf natürlich Räume auf der anderen Seite, die Aymore Moreiras Team nutzte, um das Spiel zu drehen. Zunächst drang Amarildo von der linken Seite in den Strafraum der Tschechoslowaken ein, um den Ausgleich zu erzielen, bevor derselbe Spieler den Ball auf Zito flankte, der mit einem Kopfballtor für die Führung der Brasilianer sorgte. Zwölf Minuten vor dem Ende dann nutzte Vava einen Patzer von Torhüter Schrojf zum 3:1-Endstand.

*Mehr als nur einen Gewinner *
Knapp 69.000 Zuschauer konnten im Estadio Nacional verfolgen, wie Brasilien seinen Titel verteidigte, doch bei dem Turnier in Chile gab es viele Sieger. Albert, Garrincha, Jerkovic, Valentin Ivanov, Sanchez und Vava teilten sich allesamt den Goldenen Schuh von adidas; Kolumbiens Marcos Coll schrieb Geschichte mit einer direkt verwandelten Ecke, als sein Team einen Dreitore-Rückstand noch in ein 4:4 gegen die Sowjetunion verwandelte; Jugoslawien siegte mit 3:1 und 5:0 gegen südamerikanische Teams und schaltete dann auch noch Deutschland auf dem Weg ins Halbfinale aus und schließlich erreichte die Auswahl der Tschechoslowakei völlig überraschend das Endspiel.

Der größte Gewinner jedoch, wenn man einmal von Brasilien absieht, war Chile selbst, dessen Nationalmannschaft mit dem dritten Platz ein kleines Wunder vollbrachte, und das chilenische Volk, das es schaffte, nur zwei Jahre nach dem verheerenden Erdbeben eine denkwürdige FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ auszurichten.

Leider konnte der große Inspirator des Turniers nicht mehr die Früchte seiner unermüdlichen Arbeit ernten, denn Dittborn starb nur einen Monat und zwei Tage vor dem Anpfiff der ersten Partie. Wie stolz wäre der in Rio de Janeiro geborene Chilene wohl gewesen, wenn er hätte miterleben dürfen, wie sein Geburtsland den Titel holte und seine Landsleute trotz der katastrophalen Auswirkungen des Erdbebens ein bewundernswertes Turnier auf die Beine stellten.

Mehr zu diesem Thema erfahren

Empfohlene Artikel

Italy win the 1934 FIFA World Cup

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1934™

Italiens erster WM-Triumph

29 Apr 2010

Brazil's Vava celebrates after scoring one of his two goals in the semi-final

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1962™

Sternstunde für Garrincha

18 Feb 2010