FIFA Fussball-Weltmeisterschaft USA 1994™

17 Juni - 17 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1994™

Brasilien siegt in amerikanischem Elfmeterkrimi

© Popper Foto

Eine fantastische FIFA Fussball-WeltmeisterschaftTM, allerdings mit einem enttäuschenden Finale zwischen Brasilien und Italien. Die Südamerikaner hatten nach der torlosen Spielzeit im Elfmeterschießen das Glück auf ihrer Seite und gewannen den Titel. Es gab viele Tore, aufregende Momente, dramatische Wendungen und überraschende Ergebnisse. Bulgarien hatte von seinen 16 bis dato ausgetragenen WM-Endrundenspielen noch nie eines gewonnen, setzte sich jedoch völlig überraschend gegen Deutschland durch und zog ins Halbfinale ein. Diego Maradona, Argentiniens Superstar, wurde positiv auf Drogen getestet und vom Turnier ausgeschlossen. Tragisch waren die Ereignisse um den Kolumbianer Andres Escobar, der wenige Tage nach seiner Rückkehr nach Kolumbien ermordet wurde - nachdem er im Spiel gegen die USA ein Eigentor fabriziert hatte.

Die gastgebenden Amerikaner konnten immerhin bis in die zweite Runde vordringen, wo sie gegen Brasilien ausschieden. Die Brasilianer waren die beste Mannschaft des Turniers und gewannen den Titel völlig verdient, wenn auch das Zustandekommen des Finalsiegs einen faden Nachgeschmack hinterließ.

Brasilien mit neuem Rekord

Obgleich in den USA Sportarten wie Basketball, Baseball und American Football viel beliebter sind, zog die 15. Fußball-Weltmeisterschaft doch große Besuchermengen in die Stadien. Im Finale schließlich gewann Brasilien zum vierten Mal den Titel, wenn auch erst im Elfmeterschießen.

Die Vergabe der 15. Fußball-Weltmeisterschaft an die USA war für viele eine große Überraschung. 'Soccer' kann es in Amerika mit der Beliebtheit von anderen Sportarten bei weitem nicht aufnehmen.

In Marokko, Amerikas größtem Konkurrenten um die Ausrichtung des Turniers, war die Enttäuschung riesengroß. Seit der ersten Fußball-WM 1930 war noch nie ein afrikanisches Land Gastgeber einer Finalrunde gewesen. Mit nur zwei geeigneten Stadien hielt man allerdings auch Marokko für nicht in der Lage, ein Turnier dieser Größenordnung auszurichten. Durch die Auswahl der USA schlug der damalige Präsident der FIFA, João Havelange, ein neues Kapitel für den Weltfußball auf.

147 Länder nahmen an den Qualifikationsspielen für die Endrunde 1994 teil - so viele wie noch nie zuvor. Darunter war auch Südafrika, das zuvor lange Zeit von der Teilnahme ausgeschlossen war. Es blieben jedoch wieder zahlreiche Fußballmächte auf der Strecke: England, Dänemark, immerhin Europameister von 1992, Portugal und Polen konnten sich nicht qualifizieren, und auch Frankreich verpasste das Ticket in die USA, durch ein Tor der Bulgaren in der letzten Minute des letzten Qualifikationsspiels. Wegen des Krieges in Bosnien durfte Jugoslawien nicht teilnehmen. Schließlich nahmen 24 Teams an der Endrunde der 15. Fußball-Weltmeisterschaft teil.

Bei glühend heißen Temperaturen kamen im Laufe der WM mehr Zuschauer in die Stadien, als jemals zuvor, nämlich insgesamt 3.587.538. In der ersten Runde, bei der ein Sieg nun drei Punkte brachte, gab es einige Überraschungen. So konnten die USA und Saudi-Arabien, dessen Stürmer Saed Owairan das wohl schönste Tor des Turniers erzielte, in die Runde der besten 16 vordringen. Russland hingegen schied aus, und das obwohl Oleg Salenko gegen Kamerun sage und schreibe 5 Treffer erzielte, bis heute ein Rekord. Auch die Kameruner Löwen um Roger Milla mussten nach der ersten Runde die Koffer packen. Milla bleibt jedoch der Trost, seinen Rekord als ältester Torschütze des Turniers nochmals erhöht zu haben, denn er war im Alter von 42 Jahren, 1 Monat und 8 Tagen nochmals erfolgreich.

Im Viertelfinale standen schließlich neben Brasilien sieben Mannschaften aus Europa, darunter auch Italien, das nur knapp dem Ausscheiden entgangen war. Die Italiener waren bereits in der ersten Finalrunde knapp an einer Blamage vorbei gekommen. Im Achtelfinale lagen die Azzurri noch 90 Sekunden vor dem Abpfiff mit nur 10 Mann auf dem Platz mit 0:1 gegen Nigeria zurück. Dann allerdings schlugen sie zu: Roberto Baggio gelang es tatsächlich, das Spiel noch zu Gunsten der Italiener zu entscheiden. Der ungeheuer talentierte Spieler sorgte dann auch für den 2:1-Sieg über Spanien im Viertelfinale und den 2:1-Erfolg gegen Bulgarien im Halbfinale. Bulgarien seinerseits hatte die Fußballwelt in Erstaunen versetzt und Titelverteidiger Deutschland nach Hause geschickt.

Das Viertelfinale zwischen Brasilien und den Niederlanden entpuppte sich als das beste Spiel des Turniers. Dunga und seine brasilianischen Mannschaftskameraden entschieden das Spiel schließlich mit 3:2 für sich, nachdem sie zwischenzeitlich 2:0 geführt hatten. Ein Bild aus diesem Spiel ging um die Welt: Bebeto, Mazinho und Romario taten so, als würden sie Bebetos Sohn Mattheus in ihren Armen wiegen, der wenige Tage zuvor geboren worden war.

Im Finale standen sich schließlich Brasilien und Italien gegenüber, die beide die Trophäe schon drei Mal gewonnen hatten. Was sich auf dem Papier als ideale Spielpaarung las, geriet auf dem Feld zu einem unschönen, harten und letztlich auf ganzer Linie enttäuschenden Spiel. Zum ersten Mal in der Geschichte der WM musste ein Finale durch Elfmeterschießen entschieden werden. Roberto Baggio, der Mann, der Italien überhaupt erst bis ins Finale gebracht hatte, musste schließlich zum entscheidenden Elfmeter antreten. Der von Baggio getretene Ball flog jedoch hoch über das Tor in den blauen kalifornischen Himmel, und so waren die Südamerikaner Weltmeister, 24 Jahre nach dem vorangegangenen Titelgewinn. Brasilien war damit auch das erste Land, das vier Mal die WM-Trophäe errang.