FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™

12 Juni - 13 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2014™

Brasilien liebt die Stars aus aller Welt

Fans cheer for Portugal's forward Cristiano Ronaldo (not seen) as he takes part in a team training session in Campinas
© AFP

In Recife ist Halbzeitpause. Wir schreiben den ersten Spieltag der Gruppe C der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2014™. Das Team der Elfenbeinküste kehrt beim Spielstand von 0:1 gegen Japan auf das Spielfeld zurück. Kurz nachdem die Spieler den Platz betreten haben, beginnt ein großer Teil der in der Arena Pernambuco versammelten Zuschauer den Namen von Didier Drogba zu skandieren, der auf der Ersatzbank sitzt.

Eigentlich ist es ja etwas ganz Alltägliches, dass die Fans den Trainer um die Einwechslung eines bestimmten Spielers ersuchen. In dieser speziellen Situation nimmt das Ganze jedoch noch einmal andere Dimensionen an.

Schließlich befinden wir uns in Brasilien, in einem Stadion, in dem mit Ausnahme einer getreuen Schar japanischer Fans fast ausschließlich einheimische Anhänger vertreten sind, bei denen man eigentlich davon ausgehen könnte, dass sie nicht viel über die Wechseloptionen von Trainer Sabri Lamouchi wissen.

Und hier zeigt sich, was es ausmacht, eine Weltmeisterschaft in einem Land auszutragen, das nicht nur fussballbegeistert ist, sondern in dem die Menschen auch noch wirklich etwas von dieser Sportart verstehen. Der durchschnittliche brasilianische Fan auf der Tribüne ist in der Lage, Partei zu ergreifen und das Team der Elfenbeinküste so zu behandeln, als sei es sein Lieblingsklub, der da auf dem Platz steht. Der afrikanische Star konnte sich jedenfalls wie zu Hause fühlen.

"Das war einfach unglaublich. Wirklich fantastisch", berichtet Drogba nach dem Auftaktspiel der Elfenbeinküste. Er wurde tatsächlich zu Beginn der zweiten Halbzeit eingewechselt, kurz bevor sein Team zwei Treffer erzielen und der Partie gegen Japan noch die Wende geben würde.

Bei jeder Ballberührung Drogbas schwappte eine Welle der Begeisterung durch das Stadion. "Es ist schwer zu glauben, dass ich in einem anderen Land als meiner Heimat so viel Herzlichkeit erfahre. Ich fühle mich wirklich, als würden wir in der Elfenbeinküste spielen."

Ähnlich wie Drogba erging es im Laufe der Gruppenphase der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ noch einigen anderen internationalen Stars. Karim Benzema zeigte sich davon beeindruckt, wie die Zuschauer in Porto Alegre bei seinem unglaublichen Auftritt gegen Honduras seinen Namen skandierten. In der Arena de São Paulo war Luis Suárez beim Treten eines Eckballs von der englischen Fangemeinde ausgebuht worden. Als er dasselbe auf der anderen Seite tat, feuerten die brasilianischen Fans ihn an.

Wenn man ein Star ist und guten Fussball spielt, wird man in allen Teilen der Welt erkannt und anerkannt. Bei der WM in Brasilien bauen die Fans jedoch noch eine viel intensivere Beziehung zu den Stars auf.

Europa im Fokus"Tatsache ist, dass wirtschaftliche und gesetzgeberische Änderungen in den letzten 20 Jahren dazu geführt haben, dass ein Großteil der herausragenden brasilianischen Spieler in den europäischen Fussball abgewandert ist", erklärte Luiz Felipe Scolari einmal in einem Interview mit FIFA.com. "Dadurch ist das Interesse der brasilianischen Fans an den europäischen Wettbewerben noch einmal gestiegen. Die Leute suchen sich sogar ein Team aus, das sie anfeuern können."

Das Ganze lässt sich folgendermaßen erklären. Die brasilianischen Fans sind ohnehin fussballverrückt. Dadurch, dass sie die Ereignisse im Ausland so aufmerksam verfolgen, haben sie eine echte Fanbeziehung zu den großen Namen des Weltfussballs aufgebaut, die im europäischen Fussball aktiv sind. Und dann stehen diese Spieler bei der WM plötzlich leibhaftig vor ihnen, diese heiß begehrten Objekte, die sie das ganze Jahr über im Fernsehen bewundert haben.

Und in diesem Augenblick geht es nicht mehr darum, ob sie vielleicht für den Gegner spielen oder wessen Anhänger man ist. Selbst Argentinien, der Erzrivale Brasiliens, gegen den eines der härtesten Derbys der Welt ausgetragen wird, wurde bei seiner Ankunft in Minas Gerais von begeisterten Brasilianern empfangen, die sogar in argentinischen Trikots erschienen. Wie das sein kann?

"Ja, das ist eine tolle Sache und der Grund ist ein ganz einfacher: Damit demonstrieren die Brasilianer ihre Begeisterung für Lio [Messi]", meint der Argentinier Lucas Biglia. "Die Bewunderung, die die Menschen für seinen Fussball empfinden, ist größer als jede Rivalität."

An einer Sache gibt es bei dieser Weltmeisterschaft keinen Zweifel: Wer gut spielt, wird von den brasilianischen Fans auch gut behandelt, und zwar unabhängig davon, woher er kommt. Im ganzen Land strömen die Fans in Scharen zu den öffentlichen Trainingseinheiten, in Campinas gab es Transparente mit Cristiano Ronaldos Namen und es brach eine wahre Massenhysterie aus.

Die Deutschen wurden in Baia begeistert empfangen und zeigten sich ebenso begeistert vom Publikum, die Engländer fühlten sich so wohl, dass sie sich in der Kunst des Capoeira versuchten. Dabei geht es nicht nur um reine Neugier auf die Spieler aus dem Ausland. Die Stars des Weltfussballs haben hier echte Fangemeinden, die bedingungslos hinter ihnen stehen.

"Wenn jemand Zweifel daran hatte, dass die großen Stars hier auf dem Platz und abseits davon sehr gut aufgenommen werden, dann kennt er die brasilianischen Fans nicht", erklärt David Luiz im Gespräch mit FIFA.com. "Das Land ist von Natur aus sehr gastfreundlich und absolut fussballverrückt. Wie sollte es da möglich sein, dass die Stars nicht gut aufgenommen werden?"

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