FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™

14 Juni - 15 Juli

FIFA WM 2018™

Brasilien hofft nach der Niederlage auf Kontinuität

Brazil v Belgium: Neymar Jr of Brazil looks dejected following 
© Getty Images

Von Giancarlo Giampietro, Teamreporter Brasilien


Beginnen wir mit den Zahlen. In den 26 Spielen unter Tite hat die "Seleção" eine Bilanz von 20 Siegen, vier Unentschieden und gerade einmal zwei Niederlagen vorzuweisen. Das Team hat 55 Tore erzielt und nur acht Gegentreffer kassiert – bis Freitag nie mehr als einen pro Spiel. Vor dem Viertelfinale hatte man eine Serie von 15 Spielen ohne Niederlage hingelegt.

Die zweite dieser Niederlagen und zwei der Gegentore gab es nun ausgerechnet in der K.-o.-Runde der Weltmeisterschaft in der Partie gegen Belgien in Kasan. Hier endete der Traum vom sechsten Weltmeistertitel in Russland.

Nun gibt es sicher strenge Beobachter, die sagen werden, was wirklich zählt, sind nicht die Zahlen, sondern die Ergebnisse. Und wenn man das betrachtet, dann ist Brasilien nun bei den letzten vier Weltmeisterschaften zum dritten Mal im Viertelfinale gescheitert.

Ein bitterer Rückschlag wie dieser führt in der Regel zu einem Umbruch. Bei der brasilianischen Nationalmannschaft ist es mittlerweile schon zur Gewohnheit geworden, den Trainer zu wechseln. Nicht immer werden eine positive Entwicklung und gute Arbeit im Licht solcher Ergebnisse gewürdigt.

"Es ist schwer, das jetzt zu sagen, denn alle Gemüter sind natürlich noch erhitzt, aber der Trainerstab hat sich wirklich verdient gemacht", erklärt der Mittelfeldspieler Renato Augusto im Gespräch mit FIFA.com. Er erzielte den Treffer, durch den die "Seleção" gegen die Belgier noch einmal Mut schöpfte. "Ich finde, wir hätten heute mindestens ein Unentschieden verdient gehabt. Wir haben alles versucht. Tite hat alle Alternativen ausprobiert, aber leider wollte das [zweite] Tor einfach nicht fallen."

Ob Sieg oder Niederlage – das letzte Mal, dass ein Trainer die Brasilianer bei zwei Weltmeisterschaften in Folge trainierte, liegt bereits über 40 Jahre zurück. Mario Zagallo betreute die Auswahl seines Landes von 1970 bis 1974 durchgehend.

Laut Innenverteidiger und Mannschaftskapitän Miranda ist es an der Zeit, gute Arbeit anzuerkennen und Kontinuität walten zu lassen. "Tite hat großartige Arbeit geleistet und muss Trainer bleiben. Er ist ein vorbildlicher Profi", meint er am Mikrofon von FIFA.com.

Der Verteidiger versucht, seine Emotionen unter Kontrolle zu bringen, und verweist auch auf den Gegner: "Wir haben gegen einen hervorragenden Gegner gespielt. Glückwunsch an die Belgier. Sie haben bis zu Ende gekämpft und sich durchgesetzt."

Brazil v Belgium: Tite, Head coach of Brazil gives his team instructions as Marcelo 
© Getty Images

In der Pressekonferenz nach dem Spiel fand Tite die Kraft, das enorm hohe Niveau von Belgiern und Brasilianern in Kasan hervorzuheben. "Obwohl dies sehr schmerzlich für mich ist, bin ich doch in der Lage, eine Analyse vorzunehmen. Die Liebhaber des schönen Fussballs haben hier eine gute Partie gesehen und viel Freude daran gehabt", erklärte er.

Der Trainer hatte die "Seleção" am 20. Juni 2016 übernommen. Er ist erst seit gut zwei Jahren im Amt. In kürzester Zeit ist es ihm gelungen, dem Team neues Leben einzuhauchen.

Doch sein Einfluss hat sich nicht nur auf den Rasen, sondern auch auf die Infrastruktur erstreckt. Der Trainerstab wurde vergrößert und hat sein Potenzial im Bereich Recherche und Analyse erweitert. Auch die Kommunikation mit Sportlern, Vereinen und Trainern im Ausland wurde erheblich verbessert.

"Die Fans wissen das auch zu schätzen. Manchmal gewinnt der Schmerz Oberhand, aber eines ist sicher: Sie sind durchaus in der Lage, das Geschehen zu analysieren und nicht nur das Ergebnis zu sehen", so der Trainer.

Nach seinen Zukunftsplänen befragt, gibt sich Tite jedoch zurückhaltend. "Ich bin stolz auf meine Arbeit und habe gleichzeitig das Gefühl der Niederlage. Aber es geht darum, die Dinge zu analysieren. Im Augenblick bin ich nicht in der Lage, Aussagen im Hinblick auf die Zukunft zu machen", so der Trainer. Allerdings hatte er zuvor darauf hingewiesen, dass ein Trainer, der mehr Zeit hat, theoretisch mit seiner Arbeit auch mehr bewirken kann.

Nun beginnt für die "Seleção" eine Zeit des Wartens. Dabei besteht durchaus eine gute Chance auf eine weitere Siegesserie, und vielleicht hält sie dieses Mal sogar noch länger. Noch liegt Katar 2022 in weiter Ferne.

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