FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™

12 Juni - 13 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2014™

Bishaw glaubt an die Sensation

© AFP

Eine der großen Erfolgsstories des afrikanischen Fussballs der letzten Jahre ist die enorme Entwicklung, die die äthiopische Nationalmannschaft durchgemacht hat. Anfang des Jahres qualifizierten sich die Äthiopier zum ersten Mal in drei Jahrzehnten für den CAF Afrikanischen Nationen-Pokal und jetzt sind sie nur noch einen Sieg von einer ersten Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ entfernt.

Der Mann, der für diesen Wandel verantwortlich ist, sitzt auch in Nigeria auf der Trainerbank, wo sein Team versuchen wird, eine 1:2-Niederlage aus dem Hinspiel noch ins Gegenteil zu verkehren. Bei dem Erfolgstrainer handelt es sich um den ehemaligen Biologielehrer und Fussballstudenten Sewnet Bishaw.

Trotz der Heimniederlage gegen die Super Eagles vor einem Monat ist der Trainer zuversichtlich, dass die Ostafrikaner dem Ganzen in Nigeria die Wende geben und sich für Brasilien 2014 qualifizieren können. "Auf jeden Fall. Es geht bei diesem Spiel darum, zu gewinnen. Wir haben die Nigerianer gesehen und die Tore haben wir ihnen durch eigene Fehler geschenkt. Wir werden versuchen, diese Fehler zu korrigieren und ihnen in ihrem Land gegenüberzutreten. Wir hoffen, uns dort zu qualifizieren."

Das äthiopische GeheimnisÄthiopien ist gegen den fünfmaligen WM-Endrundenteilnehmer zweifellos der Außenseiter, andererseits hat das Team auf seinem bisherigen Weg in der Qualifikation Zweifler immer wieder in die Schranken verwiesen. Die Äthiopier wurden in eine knifflige Gruppe gelost, in der auch Südafrika vertreten war. Nachdem man die Bafana Bafana im vorletzten Spiel geschlagen hatte, dachte man, damit die letzte Qualifikationsrunde erreicht zu haben. Aber dann wurden dem Team die drei Punkte aus dem Sieg gegen Botsuana aberkannt, und das Rennen begann von vorn.

Laut Bishaw hat das Team trotzdem immer an sich geglaubt. "Ganz zu Anfang haben wir uns ein Ziel gesetzt, und das war die Qualifikation für den Afrikanischen Nationen-Pokal und die Weltmeisterschaft. Um dieses Ziel zu erreichen, mussten wir sehr hart arbeiten, und das war unser Plan. Wir trainieren Tag und Nacht, um unser Ziel zu erreichen. Wir haben noch 90 Minuten, und wir werden kämpfen bis zum Ende. Ich bin zuversichtlich, dass wir uns qualifizieren werden."

Bishaw war auch bei der Endrunde des Afrikanischen Nationen-Pokals Anfang des Jahres für das Team verantwortlich, wo man zwar ein beachtliches Remis gegen den amtierenden Meister Sambia erreichte, jedoch bereits an der ersten Hürde scheiterte. Seiner Aussage zufolge liegen die Gründe für die Positiventwicklung Äthiopiens auf der Hand. "Das einzige Geheimnis ist harte Arbeit und alle Spieler dazu zu bringen, gleich zu denken - zum Wohle und für die Stärke des Teams und für die mannschaftliche Geschlossenheit. Das ist das einzige Geheimnis, das wir hier in Äthiopien haben."

Um sicherzustellen, dass der Fussball im Land auf eine helle Zukunft zusteuert, muss laut Bishaw mit jungen Spielern gearbeitet werden. "Wir müssen auf der Jugendebene arbeiten und die talentiertesten Spieler fördern. Im Augenblick arbeiten wir hart mit den aktuellen Spielern, und in zwei oder drei Jahren sollten uns viele, viele junge Talente zur Verfügung stehen. Wenn wir dann mit denen arbeiten, bin ich sicher, dass die Nationalmannschaft auch weiterhin stark sein wird."

Lehrer von ganzem HerzenWissen und Weisheit weiterzugeben ist schon lange Bishaws Leidenschaft. Nach seinem Universitätsabschluss wurde er nämlich Biologielehrer. Das damals Erlernte ist noch heute nützlich. "Lehrer und Trainer, das ist ein und dasselbe, und das hat mir sehr geholfen. Als ich aufhörte zu unterrichten, habe ich viele Kurse belegt - auf lokaler Ebene, auf CAF-Ebene und auf FIFA-Ebene. Ich habe mich zu Kursen im Ausland aufgehalten. Jetzt ist mein Beruf nicht mehr das Unterrichten an einer Schule, sondern mein Leben ist das Unterrichten von Fussball."

Aufgrund von Bishaws Interesse an der Förderung junger Spieler wurde er zunächst Trainer der U-17- und U-19-Nationalmannschaften seines Landes, bevor er die A-Nationalmannschaft übernahm, mit der er 2005 den regionalen CECAFA-Cup gewann. Anschließend wurde er zunächst wieder Vereinstrainer, bevor er letztes Jahr wieder zum Nationalteam berufen wurde.

Im Gegensatz zu vielen anderen Trainern bedauert der 69-Jährige keinesfalls, dass abgesehen von zwei Akteuren all seine Spieler in Äthiopien unter Vertrag stehen. Ganz im Gegenteil. "Das ist ein Riesenvorteil für uns, denn es erleichtert die Teamorganisation. Wann immer du mit der Nationalmannschaft arbeiten willst, bekommst du die Spieler zusammen und kannst mit ihnen arbeiten. Das ist das Wichtigste, um sie zusammenzuschweißen und stark zu machen, und es ist hilfreich, sie alle hier zu haben."

"Wenn die Hälfte von ihnen im Ausland spielen würde, wäre es schwieriger, denn dann hätten sie eine ganz eigene Spielweise und diejenigen, die im Land aktiv sind, hätten eine andere. Aus diesen beiden Teams eins zu machen, das braucht Zeit. Unser Vorteil ist, dass alle in Addis spielen und es kein Problem gibt, sie zu den Trainingseinheiten zusammenzubringen. Sie kennen sich untereinander, sie denken als Einheit. Das hat unser Team sehr gestärkt."

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