FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™

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14 Juni - 15 Juli

FIFA Fussball-WM 2018™

Belizes ungewohnter Held

Deon McCaulay (R) of Belize celebrates with teammate Ian Gaynar
© AFP

Belize brauchte gegen die Cayman-Inseln einen neuen Helden, denn Deon McCaulay, pfeilschneller Stürmer und bekanntester Fussballer des Landes, war dieses Mal nicht mit von der Partie. So musste ein ungewöhnlicher Spieler die Heldenrolle übernehmen.

Der eher unauffällige Elroy Kuylen, ein stämmiger Routinier, rückte nur ungern ins Rampenlicht. "Wenn Du Geschichte schreiben willst, muss jemand vorangehen", erklärt der 31-jährige Mittelfeldspieler gegenüber FIFA.com in Bezug auf Belizes holprigen Start in die Qualifikation zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™.

Belize ist im Gegensatz zu mittelamerikanischen Ländern wie Costa Rica, Honduras und auch Panama zwar nur Außenseiter, aber die Underdogs sind auf einem guten Weg. Sie arbeiten ständig an ihrer Spielweise und klettern auf Vereins- und Nationalmannschaftsebene in der CONCACAF-Rangliste unaufhaltsam nach oben. McCaulay, der Star der Mannschaft, wurde für die Spiele gegen die Cayman-Inseln nicht berücksichtigt. Er blieb stattdessen in Atlanta, Georgia, wo er für die Silverbacks in der zweiten nordamerikanischen Profilliga North American Soccer League spielt.

Ohne Deon keine Tore
"Wir haben Deon schmerzlich vermisst", sagt Kuylen, der zuletzt zwei Jahre in Honduras spielte, bevor er zum lokalen Spitzenverein Belmopan Bandits nach Belize zurückkehrte. "Wenn wir ihn fünf Mal vorne frei spielen, trifft er mindestens zwei Mal." Diese Aussage stimmt voll und ganz: In der Qualifikation zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ wurde McCaulay mit elf Treffern noch vor Luis Suárez, Cristiano Ronaldo und Lionel Messi Torschützenkönig. "Seine Kaltschnäuzigkeit kann man nicht lernen", meint Kuylen voller Respekt vor dem ewigen Rekordtorschützen seines Landes.

McCaulay genießt großen Respekt, doch selbst er konnte meilenweit entfernt in den USA leider nichts für die Mannschaft tun, ohne ihn wollte einfach kein Tor fallen. Die Cayman-Inseln überstanden das Hinspiel ohne Gegentreffer und sicherten sich in Belmopan ein 0:0 Unentschieden. McCaulays Vertreter im Sturm, Jarett Davis und Daniel Jiménez, waren dabei oft zu überhastet, sie erarbeiteten sich zwar Chancen, strahlten jedoch nie wirklich Torgefahr aus.

"Die Cayman-Inseln haben die ganze Zeit nur hinten drin gestanden", erklärt Kuylen ruhig und mit sanfter Stimme, "wir haben zwar viele Chancen herausgespielt, konnten ohne Deon aber nicht zum Abschluss kommen." Kuylen wusste, dass seine Mannschaft im Rückspiel in George Town ein Tor benötigen würde: "Das hätte uns wahrscheinlich gereicht", sagt er.

Kuylen ist ein Mittelfeldspieler ohne große spielerische Glanzmomente. Belizes brasilianischer Nationaltrainer, Jorge Nuney, beschreibt ihn so: "Er arbeitet unheimlich viel, er wird immer alles geben, bis nichts mehr geht." Und außerdem ist er der Freistoßspezialist des Teams, nach dem Training übt er oft noch, Freistöße in die Ecken zu zirkeln. Nachdem Belize im Rückspiel nach fünf Minuten mit 1:0 in Rückstand geraten war, begann der Mittelfeldspieler, sich Freistoßideen im Kopf zurechtzulegen.

Kuylen, der aus dem Zuckerrohr-Anbaugebiet Orange Walk Town im Zentrum der Insel kommt, bestätigt: "Ich übe ständig Standardsituationen, das können sie mir glauben. Ich führe alle Freistöße für meinen Verein und die Nationalmannschaft aus, meine Trainer sorgen sogar dafür, dass nach dem Training noch genügend Zeit ist, um mindestens 30 bis 40 Freistöße zu schießen, damit ich immer bereit bin, wenn es darauf ankommt."

Und als es nun darauf ankam, lastete ein gewaltiger Druck auf ihm: Belize drohte bereits in der ersten Runde auszuscheiden und war außerdem schon 110 Minuten ohne Torerfolg. Kuylen legte sich den Ball gut 20 Meter vor dem Tor in halbrechter Position vor dem 16-Meter-Raum zurecht, atmete noch einmal tief durch und erinnerte sich an Situationen nach dem Training, in denen er ganz alleine in der Abenddämmerung noch Freistöße übte und die Bälle einer nach dem anderen ins Tor gingen. Er versuchte dabei, den Lärm der johlenden Menge der Cayman-Fans kommplett auszublenden.

Über seinen Schlenzer, der über die Mauer hinweg unten ins Tor ging, sagt er: "Erst als der Ball im Tor war, konnte ich wieder atmen." Es war erst sein zweites Tor für die Nationalmannschaft und bescherte Belize durch die Auswärtstorregel den Einzug in die nächste Runde. "Ich fühlte eine riesengroße Erleichterung", so Kuyle.

Belizes Zeit bricht an
Dieser Außenposten Mittelamerikas, einstmals als British Honduras bekannt, hat seit Mitte der 90er Jahre nach und nach seine Spielkultur verbessert. Damals begann das Land, an internationalen Wettbewerben teilzunehmen. Belize ist zwar ein kleiner Gegner, den man aber nicht unterschätzen sollte. Die Teilnahme am CONCACAF Gold Cup 2013 ist ein deutlicher Beleg für die gute Entwicklung.

"Es motiviert uns gerade, dass wir Geschichte schreiben", sagt Kuylen, der Teil der "goldenen Generation" belizischer Fussballer ist, zu der auch Torwart Shane Orio und der nach Belieben treffende McCaulay gehören. "Wenn du einmal in den Geschichtsbüchern verewigt bist, kann es dir keiner mehr nehmen, und genau das wollen wir erreichen. Außerdem möchten wir den nachfolgenden Spielergenerationen Belizes den Weg aufzeigen: Belizes Zeit ist gekommen", ergänzt er mit einem Anflug von Trübsinn, als er daran zurückdenkt, dass das Land früher ein nicht ernst zu nehmender Gegner und Punktelieferant war.

Belize muss in der nächsten Runde gegen die Dominikanische Republik antreten, ein echter Härtetest gegen eine weitere kleinere Mannschaft der CONCACAF, die sich im Aufwind befindet. Zur großen Erleichterung aller wird McCaulay bei diesen Spielen wieder dabei sein. "Wir arbeiten an unserem System gegen die Dominikaner", sagt Kuyle schüchtern.

Dieses System wird sicherlich beinhalten, den eiskalten McCaulay vorne mit Bällen zu versorgen, aber für alle Fälle wird der stille Held Elroy Kuylen in der Abenddämmerung von Belmopan weiter seine Freistöße üben.

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