FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

9 Juni - 9 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™

Behrami träumt von Viertelfinale und Stammplatz

Valon Behrami, Schweizer Mittelfeldspieler mit kosovarischen Wurzeln, ist einer der sechs von Nationaltrainer Köbi Kuhn für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ nominierten U-21-Spieler.

Behrami will bei der Weltmeisterschaft nicht nur gute Leistungen zeigen; sein Ziel ist es, mit seinem Team so weit wie möglich zu kommen und auch die Gillette-Auszeichnung Bester Junger Spieler zu gewinnen.

Allerdings mangelt es sicher nicht an Konkurrenz: sowohl in anderen Teams, beispielsweise durch Cristiano Ronaldo, Wayne Rooney und Lukas Podolski – und 31 weitere Spieler aus allen Teilen der Welt – als auch in der Schweizer Mannschaft selbst, so durch Tranquillo Barnetta, Philippe Senderos, Johan Djourou, Blerim Dzemaili und Johan Vonlanthen.

Behrami jedenfalls will nach einer starken Saison bei Lazio Rom einen wichtigen Schritt nach vorne machen und sich einen Stammplatz in der Nationalelf erkämpfen. Das wird allerdings nicht leicht werden, wie er im Exklusiv-Interview mit FIFAworldcup.com erzählt.

Valon, mit Ihrem Verein haben Sie die Saison eben erst beendet und schon geht es mit der WM weiter...

Nun ja, ich habe mich mit Lazio bereits vor einigen Wochen frühzeitig für den UEFA-Pokal qualifiziert, aber ich habe mich nicht auf diesen Lorbeeren ausgeruht. Ich habe hart und mit vollem Einsatz weiter trainiert. Ich kann mich nicht dem Risiko aussetzen, nicht in perfekter körperlicher Verfassung zur WM zu fahren.

Sie haben erst an den letzten Spielen der WM-Qualifikation teilgenommen. Welche Erinnerungen haben Sie an die erfolgreiche Qualifikation der Schweiz?

Zu Beginn war ich noch sehr jung, und vor allem musste ich mich noch entscheiden, für welches Land ich spielen wollte - für die Schweiz oder für Albanien. Nachdem ich mich entschieden hatte, bin ich für das Spiel gegen Irland nominiert worden, wurde jedoch nicht eingesetzt. Also bestritt ich mein erstes Länderspiel gegen Frankreich. Beim Heimspiel in den Playoffs gegen die Türkei habe ich ein Tor erzielt, beim Rückspiel wurde ich erst in der zweiten Halbzeit eingewechselt.

Die Schweiz verfügt über eine sehr junge Truppe...

Wir haben schon auch einige erfahrene Spieler, aber unser Problem könnte werden, dass in Situationen, in denen man unter Druck steht, Erfahrung wertvoller sein kann als Technik oder die körperliche Verfassung. Genau das ist auch in der Türkei passiert. Nach dem 0:1 hätte das Spiel eigentlich entschieden sein können, aber wir haben unseren Gegner wieder zurück ins Spiel kommen lassen.

In welcher Hinsicht unterscheidet sich die Schweiz von anderen Mannschaften?

Unsere Stärken liegen in der Begeisterung, der spielerischen Leichtigkeit und in unserer Individualität. Hinten stehen wir sehr gut, im Mittelfeld hingegen sind wir körperlich nicht so stark, dafür mit Tranquillo Barnetta, Johann Vogel und Raphael Wicky technisch sehr versiert. Unsere Angreifer verfügen über sehr viel Spielintelligenz.

Jugend ist oft ein Synonym für eine lebhafte und unterhaltsame Mannschaft...

Um ehrlich zu sein, war es etwas schwierig, diese Truppe zusammenzustellen: das liegt vor allem an den drei verschiedenen Sprachen, was eben typisch schweizerisch ist. Unser Trainer Kuhn spricht Deutsch und Französisch. Er ist ein sehr ruhiger Trainer, der Gelassenheit ausstrahlt. Er hat das Glück, mit folgsamen und ruhigen jungen Spielern arbeiten zu können, er muss sich nicht mit Stars herumquälen, die bloß die Stimmung in der Mannschaft trüben könnten.

Kommen wir einmal auf die Gillette-Auszeichnung Bester Junger Spieler zu sprechen. Welcher Ihrer Mannschaftskollegen könnte sie gewinnen? Wie groß sind Ihre realistischen Chancen?

Mit Sicherheit Philippe Senderos, ein körperlich starker, aufmerksamer und immer konzentriert spielender Verteidiger. Er macht enorme Fortschritte. Mein persönlicher Favorit ist jedoch Barnetta, meiner Meinung nach einer der wichtigsten Spieler unserer Mannschaft. Er ist technisch versiert, schnell und antrittsstark. Bei mir hingegen ist es nicht sicher, ob ich überhaupt von Anfang an spiele, wer weiß...Wenn das Umfeld stimmt, bin ich davon überzeugt, dass ich gute Leistungen bringen kann. Deshalb wäre ein Stammplatz enorm wichtig für mich!

Gruppe G scheint eine lösbare Aufgabe zu sein, stimmen Sie dem zu?

Wenn wir den Einzug in die nächste Runde nicht schaffen, wäre das ein Scheitern. Frankreich ist sicher stärker als wir, aber gegen die anderen beiden Teams sind wir der Favorit, vor allem mit der Mannschaft, die wir derzeit haben. Es wäre ein Traum für uns, das Viertelfinale zu erreichen.

Wer sind Ihre Favoriten auf den Weltmeistertitel 2006?

Es wird vor allem auf die körperliche Verfassung in den entscheidenden Momenten ankommen. Ganz vorne sehe ich Brasilien, dicht gefolgt von Argentinien. Deutschland hat den Vorteil, zu Hause zu spielen, aber abgesehen davon halte ich die Deutschen nicht für unbesiegbar.

In dieser Saison haben Sie mit Angelo Peruzzi zusammen gespielt, einem der italienischen Nationaltorhüter. Er ist zwar 15 Jahre älter als Sie, spielte aber ebenfalls noch bei keiner WM...

Angelo ist sehr gut in Form, was er auch in der abgelaufenen Saison bewiesen hat. Es ist seine erste Weltmeisterschaft, auch wenn er zunächst nur auf der Bank sitzt. Doch ich glaube, selbst die einfache Teilnahme an diesem Turnier ist die Krönung einer fantastischen Karriere.

Welche Erinnerungen haben Sie an die vergangenen Weltmeisterschaften?

Im Juni 1998 wurde ich am Blinddarm operiert und konnte die Spiele nur im Krankenhaus verfolgen. Damals habe ich den Kroaten die Daumen gedrückt. Doch leider sind sie im Halbfinale ausgeschieden: Lilian Thuram, der noch nie zuvor ein Tor in der französischen Nationalmannschaft erzielt hatte, traf in diesem Spiel gleich doppelt. Das war eine Enttäuschung! Die WM 2002 war etwas eigenwillig, vor allem durch die ungewöhnlichen Zeiten, zu denen die Spiele stattfanden. Dennoch habe ich das Turnier verfolgt. Ich liebe es einfach, mir Fussball im Fernsehen anzusehen.

Welche anderen Hobbys haben Sie? Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?

Die Freizeit verläuft für die Schweizer Spieler mit Sicherheit ruhiger als für andere Mannschaften. Ich verbringe sehr viel Zeit am Telefon und vor dem Computer. Ich bin verrückt nach Videospielen und spiele oft stundenlang Fussballsimulationen.

Wie gut spielt der virtuelle Behrami?

Schlecht, genau wie in der Realität! Ich setze mein virtuelles Abbild nur äußerst selten einmal ein. Es ist jedoch stark...

Hoffen wir, dass wir es auch bei der WM in Aktion sehen...

Hoffen wir es!