FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Katar 2022™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Katar 2022™

21 November - 18 Dezember

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2022™

WM-Rekorde und ihre Hintergründe: Bora Milutinovic

Serbia's Bora Milutinovic is pictured during the FIFA Confederations Cup in 2009
© Getty Images
  • "Es gibt nichts Schöneres als die Weltmeisterschaft", sagte Bora Milutinovic
  • Ein Weltenbummler auf der Trainerbank
  • Fünf Nationen von drei verschiedenen Kontinenten führte er zu WM-Endrunden

Spricht man eine Stunde oder auch nur eine Minute mit Bora Milutinovic, erkennt man sofort seine Leidenschaft für die Menschen und für das Spiel, das sie rund um die Welt am meisten schätzen. "Fussball wird nicht ohne Grund als das Spiel der ganzen Welt bezeichnet. Deswegen bedeutet mir mein WM-Rekord auch so viel", so die FIFA-Legende, die heute, 7. September 2020, ihren 76. Geburtstag feiert, einst im Gespräch mit FIFA.com. Fünf Nationen von drei verschiedenen Kontinenten führte er zu WM-Endrunden. Dieser Rekord dürfte wohl kaum so schnell gebrochen werden. "Das ist mein Leben und mein großes Verdienst als Mensch."

Bora Milutinovic.
© imago images

Zur Person

Velibor Milutinovic entdeckte seine Liebe zum Fussball schon in seiner Kindheit, damals im ehemaligen Jugoslawien. In der Stadt Bajina Basta, im Westen des heutigen Serbien, wuchs er als Waise auf und schlug sich irgendwie allein durch die Wirren des Zweiten Weltkriegs. Auf dem Fussballplatz entwickelte er sich Anfang der 1960er Jahre in sechs Jahren bei Partizan Belgrad zu einem eleganten zentralen Mittelfeldspieler, der das Spiel ebenso gut lesen wie lenken konnte. Doch schon bald wurde Bora vom Fernweh gepackt. Allein in den letzten zehn Jahren, bevor seine Fussballstiefel 1976 an den Nagel hängte, spielte er für sieben verschiedene Klubs. Dabei hatte es ihn von Jugoslawien über die Schweiz und Frankreich schließlich bis nach Mexiko verschlagen. Das Fernweh hat ihn übrigens bis heute nicht wieder losgelassen.

Bora Milutinovic at USA 1994.
© imago images

Der Rekord

Seinen Ruf als großartiger Taktikfuchs, dessen Konzepte überall aufgehen, erwarb er sich zunächst in Mexiko, wo er in den späten 70er und frühen 80er Jahren fünf Jahre lang das Team von UNAM Pumas trainierte. Es folgte seine erste WM-Teilnahme. Als Trainer der mexikanischen Auswahl musste sich Milutinovic mit den unrealistisch hohen Erwartungen herumschlagen, die 1986 bei der zweiten Ausrichtung der WM in Mexiko rund um das Team des Gastgebers herrschten. In seinem Team stand mit Hugo Sanchez ein echter Superstar und auf den Tribünen im berühmten Aztekenstadion hofften die Fans darauf, dass dieser überaus sprachbegabte Fussballromantiker ihnen die ganze Welt zu Füßen legen würde - obgleich El Tri bis dahin noch keine großen Erfolge über die Grenzen der CONCACAF-Zone hinaus gefeiert hatte. Die Welt legte er ihnen nicht zu Füßen, doch das von ihm zusammengestellte Team schaffte es immerhin bis ins Viertelfinale, in dem Mexiko gegen den späteren Vizeweltmeister BR Deutschland erst im Elfmeterschießen unterlag. So weit war Mexiko nie zuvor bei einer WM gekommen.

Bei der WM-Endrunde 1990 in Italien bestand Milutinovics Auftrag eigentlich nur darin, dem krassen CONCACAF-Außenseiter Costa Rica im grellen Licht der globalen Fussballbühne allzu blamable Ergebnisse zu ersparen. Obgleich er nur 90 Tage hatte, um das Team auf das Turnier vorzubereiten, gelang es ihm, seine Schützlinge zu einer echten Einheit zusammenzuschweißen. Nach Sensationssiegen gegen Schottland und Schweden zogen die Ticos in die K.o.-Runde ein und übertrafen damit selbst die kühnsten Erwartungen in der Heimat.

Diese Leistung blieb natürlich den USA nicht verborgen und so wurde Milutinovic danach die Leitung der Stars and Stripes angetragen, die nach 40 langen Jahren 1990 endlich wieder einmal bei einer WM-Endrunde dabei gewesen waren. In den U.S.-Medien wurde Milutinovic gern als Wundertrainer bezeichnet. Trotzdem erwartete kaum jemand viel mehr als eine große, glitzernde Fussballparty von den USA, die erstmals eine WM-Endrunde ausrichteten. Doch Milutinovic schaffte es erneut, ein konkurrenzfähiges Team auf die Beine zu stellen. Dass die Stars and Stripes es nach einem unvergesslichen Sieg gegen Kolumbien (dem ersten WM-Sieg der USA seit 50 Jahren) in die zweite Runde schafften, galt als geradezu unglaubliche Leistung.

Die Legende des Bora Milutinovic wurde damit um ein weiteres Kapitel erweitert. Er zögerte nicht, alte Zöpfe abzuschneiden. Er regierte mit eiserner Faust. Er war der Mann, der das scheinbar Unmögliche möglich machen konnte. Er brachte seine Teams nicht nur zur WM, sondern dort sogar in die K.o.-Runde. Nicht wenige Länder wären bereit gewesen, ihn dafür mit Gold aufzuwiegen. Tatsächlich gelang es ihm 1998 erneut, als er das mit Stars gespickte Team Nigerias unter anderem mit einem Sieg gegen Spanien auf Platz eins der Gruppe führte. Endstation war das Achtelfinale, in dem Nigeria an Dänemark scheiterte.

2002 nahm der Serbe mit Turnierdebütant China VR letztmals an einer WM-Endrunde teil. Dieses Mal reichte es zwar nicht zum Sprung in die zweite Runde, aber Milutinovic gilt in chinesischen Fussballkreisen dennoch als Held, weil es ihm als bisher einzigem Trainer gelang, das bevölkerungsreichste Land der Welt überhaupt zu einer WM-Endrunde zu führen. In der Provinz Liaoning wurde sogar eine Statue zu Ehren des Serben aufgestellt.

Bora Milutinovic at France 1998.
© Getty Images

Seine Erinnerungen

"Für mich verbindet sich das alles zu einer großen Ehre, einem großartigen, unvergesslichen Erlebnis. Meine Erinnerungen sind sehr intensiv und bedeutsam, von Mexiko bis nach China. Natürlich gab es große Unterschiede zwischen den Posten in den verschiedenen Ländern. Die Probleme, vor denen die Spieler Costa Ricas 1990 standen, waren andere als diejenigen der Spieler Chinas 2002 oder der Nigerianer während meiner Zeit dort. Doch die Schönheit des Fussballs besteht darin, dass er – und das ist bedeutsam – überall auf der Welt gleich ist. Für mich ist der Fussball in meinem Herzen stets gleich, egal wo man ist."

"Ich war ja nun wirklich überall Trainer! Der Fussball ist überall gleich, aber die Herausforderungen für die Spieler sind von Land zu Land und von Zeit zu Zeit unterschiedlich. Aber ich kann auch bestätigen: Wenn man als Trainer seine Spieler auf dem Feld hat, sieht man überall das Gleiche in ihren Augen und sie alle wollen das Gleiche erreichen. Fussball ist eben überall Fussball."

"Als erstes muss man dem Team Selbstvertrauen vermitteln, egal ob in den USA, in Mexiko oder wo auch immer. Die Spieler müssen an sich glauben. Das war damals in den USA und in Mexiko schwierig, ebenso wie später in Costa Rica und China. Meine Aufgabe bestand darin, die Spieler zu überzeugen. Wenn die Spieler überzeugt waren, dann spielten sie auch voller Überzeugung und auch die Menschen im Land und auf den Tribünen ließen sich überzeugen. Am Anfang der Entwicklung stand also immer die Aufgabe, den Spielern den Glauben an sich selbst zu vermitteln. Das ist letztlich die ultimative Herausforderung für einen Nationaltrainer."

"Wenn ich als Trainer eines Landes arbeite, dann fühle ich mich eigentlich fast als Bürger dieses Landes. Das war so in Mexiko, in Nigeria, sogar in China. Ich sehe mir genau die Charakterzüge der Menschen an und was sie bewegt und versuche dann, auf diese Dinge zu reagieren. Fussball ist sehr viel mehr als bloß ein Spiel mit einem Ball, dem 22 Leute auf dem Spielfeld nachjagen. Das gilt besonders im internationalen Fussball. Es geht um Träume, um Stolz und Ehre und um viele weitere wichtige Faktoren."

"Für mich gibt es einfach kein anderes Turnier, das der FIFA Fussball-WM gleichkommt. Ein Team dorthin zu führen, zu diesem größten Fussballturnier, dieses Gefühl gibt es nirgendwo sonst auf der Welt. Manchmal, wenn ich darüber nachdenke, dass ich so viele Teams zur Weltmeisterschaft geführt habe und selbst bei so vielen Weltmeisterschaften dabei war, kann ich es kaum glauben. Für mich ist das alles immer noch wie ein Traum. Es wird immer ein Traum bleiben und ich bin unendlich dankbar, dass ich ihn gelebt habe."

Mexico coach Bora Milutinovic (left) with Hugo Sanchez following their victory in the FIFA World Cup match between Belgium and Mexico at the Estadio Azteca in Mexico City, 3rd June 1986.
© Getty Images

Mehr zu diesem Thema erfahren

Empfohlene Artikel

USA's Earnie Stewart is mobbed by team-mates after scoring the team's second goal in a 2-1 win over Colombia at the 1994 World Cup.

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1994™

Stewart unter U.S.-Teamkameraden begraben

08 Dez 2016

1998 FIFA World Cup France, Spain - Nigeria 2:3

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1998™

Olisehs Tor erledigt Spanien

06 Mai 2007

Costa Rica pose for a team group picture before kick-off

An diesem Tag...

Costa Ricas denkwürdiges WM-Debüt

11 Jun 2020