FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

9 Juni - 9 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™

Australien gegen Kroatien: Fast ein Duell unter Brüdern

Kroatiens Nationaltrainer Zlatko Kranjcar könnte es diese Woche ehrlich gemeint haben, als er sagte: "Für mich ist es nur ein ganz normales Fussballspiel, Kroatien gegen Australien , und nichts weiter." Doch für viele seiner Schützlinge und Guus Hiddinks Spieler ist das morgige Spiel in Stuttgart alles andere als "nur ein ganz normales Spiel."

Ganz abgesehen davon, dass ein Platz im Achtelfinale noch für beide Mannschaften möglich ist, sind die Verbindungen zwischen den beiden Nationen, wie auch zwischen den beiden Kadern, stark und vielfältig: nicht weniger als sieben Australier – Kapitän Mark Viduka, Jason Culina, Tony Popovic, Josip Skoko, Ante Covic, Zeljko Kalac und Marco Bresciano – haben kroatische Wurzeln.

Die Verbindungen laufen jedoch bei weitem nicht alle in die gleiche Richtung. So sind etwa drei Mitglieder des kroatischen Kaders - Josip Simunic, Joe Didulica und Anthony Seric – nicht nur in Australien geboren und aufgewachsen, sondern haben dort auch das berühmte Australische Sportinstitut besucht, das unter anderem Spieler wie Harry Kewell und Mark Viduka hervorbrachte.

Folglich werden einige Freundschaften getestet werden. "Für mich persönlich bedeutet das Qualität", so Viduka diese Woche. "Klar kenne ich alle Spieler im kroatischen Team, und es wäre mir daher eine persönliche Ehre, gegen sie ein Tor zu schießen."

Spielkleidung

Kroatien: rot-weißes Trikot, weiße Hosen, blaue Stutzen

Australien: gelbes Trikot, grüne Hosen, gelbe Stutzen

Die Gesperrten

Kroatien muss ohne den gesperrten Robert Kovac antreten. Die von ihm hinterlassene Lücke im Herzen der Abwehr soll Stjepan Tomas (Galatasaray), ein enger Freund Vidukas, ausfüllen.

Mittlerweile erhielt die Stimmung im Lager der Australier Auftrieb durch die Nachricht, dass Harry Kewell spielen darf, nachdem er von der Disziplinarkommission der FIFA vom Vorwurf der Schiedsrichterbeleidigung freigesprochen wurde. "Das sind tolle Nachrichten für uns", räumte Viduka ein. "Es ist prima, wenn man auf alle Spieler zurückgreifen kann, und Harry ist ein Weltklassespieler."

Bisherige Ergebnisse

In ihrem Auftaktspiel holten die Australier einen 0:1-Rückstand auf und besiegten Japan am Ende verdient mit 3:1. Doch trotz einer guten Leistung gegen Brasilien mussten sie sich nach Toren von Adriano und Fred im zweiten Gruppenspiel mit 0:2 geschlagen geben. Die Kroaten hingegen unterlagen in ihrem ersten WM-Spiel in Berlin gegen Brasilien nur knapp mit 0:1 unterlagen und mussten sich im nächsten Spiel mit einem 0:0 gegen Japan zufrieden geben, bei dem Darijo Srna einen Elfmeter verschoss. Dementsprechend genügt Australien zum Weiterkommen ein Remis, vorausgesetzt, Zicos Japaner sorgen gegen Brasilien nicht für eine Überraschung. Die Kroaten dagegen wissen, dass sie nur bei einem Sieg noch weiterkommen können.

Das Duell

Mark Viduka gegen Josip Simunic
Der Kapitän Australiens und der Kroate mit den 44 Länderspielen auf dem Konto sind nicht die einzigen Freunde, die in Stuttgart aufeinander treffen werden. Die Hoffnungen von Kranjcars Schützlingen sind größtenteils von dem Erfolg abhängig, mit dem Simunic und seine Kollegen in der kroatischen Abwehr Viduka neutralisieren können.

Die beiden waren einst Teamkameraden beim australischen Verein Melbourne Knights, doch als sie zu Beginn ihrer jeweiligen internationalen Karriere die gleiche Entscheidung treffen mussten, wählten sie verschiedene Wege.

Tatsächlich war Simunic Gegenstand eines sehr publik gemachten Tauziehens zwischen den beiden Nationen, als die Fussballverbände beider Länder ihn zur gleichen Zeit in ihre Nationalmannschaft beriefen. Es wird sogar behauptet, dass viele Australier dem 28-Jährigen noch die vom Steuerzahler finanzierte Ausbildung im Australischen Sportinstitut missgönnen, obwohl Simunic darauf besteht, dass er niemals Zweifel über seine Staatstreue hat aufkommen lassen. Er sagte: "Ich bin sehr stolz darauf, in Australien geboren zu sein, und dankbar, dass ich in Australien aufwachsen konnte. Aber ich entschloss mich für Kroatien zu spielen, weil ich mich als Kroate fühle. Davon träumte ich schon als kleiner Junge."

Ironischerweise wuchs auch Viduka mit dem Traum auf, eines Tages das rot-weiß-karierte Trikot zu tragen. Selbst als er Kapitän der australischen Nationalmannschaft bei der FIFA U-20-Junioren-Weltmeisterschaft 1995 war, bestand seine Kapitänsbinde aus den Farben Rot und Weiß. Später heiratete er eine Kroatin und verbrachte dreieinhalb Spielzeiten beim Klub Croatia Zagreb.

Doch auch Viduka zerstreut etwaige Bedenken wegen gespaltener Loyalität rundweg. Er sagte in dieser Woche: "Ich bin Australier, durch und durch. Unter den Kroaten herrscht das Gefühl, dass wir ein bisschen mehr wie sie sein sollten, aber dem stimme ich überhaupt nicht zu. Wir wollen der Welt zeigen, dass wir wirklich guten Fussball spielen können."

Frühere Begegnungen

In einem Turnier sind die beiden Mannschaften noch nie aufeinander getroffen, doch im Laufe der letzten 16 Jahre haben sie sich schon in einer Reihe von Freundschaftsspielen gegenüber gestanden. Beim letzten Aufeinandertreffen am 6. Juni 1998 kam Kroatien zu einem 7:0-Kantersieg. Von den letzten drei Spielen konnte indes Australien zwei für sich entscheiden, eines in Adelaide mit 3:1, und das andere in Melbourne mit 1:0. Beide Spiele fanden im Juli 1992 statt.

Stimmen der Beteiligten

Zlatko Kranjcar, kroatischer Trainer: Unsere Spieler sind den ihren qualitätsmäßig überlegen. Ihre größte Stärke besteht darin, dass sie als Team spielen und dass sie Mark Viduka haben. Einer von uns wird immer auf ihn aufpassen.

Graham Arnold, Assistenztrainer Australiens:Für viele wird es ein sehr emotionales Spiel sein. Es wird viele Fans geben, die glücklich sein werden, egal wie das Spiel ausgeht. Wenn die Spieler erst einmal das Spielfeld betreten haben, zählt nur noch das Gewinnen. Ich glaube, es wird ein Super-Spiel werden.