FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

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9 Juni - 9 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™

Asamoah Gyan: "Ich konnte es einfach nicht glauben"

Kein Spieler hat bisher mehr emotionale Hochs und Tiefs erlebt als der Ghanaer Asamoah Gyan beim 2:0-Sieg seiner Elf gegen Tschechien. Denn zunächst erzielte Gyan in der zweiten Spielminute das schnellste Tor des laufenden Turniers, verschoss im weiteren Spielverlauf jedoch einen Elfmeter und handelte sich schließlich auch noch eine Gelbe Karte ein, so dass er in der entscheidenden Partie der Vorrundengruppe E gegen die USA nicht dabei sein wird.

In einem Exklusivinterview mit FIFAworldcup.com berichtete Gyan über die dramatischen Momente, die er im FIFA WM-Stadion Köln erlebt hat und entschuldigte sich bei seinem Land dafür, dass er am kommenden Donnerstag gegen die USA nicht wird auflaufen können.

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Was hat den Unterschied zwischen der 0:2-Niederlage gegen Italien und dem 2:0-Sieg gegen die Tschechische Republik gemacht?

Ich denke, dass wir nach der Niederlage gegen Italien unsere Fehler genau analysiert haben, um sie in unserer zweiten Partie abzustellen. Wir waren nicht konzentriert genug und haben deshalb unser Auftaktspiel verloren. In der Partie gegen die Tschechische Republik hingegen haben wir eine optimale Leistung geboten. Wir haben über das gesamte Spiel einen Angriff nach dem anderen gefahren und jede Aktion, die wir eingeleitet haben, war erfolgreich. Im Fussball gewinnt meist die bessere Mannschaft - und an diesem Abend waren wir die bessere Mannschaft. Wir kennen unser Spielerpotenzial ganz genau und wissen auch, dass wir zu solchen Leistungen fähig sind. Wir waren hoch motiviert und hatten uns voll darauf konzentriert, dieses Spiel zu gewinnen.

Wie haben Sie sich gefühlt, nachdem Sie realisiert hatten, dass Sie einen solch entscheidenden Beitrag zum Sieg geleistet hatten?

Einfach fantastisch! Nach dem Spiel habe ich meine Familie in Accra angerufen. Im Hintergrund war bereits eine große Party im Gange. Alle waren überglücklich und freuten sich für mich, weil ich doch noch so jung bin. Bei dieser WM-Endrunde mit gerade mal 20 Jahren dabei sein zu können und der erste Spieler in der ghanaischen Fussballgeschichte zu sein, der zudem noch bei einer WM-Endrunde das schnellste Tor des Turniers erzielt, ist einfach ein überwältigendes Gefühl. Das ist ein historischer Moment für Ghana. Ich konnte es einfach nicht glauben, dass ich gegen eine solch starke Mannschaft wie die Tschechische Republik getroffen hatte und zudem noch so früh in der Partie. Es war wirklich ein unglaubliches Gefühl.

Wie fühlten Sie sich nach dem verschossenen Elfmeter?

Normalerweise bin ich ein ziemlich treffsicherer Elfmeterschütze. Aber: "Nobody is perfect". Außerdem bin ich nicht der erste Spieler, der einen Strafstoß verschossen hat.

Ihre Gelbe Karte bedeutet für Sie, dass Sie für das nächste Spiel gesperrt sind

Ja, das stimmt. Und ich muss mich hierfür bei meinen Landsleuten entschuldigen. Ich bin einer der Schlüsselspieler in meiner Mannschaft, und ich weiß, dass sie mich gegen die USA dringend gebraucht hätte. Aber so läuft es eben manchmal im Fussball. Das kommt vor. Wir haben eine ganze Reihe fähiger Spieler auf der Bank. Wenn ich gegen die USA nicht auflaufen kann, bedeutet das nicht automatisch, dass wir das Spiel verlieren. Wenn wir gewinnen, sind wir für die nächste Runde qualifiziert. Ich weiß nicht, was im Kopf unseres Nationaltrainers vorgeht, aber ich werde weiterhin hart mit dem Team trainieren. Und vielleicht, wenn wir uns für das Achtelfinale qualifizieren, wird er mir auch eine zweite Chance geben. Ich werde auf jeden Fall mein Bestes geben.

Glauben Sie, dass Ghana diesen entscheidenden Sieg gegen die USA schaffen wird?

Wissen Sie, Fussball heute ist nicht mehr, wie er in der Vergangenheit war, als man vor einer Partie noch mit ziemlicher Sicherheit vorhersagen konnte, wer als Sieger vom Platz gehen würde. Die so genannten "Fussballzwerge" sind nicht mehr so zwergenhaft und dürfen auf keinen Fall unterschätzt werden. Jede Mannschaft, die sich für die Endrunde qualifiziert hat, möchte auch Weltmeister werden. Wir müssen uns voll auf unsere nächsten Aufgaben konzentrieren und versuchen, keine Fehler zu machen. Wenn für uns alles glatt läuft, können wir vielleicht sogar das gleiche Resultat erzielen, das wir bereits gegen Tschechien erreicht haben. Wer weiß?

Die Ghanaer werden oft als "die Brasilianer Afrikas" bezeichnet. Wie sehen Sie diesen Vergleich?

Ich bin sehr stolz, dass die Leute uns als die "Brasilianer Afrikas" sehen. Aber auf der anderen Seite ist das auch sozusagen eine Bürde für uns. Insgesamt trägt es sicher zur Motivationssteigerung bei und schweißt das Team enger zusammen.

Wie war die Reaktion in Ihrer Heimat nach dem Sieg am Samstagabend?

Ich habe gehört, dass ganz Ghana die ganze Nacht durchgefeiert hat. Es war ein historisches Ereignis für so ein kleines Land, seinen ersten Sieg bei einer WM-Endrunde errungen zu haben. Und das ist beileibe keine einfache Sache. Ich kann mir von hier aus nur schwer vorstellen, wie die Stimmung und die Atmosphäre zu Hause sein müssen. Und ich hoffe, dass die Mannschaft und das ganze ghanaische Volk nach dieser WM zusammen feiern können. Einige der anderen teilnehmenden afrikanischen Teams sind bereits ausgeschieden. Und ich denke, dass wir unseren Sieg nicht nur für Ghana errungen haben, sondern für ganz Afrika.

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