FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

9 Juni - 9 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™

Aníbal Ruiz: "Schön, gleich gegen England zu beginnen"

Weniger als 80 Tage vor Anpfiff der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ stehen die verschiedenen Nationaltrainer vor der schwierigen Aufgabe, ihren endgültigen Kader für das Großereignis festlegen zu müssen. Während die meisten seiner Kollegen sich sehr besorgt und reserviert zeigen, ist bei Paraguays Coach Aníbal Ruiz nichts von alledem zu spüren. Lächelnd, gelassen und mit sanfter Stimme sprach der Stratege der Albirroja unlängst mit FIFAworldcup.com.

Mit 50 Jahren steht der gebürtige Uruguayer, der mittlerweile in Paraguay seine Heimat gefunden hat, vor der Herausforderung, noch weiter als in Frankreich 1998 und in Korea/Japan 2002 zu kommen, als die Guaraníes jeweils ins Achtelfinale gelangten. Dafür müssen sie jedoch einige Hindernisse überwinden. "In der letzten Vorbereitungsphase stehen Freundschaftsspiele gegen Norwegen, Dänemark und Georgien auf dem Programm", verkündet Ruiz voller Selbstvertrauen. Jetzt wird es langsam ernst für ihn und sein Team...

Die FIFA-Weltmeisterschaft steht kurz bevor. Wie sieht Ihre Bilanz nach dem letzten Freundschaftsspiel gegen Wales aus?

Sehr positiv. Aber abgesehen von dem Spiel ging es auch darum, die ganze Truppe zusammenzuschweißen. Wir hatten uns vier Monate nicht gesehen und mussten wieder miteinander sprechen und einige Dinge auffrischen. Man muss bedenken, dass viele unserer Spieler bei ihren Vereinen ein ganz anderes System spielen, so dass sie dann wieder eine gewisse Eingewöhnungszeit in der Nationalelf brauchen.

Worauf beziehen Sie sich dabei genau?

Nun, es geht nicht nur um fussballerische Belange. Wir nutzen die Zeit, um die Spieler über Dinge in Zusammenhang mit unserem Aufenthalt in Deutschland aufzuklären. So sprechen wir mit ihnen über die Orte, wo wir unser Quartier aufschlagen werden. Dass es zwar keine Fünf-Sterne-Hotels sind, sie aber für eine Mannschaft mit Ambitionen, die in aller Bescheidenheit Großes leisten möchte, genau das Richtige sind. Wir haben auch einen Ordner mit allen möglichen Unterlagen mitgebracht, um sie auf alles, was sie so erwartet, vorzubereiten. Wir möchten das besser als bei den letzten Weltmeisterschaften machen.

Und fussballerisch?

Nun, leider mussten wir auf (Julio) Cáceres und auf (Carlos) Gamarra verzichten, wenngleich wir die Möglichkeit hatten, sie in Buenos Aires und Sao Paulo spielen zu sehen. Dafür konnten wir Julio Dos Santos einsetzen, der wieder einmal Spielpraxis mit seinen Mannschaftskameraden bekam. Dann bekamen wir Nelson Haedo Valdez zu sehen. Noch bleibt uns ein Spiel, um weitere Schlussforderungen zu ziehen, bevor wir den endgültigen Kader für Deutschland benennen müssen.

Welche Zweifel gibt es denn noch?

Nun, es gibt noch einiges zu klären, was völlig normal ist. Zum Glück ist dies so, weil wir die Qual der Wahl haben, und nicht weil es uns an Spielern fehlt. Wir haben schon einen Kader von 18 Spielern im Kopf, aber zwei oder drei Zweifel müssen wir im Freundschaftsspiel gegen Mexiko am 29. März (in Chicago) noch beseitigen. Im Angriff und im Mittelfeld möchte ich noch einige kleinere Dinge klären. In der Abwehr dagegen ist alles klar. Auch die Torhüter stehen fest.

Beunruhigt Sie in dieser Phase der Vorbereitung am meisten die Verletzung von Roque Santa Cruz?

Da gibt es sicherlich Sorgen. Aber vor ein paar Tagen haben wir ihn besucht, und der Optimismus, den der Spieler und auch der Vereinsarzt vom FC Bayern München offenbarten, haben uns die absolute Gewissheit gegeben, dass er rechtzeitig wieder fit werden wird. Er meint, dass er ab dem 15. April wieder Fussball spielen kann. Genau das entspricht auch unserer Planung. Wenn er zu uns stößt, wird er schon wieder eineinhalb bis zwei Monate Fussball gespielt haben.

Sprechen wir nun über die Anfangsphase des Turniers. Nach der Auslosung in Leipzig haben Sie erklärt, dass das Auftaktspiel gegen England das Beste sei, was Paraguay hätte passieren können. Sind Sie immer noch dieser Auffassung?

Natürlich! Was möchte man denn auf diesem Niveau erreichen? Gegen die Besten antreten, denn nur so kann man sein eigenes Können beweisen. Wir haben nun diese Gelegenheit. In solchen Spielen war auf Paraguay immer Verlass. Natürlich wissen wir, dass die Engländer eine große Mannschaft haben, dennoch bleibe ich dabei, dass es das Beste für uns ist, und meine Spieler stimmen mir da zu. Es ist schön, gleich gegen England beginnen zu können. Wir müssen jedoch höchst konzentriert zu Werke gehen. Von nun an bis zum Beginn der Weltmeisterschaft und dann natürlich auch weiterhin müssen wir äußerst aufmerksam und konzentriert sein, um keinen Fehler mehr zu begehen.

Was für eine paraguayische Mannschaft können diejenigen erwarten, die das Team noch gar nicht kennen?

Nun, sie werden eine gut organisierte Mannschaft sehen, die konsequent und geradlinig spielt. Eine Mannschaft, die nicht so sehr auf Ballbesitz aus ist, die Wert auf schöne Spielzüge legt und nicht so sehr darauf, den Ball in den eigenen Reihen zu halten. Manchmal kann ein langer Pass eine Alternative sein, aber dieses Mittel wird nicht so oft wie früher zum Einsatz kommen. Wir haben die Spieler dafür und möchten harmonischen Fussball bieten, der im Angriff auf Breite wie auch auf Tiefe setzt.

Welches Ziel haben Sie sich gesetzt?

Weiter als bei den letzten beiden WM-Endrunden zu kommen. Wir arbeiten daran und verfügen über die Spieler, um dies zu schaffen.