FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

9 Juni - 9 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™

Aníbal Ruiz: "Dabei gewesen zu sein war der größte Erfolg"

"Wir sind sehr niedergeschlagen und unglücklich." Das ist der erste Satz, der Paraguays Nationaltrainer Aníbal Ruiz über die Lippen kommt, als er nach dem Gemütszustand seiner Spieler nach dem besiegelten Aus durch die 0:1-Niederlage gegen Schweden bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ befragt wurde.

Doch die 0:1-Niederlage gegen England, die durch ein Eigentor von Carlos Gamarra zustande kam, der Misserfolg gegen die Schweden in gleicher Höhe und die daraus resultierende nüchterne Gewissheit über das vorzeitige WM-Aus seiner Mannschaft scheinen den Optimismus des erfahrenen Nationaltrainers Ruiz nicht gebrochen zu haben. Denn für ihn waren die von seiner Elf gezeigten Leistungen insgesamt positiv. Und außerdem steht die südamerikanische Mannschaft aufgrund des angekündigten Rücktritts von Roberto Acuña und Carlos Gamarra, zweier Spieler, die noch der Goldenen Generation angehören, vor einem echten Generationswechsel.

Vor dem letzten, nunmehr bedeutungslosen Gruppenspiel Paraguays gegen Trinidad und Tobago am Dienstag, 20. Juni, im Kaiserslauterer Fritz-Walter-Stadion, erklärt der international erfahrene Nationaltrainer Paraguays in einem Exklusivinterview mit FIFAworldcup.com die Gründe für das frühe Ausscheiden seiner Mannschaft.

Trainerprofil Aníbal Ruiz Herr Ruiz, welche sind Ihrer Meinung nach die Hauptgründe, die zum frühzeitigen Ausscheiden Paraguays geführt haben?

Sicherlich haben wir einen nicht allzu guten Start erwischt und in unseren beiden ersten Partien gegen England und Schweden zwei unglückliche Niederlagen hinnehmen müssen. Wir haben in beiden Partien nie zu unserem Spiel gefunden. In den ersten 15 Spielminuten waren wir unseren jeweiligen Gegnern aber stets ebenbürtig. Gegen die Engländer zum Beispiel gab es gleich zu Beginn der Partie das unglückliche Eigentor. Anschließend jedoch wurden wir immer stärker und standen den Engländern in nichts nach, aber was uns fehlte war der Torerfolg, der leider bis zu Spielende ausblieb. Wir hatten es zwar in unseren ersten beiden Vorrundenpartien mit zwei sehr guten Nationalteams zu tun, aber was das fussballerische Element betrifft, kann man nicht sagen, dass wir unterlegen waren. Wie ich bereits erwähnt habe, war es für uns nicht ganz glücklich, gleich zu Beginn des Turniers auf die Engländer zu treffen. Vor den Spielen wird eine ganze Menge geredet…und mit der Tageszeitung unter dem Arm sind natürlich alle die absoluten Fussballexperten.

Wie begegnen Sie der Kritik, die von den Fans und der paraguayischen Presse kommt?

Ich bin verantwortlich für den Misserfolg der Mannschaft und übernehme auch die Verantwortung für unser Ausscheiden.

Werden Sie von Ihrem Amt als Nationaltrainer zurücktreten oder Ihren Posten weiterführen?

Im Augenblick möchte ich mich zu diesem Thema noch nicht äußern. Ich muss natürlich dem paraguayischen Fussballverband Rechenschaft ablegen. Aber ich möchte den Verantwortlichen und vor allem auch den Spielern meinen Dank aussprechen, weil sie mich in jeder Situation gestützt und unterstützt haben. Es ist kein Beinbruch, dass Paraguay nicht die zweite Runde erreicht hat. Es wäre aber ein Desaster gewesen, wenn sich die paraguayische Nationalmannschaft erst gar nicht für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ qualifiziert hätte.

Nach dem angekündigten Rücktritt von Acuña und Gamarra scheint jetzt ein Generationswechsel innerhalb der Nationalmannschaft bevorzustehen. Wie ist Ihre Meinung hierzu?

Man wird das Fehlen dieser international erfahrenen Spieler in der Anfangsphase zu spüren bekommen, aber nach ihnen rückt eine Riege junger und sehr talentierter Spielertypen nach, die auch international zum Teil hervorragende Leistungen zeigen. Ich möchte mich an dieser Stelle ganz besonders bei diesen langjährigen und erfahrenen Spielern bedanken. Und gleich wohin es sie verschlagen wird, ich kann ihnen garantieren, dass sie immer von ihren Fans und ganz besonders auch von mir in bester Erinnerung behalten werden.

Was haben sie bei den beiden bisher bestrittenen Partien vermisst, und welche Erkenntnisse nehmen Sie aus diesen Spielen mit?

Es fehlten wohl der Killerinstinkt und der letzte Biss. Aber das ist nun einmal so. Im Fussball läuft es nicht immer so, wie man es sich vorstellt. Ich rechne aber all meinen Spielern hoch an, dass sie Einsatz gezeigt haben, dass sie zusammengehalten haben und als Team angetreten sind und dass man ehrlich und offen miteinander umgegangen ist. Ich bin mir ganz sicher, dass niemand mit irgendetwas hinterm Berg gehalten hat und dass jeder mit jedem offen reden konnte.

Wie werden Sie Ihre Spieler für die letzte Partie gegen Trinidad und Tobago motivieren?

Wissen Sie, es gibt da eine Tugend, die man nicht vergessen sollte, und die heißt Stolz. Das ist ein unersetzbarer Wert. Wir vertreten bei diesem Turnier ein Land mit einer traditionsreichen Fussballhistorie. Und deswegen werden wir bis zum letzten Augenblick alles geben. Trinidad und Tobago ist eine Mannschaft mit viel Potenzial und ein unangenehmer und schwieriger Gegner. Aber unser Ziel in dieser letzten Partie ist der Sieg.