FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Korea/Japan 2002™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Korea/Japan 2002™

31 Mai - 30 Juni

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2002™

Als Diouf die Franzosen schockte...

Papa Bouba Diop of Senegal scores the winning goal against France as goalkeeper Fabien Barthez
© Getty Images

Mehrere hundert Millionen Menschen verfolgten im Juni 2002 das Eröffnungsspiel der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Korea/Japan 2002™. Für die meisten von ihnen stellte sich dabei nicht die Frage, ob Frankreich die Partie gewinnt, sondern nur wie hoch die Niederlage für Senegal letztlich ausfallen würde.

Schließlich war hier der amtierende Weltmeister und Titelfavorit gegen einen Turnierdebütanten und krassen Außenseiter am Start - eine Mannschaft mit den Topstars von Spitzenklubs wie FC Barcelona, Real Madrid, FC Arsenal, FC Chelsea, Manchester United, Bayern München und Juventus Turin gegen ein Team mit Akteuren, von denen man außerhalb Senegals höchstens in Marokko oder Frankreich jemals etwas gehört hatte.

Auf der einen Seite standen Topstars wie Fabien Barthez, Lilian Thuram, Marcel Desailly, Patrick Vieira, Emmanuel Petit, Youri Djorkaeff, Thierry Henry und David Trezeguet, auf der anderen eine Gruppe nahezu unbekannter Spieler. Die erfahrenen Akteure in Frankreichs Startformation brachten es zusammen bereits auf 652 Länderspiele, während auf Seiten des Gegners nur zwei Spieler mehr als 30 Länderspiele bestritten hatten.

Und doch setzte Senegals einziger Stürmer, ein 21-jähriger Jungspund namens El Hadji Diouf, die perfekt eingespielte französische Abwehr von Beginn an mächtig unter Druck. Er machte allen deutlich, warum er zu Afrikas Fussballer des Jahres gewählt worden war - insbesondere jenen, die seine Gefährlichkeit geradezu fahrlässig ignoriert hatten.

Gleich bei seinem ersten Vorstoß nach nur acht Sekunden wusste sich Desailly nur mit einem Foul zu helfen. Nach dem fälligen Freistoß prüfte El Hadji Djouf Frankreichs Torhüter Barthez erstmals mit einem Kopfball. Neun Minuten später ging er auf dem Flügel vorbei und legte den Ball dann perfekt in den Lauf von Khalilou Fadiga, der Barthez zu einer starken Parade zwang.

Auch im weiteren Verlauf der Partie bereitete Diouf dem gestandenen Abwehrrecken Desailly und Frankreichs zweitem Innenverteidiger Frank Leboeuf mit seiner Schnelligkeit und Dribbelstärke immer wieder Probleme. Die beiden nächsten guten Chancen hatten allerdings die Franzosen. Zunächst musste Senegals Schlussmann Tony Sylva einen Schuss von Trezeguet abblocken und kurz darauf jagte erneut Trezeguet das Leder an den Pfosten.

Dann rückte auf der anderen Seite wieder Diouf in den Mittelpunkt. Kurz vor der Pause wurden die Schützlinge von Bruno Metsu für ihre Mühen belohnt. Salif Diao jagte Youri Djorkaeff an der Mittellinie im Zweikampf den Ball ab und schickte Diouf auf dem linken Flügel auf die Reise. Er ließ Leboeuf aussteigen, als wäre der gar nicht vorhanden, lief bis auf die Grundlinie durch und legte den Ball dann quer zurück auf den heranstürmenden Papa Bouba Diop. Petit versuchte noch, den Ball abzufangen, doch er konnte ihn nur in Richtung Barthez abfälschen womit er in Reichweite des ausgestreckten Beines von Diop kam, der das Leder ins leere Netz beförderte. Der Torschütze rannte zur Eckfahne und tanzte gemeinsam mit seinen Teamkameraden einen Freudentanz um sein auf dem Boden ausgebreitetes Trikot.

Diouf wirbelte auch weiterhin die französischen Reihen durcheinander. Der Angreifer mit den wasserstoffblonden Haaren holte mehrere Freistöße für sein Team heraus, doch er war keineswegs der einzige Spieler, der den amtierenden Welt- und Europameister zur Verzweiflung brachte. In der 64 Minute leitete Khalilou Fadiga noch in der eigenen Hälfte einen Angriff ein. Als der Ball nach mehreren Zwischenstationen zu ihm zurückkam, verschaffte er sich mit Übersteigern und Körpertäuschungen etwas Platz und ließ dann einen Gewaltschuss los, den Barthez mit einer unglaublichen Parade gerade noch an die Latte und übers Tor lenken konnte.

Die Mannen von Roger Lemerre konnten sich in der Folge ein wenig befreien und bei einem Angriff scheiterte Henry mit einem gefühlvollen Heber nur knapp an der Latte. Gegen Diouf hatten die Franzosen allerdings immer noch kein Mittel außer Fouls gefunden. Die fälligen Freistöße verschafften den Senegalesen immer wieder wichtige Entlastungspausen, und so gelang es ihnen tatsächlich, den knappen Vorsprung über die Zeit zu bringen und somit für eine der größten Sensationen in der Geschichte der FIFA Fussball-WM zu sorgen.

Mit diesem Resultat legten die Senegalesen den Grundstein für ihren unglaublichen Vorstoß in die nächste Runde (sie scheiterten erst im Viertelfinale gegen die Türkei) und für das ebenso unglaubliche Scheitern von Titelverteidiger Frankreich in der Vorrunde. Der Erfolg war in erster Linie El Hadji Diouf zu verdanken.

"Niemand glaubte, dass wir es schaffen könnten, aber ich wusste es", so der Held der Stunde. "Dies war ein Sieg nicht nur für alle Senegalesen, sondern für alle Afrikaner!"

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