FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

9 Juni - 9 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™

Addo: "Können an gutem Tag alle schlagen"

Wenn man Otto Addo vor zwei Jahren gesagt hätte, dass er bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ in jenem Land, in dem er aufwuchs, zum Kader der Nationalmannschaft Ghanas gehören würde, hätte er wahrscheinlich frustriert abgewunken. Damals hatte der in Hamburg geborene Offensivakteur gerade seinen dritten Kreuzbandriss hinter sich und drohte, Sportinvalide zu werden. Doch der 31-Jährige, der bei Bundesligist FSV Mainz 05 sein Geld verdient und bereits 13 Einsätze für sein Heimatland verzeichnen konnte, gewann das Rennen mit der Zeit und genießt es nun doch noch, sich in Deutschland mit den Besten der Welt messen zu können.

Nach der 0:2-Auftaktniederlage der Ghanaer gegen Italien droht Addo und seinen Teamkollegen das frühzeitige Aus in der Gruppe E. Nun wartet ausgerechnet die Tschechische Republik als nächster Gegner. Die Afrikaner müssen punkten, um ihre Chancen auf ein Weiterkommen aufrecht zu erhalten. Der sympathische Schlaks gibt sich im Exklusiv-Interview mit FIFAworldcup.com jedoch optimistisch.

Herr Addo, wie groß ist die Enttäuschung in der Mannschaft nach dem zwar guten, aber dennoch verlorenen Auftaktspiel gegen die Squadra Azzurra?

Es ist ganz klar, wir sind alle sehr enttäuscht. Wir hätten natürlich lieber schlecht gespielt und gewonnen, als gut zu spielen und zu verlieren. Letztlich ist es doch am Ende nur das Ergebnis, was zählt. Man hat deutlich sehen können, dass uns definitiv noch die Cleverness fehlt.

Die Tschechen konnten in ihrem Auftaktspiel beim 3:0-Erfolg gegen die USA vollends überzeugen. Jetzt muss ausgerechnet Ihre Mannschaft gegen sie antreten und unbedingt punkten...

Ja, es wird verdammt schwer für uns. Die Tschechen haben in beeindruckender Manier gezeigt, dass sie ein sehr gutes Team haben. Bei denen sind alle Spieler stark, viele von ihnen spielen für europäische Topvereine. Man muss nur an Pavel Nedved denken, oder an meine ehemaligen Vereinskollegen von Borussia Dortmund, Tomas Rosicky und Jan Koller.

Sind Sie denn froh, dass zumindest Koller verletzungsbedingt nicht auflaufen kann?

Nein, im Gegenteil. Ich muss sagen: Schade, dass er nicht dabei sein wird. Es tut mir leid für ihn, dass ihn schon wieder das Verletzungspech erwischt hat. Aber dafür wird wohl Vratislav Lokvenc spielen, und der ist genauso groß und genauso gut wie Koller.

Wie stehen denn in Ihren Augen die Chancen, gegen die Mannschaft von Trainer Karel Brückner zum Erfolg zu kommen?

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir an einem guten Tag alle schlagen können. Wir müssen in der Defensive einfach noch sicherer stehen und vor dem gegnerischen Tor mit mehr Risiko agieren. Wir müssen auch mal versuchen, mit Distanzschüssen zum Erfolg zu kommen. Dann haben wir auch gegen die Tschechische Republik eine Chance.

Für Sie persönlich war es lange Zeit äußerst fraglich, ob Sie überhaupt an dieser WM in Deutschland teilnehmen können. Nur die allergrößten Optimisten hatten nach ihren drei Kreuzbandrissen noch daran geglaubt. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Ich kann nur sagen, dass ich sehr, sehr glücklich bin, dabei sein zu dürfen. Erleichterung ist vielleicht das falsche Wort, um meine Gefühle zu beschreiben. Aber ich freue mich einfach unglaublich darüber, im Kader zu stehen. Ich habe das große Glück, berücksichtigt worden zu sein, ohne ein einziges Qualifikationsspiel bestritten zu haben.

Als der Spieler in Ghanas Kader, der Deutschland definitiv am Besten kennt, haben sie sicher in diesen Tagen und Wochen eine besondere Rolle im Mannschaftskreis...

Ja, das stimmt schon (lacht). Ich gebe den Spielern manchmal den ein oder anderen Tipp.

Sie wussten ja ungefähr, was man in Deutschland hinsichtlich der Stimmung und der Begeisterung erwarten könnte, da sie es hautnah bereits im Vorfeld mitbekommen haben. Aber wie sieht es bei ihren Mannschaftskollegen aus? Sind diese überrascht von der Atmosphäre, die hier gerade herrscht?

Ja, das sind sie definitiv. Sie sind alle unglaublich beeindruckt, und wir fühlen uns sehr wohl hier.

Und wie sieht es in Ihnen persönlich aus? Kommt da auch Freude auf, dass dieses Land, in dem sie groß geworden sind, so enthusiastisch feiern kann?

Klar, auf jeden Fall. In mir schlagen in dieser Hinsicht gewissermaßen zwei Herzen in meiner Brust. Aber ich spiele für Ghana, und deshalb gehört natürlich alle Aufmerksamkeit meinem Land.

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