FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™

11 Juni - 11 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™

Abreu: Auf geheimer Mission in Mexiko

© AFP

Stellen wir uns einmal vor, es gehe hier nicht um den Vorbericht einer Partie der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™ in Südafrika, sondern um einen Spionage-Film. Wäre es dann nicht wahrscheinlich, dass Washington Sebastián Abreu so viele Jahre in Mexiko verbracht hat, um als Geheimagent für die uruguayische Nationalmannschaft zu arbeiten? Sein Auftrag: Wichtige Informationen über das mexikanische Team sammeln, die seiner Mannschaft im entscheidenden Spiel der Gruppe A am Dienstag in Rustenburg von Nutzen sein könnten.

Kein anderer als Abreu, der sieben Spielzeiten in insgesamt sieben verschiedenen Vereinen der mexikanischen Liga absolvierte, scheint besser dafür geeignet zu sein, den nächsten Gegner der Celeste zu analysieren. "Mexiko hat eine sehr starke Mannschaft. Einige ihrer Spieler sind bereits zum zweiten Mal bei einer WM dabei und können aus den Erfahrungen schöpfen, die sie bei europäischen Spitzenmannschaften gesammelt haben. Das gilt auch für den Trainer, der bis vor Kurzem noch im europäischen Fussball tätig war. Er hat es seinen Spielern die Dynamik zu vermitteln, die für ein solches Turnier erforderlich ist. Wenn man danach geht, was sie hier bisher gezeigt haben, sind sie sogar noch besser, als ich erwartet habe. Aber wir werden ihnen das Leben schon schwer machen", erklärt der Stürmer im Gespräch mit der FIFA.

Der Spieler mit der legendären Nummer 13 auf dem Rücken sieht zahlreiche Ähnlichkeiten zwischen den beiden südamerikanischen Teams. "Genau wie unserer Mannschaft, ist es auch den Mexikanern gelungen, wichtige taktische Veränderungen vorzunehmen. Die Mannschaft ist in der Lage, mit drei oder vier Abwehrspielern zu spielen, ohne dass ihr gesamtes Spielsystem davon beeinflusst wird. Auch in der Offensive sind beide Mannschaften flexibel. Sie können entweder mit drei Stürmern spielen, mit zwei Stürmern und einem Spielgestalter oder mit einem Angreifer und mehreren offensiven und abschlussstarken Mittelfeldspielern. In jedem Fall wird das Spiel sehr interessant", meint Abreu.

Zahlen sagen nicht vielDas einzige Aufeinandertreffen der beiden Teams bei einer WM fand 1966 in England statt, wo die Mannschaften sich mit einem 1:1-Unentschieden trennten. Schaut man sich jedoch die Statistiken aus allen bisherigen Begegnungen der A-Nationalmannschaften an, so schneiden die Mexikaner mit sieben Siegen und nur drei Niederlagen in 17 Partien besser ab als ihre südamerikanischen Mitstreiter. Bei ihrem letzten Aufeinandertreffen im Spiel um Platz drei der Copa América 2007, ging El Tri nach einem 3:1-Sieg als Sieger vom Platz. Dabei erzielte Abreu den einzigen Treffer für die Uruguayer. "An diesem Spiel dürfen wir uns nicht messen. In der mexikanischen Mannschaft hat es seither große Veränderungen gegeben und bei uns auch. Heute haben wir eine ganz andere Situation. Wenn das Spiel erst einmal angepfiffen wird, bringen einem die Statistiken auch nichts mehr", versichert der unter dem Spitznamen El Loco bekannte Stürmer, der 26 Tore in insgesamt 57 Länderspielen erzielt hat.

Abreu kennt zwar viele Spieler der mexikanischen Nationalmannschaft, hatte jedoch in Südafrika noch mit keinem von ihnen unterhalten. "Das können wir ja dann auf dem Spielfeld nachholen", scherzt er. Seiner Meinung nach, wird ihm sein Know-how über die Mexikaner für diese Partie allerdings nicht viel nützen. "Ich kann meinen Teamkollegen wohl ein paar Tipps geben über die Spielweise und Laufwege gewisser mexikanischer Spieler, aber das ist auch alles."

Abreu gibt zwar zu, dass die Begegnungen mit Mexiko in den vergangenen Jahren stets an Bedeutung zugenommen haben, aber als Derby würde er die Partie noch lange nicht bezeichnen. "Wir respektieren die Mexikaner für die enorme Leistungssteigerung, die sie in den vergangenen Jahren bewiesen haben. Aber Klassiker sind für Uruguay die Partien gegen Argentinien oder Brasilien." Der Sieg der Mexikaner über die Franzosen scheint den Stürmer allerdings nicht sonderlich zu verwundern. "Mich überrascht in dieser Gruppe nichts. Wir wussten, dass sie sehr ausgeglichen sein würde, und tatsächlich können sich noch alle Mannschaften qualifizieren."

Ein Blick aufs eigene TeamNachdem die Uruguayer in der Südamerika-Qualifikation durchschnittlich etwas mehr als einen Gegentreffer pro Partie kassiert haben, haben sie ihren Kasten in Südafrika bislang noch völlig sauber gehalten. "Ich denke, dieser Erfolg ist lediglich der Tatsache zu verdanken, dass wir an einigen Details arbeiten konnten, weil wir mehr Zeit zusammen verbracht haben. Das ist ja in der Qualifikationsrunde kaum möglich", erklärt Abreu. Allerdings lobt er die Offensivstärke seiner Mannschaft. "Das hat etwas damit zu tun, dass ein gutes Spiel für uns Priorität hat. Wir verfügen über sehr torgefährliche Stürmer und können uns ohne Bedenken auf unsere Offensive verlassen", fügt Abreu ohne falsche Bescheidenheit hinzu. Er selbst konnte für sein Team in der Qualifikation fünf Treffer erzielen.

Der Celeste würde schon ein Remis gegen Mexiko reichen, um sich für das Achtelfinale zu qualifizieren und gleichzeitig der eventuellen Begegnung mit Angstgegner Argentinien aus dem Weg zu gehen. Doch El Loco will von solchen Rechenspielchen nichts wissen. "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Chancen zu verlieren höher sind, wenn man auf Unentschieden spielt. Daher setzen wir alles daran, dieses Spiel zu gewinnen, lassen aber gleichzeitig Vorsicht walten. Wenn es nun 15 Minuten vor dem Abpfiff unentschieden steht und wir merken, dass wir uns wohl mit einem Punkt begnügen müssen, dann ist das natürlich in Ordnung. Aber wir werden auf jeden Fall auf Sieg spielen."

Der Auftritt der Uruguayer bei dieser WM und die mögliche Konstellation im Achtelfinale haben bei den Fans zu Hause für große Begeisterung gesorgt. Doch Abreu will den Ball lieber flach halten: "Wir wissen, wie groß die Freude in Uruguay ist. Aber wir dürfen uns jetzt nicht davon ablenken lassen. Zunächst einmal konzentrieren wir uns auf die Partie gegen Mexiko und darauf, die Vorrunde möglichst als Tabellenführer abzuschließen. Was danach kommt, werden wir noch früh genug analysieren können."

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