FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™

11 Juni - 11 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™

Abidal: Mein Kindheitstraum

© AFP

Im August 2004 feierte Eric Abidal sein Debüt als linker Außenverteidiger in der französischen Nationalmannschaft. Inzwischen wechselte er seine Position innerhalb der Abwehr und gilt heute als unumstrittener Chef in Frankreichs Innenverteidigung. Damit wandelt Abidal schon seit einiger Zeit in den Fußstapfen seines berühmten Vorgängers Lilian Thuram. Doch das ist bei Weitem nicht die einzige Gemeinsamkeit, die bei einem Vergleich der beiden Abwehrspieler ins Auge fällt. Beide haben einst ihre Karriere in Monaco begonnen, bevor sie ein paar Jahre später im Trikot des FC Barcelona für Furore sorgten.

Ein entscheidender Unterschied zwischen den beiden Top-Verteidigern besteht indes schon. Bevor er im Jahr 2008 seine aktive Laufbahn beendete, hatte Thuram beim FIFA Weltpokal France '98™ und auch bei der UEFA EURO 2000 mit Frankreich den Titel gewonnen. Dem heute 30-jährigen Linksverteidiger von Barça bleibt allerdings noch ein bisschen Zeit, um seine Karriere eines Tages ebenso erfolgreich zu beenden wie sein legendärer Vorgänger. Eine gewisse Eile scheint dennoch geboten. Daher will Abidal auf dem Weg dahin möglichst keine Zeit mehr verlieren.

Tatsächlich wird er schon bald Gelegenheit bekommen, die Umsetzung dieses Vorhabens in Angriff zu nehmen. Denn bei der bevorstehenden FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ bietet sich Abidal die große Chance, die Enttäuschung vom verlorenen WM-Finale gegen Italien in Deutschland 2006 vergessen zu machen. "Diese Niederlage macht mir immer noch zu schaffen. Dabei waren wir dem Titel so nahe…", so der Vize-Weltmeister von 2006, der von Thuram übrigens auch dessen medienfreundliche Art übernommen zu haben scheint, im Gespräch mit FIFA.com. "Für eine Aussage darüber, ob wir unsere Leistung von der vorigen WM-Endrunde in Südafrika wiederholen können, ist es noch zu früh. Sicher ist hingegen schon jetzt, dass die Form der gesamten Mannschaft bei einem solch hochkarätig besetzten Turnier absolut stimmen muss."

"Müssen auf und abseits des Platzes hart arbeiten"
Während der WM-Qualifikation waren die Bleus von dieser Form jedoch weit entfernt. Obwohl das Los dem Team von Nationaltrainer Raymond Domenech durchaus lösbare Aufgaben beschert hatte, ging der Gruppensieg am Ende an Serbien, so dass man in die Playoffs musste und dort gegen Irland erst in der Verlängerung des Rückspiels (0:1, 2:1 n. V.) das Ticket für Südafrika 2010 lösen konnte. Nicht gerade eine Empfehlung für eine Mannschaft, die im Juni dieses Jahres zum Kreis der Titelanwärter zählen will. "Seit 2006 hat sich vieles verändert", so Abidal mit Blick auf die derzeitigen Probleme seiner Nationalmannschaft. "Wir haben keinen Zidane, keinen Thuram und keinen Makelélé mehr. Und auch Vieira steht nicht mehr zur Verfügung. Andererseits haben wir eine ganze Reihe neuer und junger Spieler in der Mannschaft. Deshalb bleibt uns nur, hart an uns zu arbeiten. Zuerst müssen wir sowohl auf dem Platz wie auch abseits davon miteinander klarkommen, das ist nie ganz einfach. Danach gilt es, die Arbeit gezielt weiterzuführen, um gute Spiele abzuliefern und die gewünschten Ergebnisse zu erzielen."

Was die Ergebnisse als solche anbelangt, so kann Abidal bereits auf eine überaus erfolgreiche Bilanz verweisen. Nach den drei französischen Meistertiteln, die er in ebenso viel Spielzeiten mit Olympique Lyon gewonnen hatte, entwickelte er sich beim FC Barcelona zu einer der wichtigsten Stützen einer Mannschaft, mit der er im Jahr 2009 Fussballgeschichte schrieb und sechs von sechs möglichen Klub-Titeln holte. Ironie des Schicksals: In der Nationalmannschaft sah sich ausgerechnet der linke Außenverteidiger des aktuell besten Klubs der Welt durch Patrice Evra von jener Verteidigerposition verdrängt, auf der er noch im Finale von Deutschland 2006 gespielt hatte. Abidal nahm es gelassen, zumal er sich in der zentralen Abwehr ohnehin wohler fühlt. Seiner Klasse tat dies jedenfalls keinen Abbruch. Im Gegenteil: Inzwischen wurde deutlich, dass sich Abidal hervorragend mit William Gallas ergänzt, wodurch mögliche Alternativbesetzungen durch Spieler wie Sébastien Squillaci, Julien Escudé, Jean-Alain Boumsong und Philippe Mexès erst einmal in den Hintergrund gedrängt wurden.

Demnach dürften die Bleus in den letzten Testspielen vor Südafrika 2010 aller Wahrscheinlichkeit nach mit Gallas und Abidal als Innenverteidiger-Duo auflaufen. Zum Auftakt der Vorrunde des WM-Turniers steht den Franzosen dann mit der Partie gegen Uruguay ein erster Härtetest bevor. "Die Südamerikaner haben hervorragende Techniker in ihren Reihen, ähnlich wie die Argentinier und Brasilianer. Hinzu kommt ihr enormer Kampfgeist. Wir werden also nicht nur gut spielen, sondern uns auch sonst mächtig ins Zeug legen müssen, um diesbezüglich nicht ins Hintertreffen zu geraten", so die Warnung von Abidal, für den es im zweiten Gruppenspiel gegen Mexiko ein Wiedersehen mit einem "alten" Bekannten geben wird. "Rafa Márquez und ich reden schon jetzt fast jeden Tag darüber! Die Mexikaner haben eine äußerst clevere Mannschaft, stecken nie auf und sind in bedeutenden Spielen in der Lage, über sich hinauszuwachsen. Als Mexiko als einer unserer Vorrundengegner ausgelost wurde, war mir sofort klar, dass wir damit vor einer schweren Aufgabe stehen."

Geht bald ein weiterer Traum in Erfüllung?Um die Gruppenphase in der Vorrundengruppe A optimal zu meistern, werden Abidal und seine Mitspieler jedoch noch eine weitere, nicht weniger schwierige Hürde überwinden müssen. Denn der dritte Gruppengegner der *Bleus *ist kein Geringerer als das gastgebende südafrikanische Nationalteam, das die moralische Unterstützung seines ganzen Volkes hinter sich weiß. "Die WM ist für Südafrika ein historisches Ereignis, und die Tatsache, als Akteure hautnah dabei zu sein, stellt für die französische Nationalmannschaft eine Ehre dar", so der Abwehrspieler des FC Barcelona voller Vorfreude, obgleich ihm bewusst ist, dass damit auch ein hoher Druck einhergehen wird. "Das wird für uns zweifellos ein schweres Spiel, da die einheimischen Fans wie eine Wand hinter ihrer Mannschaft stehen werden."

Und Abidal weiß selbst am besten, welche Bedeutung der Unterstützung aus dem unmittelbaren Umfeld bei der Umsetzung der eigenen Träume zukommt. "Seit meiner Kindheit wollte ich immer nur Fussballer werden. Allerdings hätte ich diesen Wunsch beinahe aufgegeben, nachdem ich mir eine schwere Verletzung zugezogen hatte", gestand uns der Nationalverteidiger im Rückblick auf seine Jugend. "Zum Glück munterte meine Mutter mich damals mit den Worten auf: 'Fussball ist doch dein Traum, also wirst du das auch schaffen. Ich würde dich gern noch eine Weile spielen sehen'. Und ob ich es geschafft habe! Wenn Sie die Kinder von heute nach ihren Träumen fragen, werden Sie millionenfach zur Antwort bekommen, dass sie einmal Fussballer werden wollen. Ich persönlich hatte das Glück, mir meinen Traum zu erfüllen und meine Leidenschaft zum Beruf machen zu können."

Und was würden die Franzosen antworten, wenn man sie nach ihrem Wunsch für den kommenden Sommer fragen würde? Mit Sicherheit würden ebenfalls Millionen von ihnen sagen, dass sie sich von ihrer Nationalmannschaft den zweiten WM-Titel erhoffen. Noch ein Traum also, den sich Abidal nur allzu gern erfüllen würde.

Mehr zu diesem Thema erfahren

Empfohlene Artikel

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™

Dunga vertraut Baptista

20 Jan 2010

FIFA Club World Cup 2009

Eric Abidal

15 Dez 2009