FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™

14 Juni - 15 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2018™

In Russland grassiert nach der WM das Dzyuba-Fieber

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  • Russland verbesserte sich in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste dank des starken Abschneidens bei der Heim-WM um 21 Plätze
  • Ein wichtiger Erfolgsfaktor war Artem Dzyuba, der seine Teamkameraden perfekt für die Spiele motivierte
  • Der imposante Stürmer wurde zum Publikumsliebling in Russland

Nach der Verlängerung stand es in einem der packendsten Spiele der FIFA Fussball-WM 2018™ zwischen Gastgeber Russland und Kroatien 2:2 unentschieden. Der Sieger musste somit im Elfmeterschießen ermittelt werden. Die Spieler der "Sbornaja" bildeten eine große Traube rund um einen Mann, der seine Teamkameraden geradezu inbrünstig für den entscheidenden letzten Akt des Abends motivierte.

Trotz des ohrenbetäubenden Lärm im Fischt-Stadion in Sotschi fingen die TV-Kameras jedes Wort der leidenschaftlichen Ansprache von Artem Dzyuba auf. Der hoch aufragende Stürmer war bereits ausgewechselt worden und konnte somit im Elfmeterschießen nicht mehr antreten. Dennoch war er es, der seine Teamkameraden motivierte:

"Jungs, ich bin sehr stolz auf euch! Ich liebe euch! Genießt einfach den Moment. Er [Kroatiens Torhüter Danijel Subasic, Red.] bewegt sich meist früh. Übereilt es also nicht! Wenn ihr euch nicht sicher fühlt, schießt einfach in die Mitte! Auf geht's!"

Letztlich führte Dzyubas leidenschaftliche Ansprache allerdings nicht zum Erfolg und Kroatien holte sich den letzten Platz im Halbfinale. Nach dem Spiel brach Artem vor laufenden Kameras und damit vor den Augen des ganzen Landes in Tränen aus:

"Ich bin sehr stolz auf meine Teamkameraden und liebe sie wie meine eigene Familie. Ja, wir sind zu einer großen Familie geworden. Wir wollten dem ganzen Land beweisen, dass der Fussball hier lebt, damit die Menschen stolz auf uns sein können. Vielen Dank euch allen. Wir sind am Boden zerstört."

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Artem Dzyubas emotionale Ansprache vor dem Elfmeterschießen zwischen Kroatien und Russland

Artem Dzyuba – Zahlen und Fakten

  • ​Geburtsdatum und -ort: 22. August 1988 in Moskau
  • ​Tore bei der FIFA Fussball-WM 2018™: 3
  • ​Vorlagen bei der FIFA Fussball-WM 2018™: 2
  • ​Absolvierte Spielminuten bei der FIFA Fussball-WM 2018™: 333
  • ​Klub: Zenit Sankt Petersburg
  • ​Dzyubas Tor gegen Ägypten kam in die Auswahl zum schönsten Tor des Turniers

Nach dem historischen Auftritt bei der WM im eigenen Land hat die russische Nationalmannschaft ihren größten Sprung aller Zeiten in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste hingelegt und sich um 21 Plätze auf Rang 49 verbessert. Die "Sbornaja" hat die Herzen des gesamten Landes gewonnen und die größte Verehrung hat sich Artem Dzyuba verdient.

Der Stürmer hat zwar nicht so viele Treffer erzielt wie Denis Cheryshev (4) und er hat das Team auch nicht gerettet wie Torhüter Igor Akinfeev, doch nach der WM wird er mit Zuneigung geradezu überschüttet, wie kaum ein russischer Fussballer vor ihm.

Seine Ansprache im Viertelfinale gegen Kroatien war indes nicht die einzige Gelegenheit, die Artem für die Motivation nutzte. Schon vor dem Eröffnungsspiel der FIFA Fussball-WM 2018™ hatte Dzyuba sich an die Fans gewandt, die nicht an das Team glauben wollten, und sie aufgefordert, der Mannschaft dennoch den Rücken zu stärken. Auch vor dem Anstoß gegen Saudiarabien motivierte er seine Mitspieler in der Umkleidekabine, obgleich er selbst gar nicht in der Startaufstellung stand. Seine Worte hatten einen derart starken Effekt, dass es ihm ab sofort zufiel, vor jeder Partie zu den Spielern zu sprechen.

Dabei gelang es Artem, nicht nur die Spieler sondern auch die Fans zu erreichen: Vor Beginn der WM folgten ihm auf Instagram gerade einmal 170.000 Fans. Mittlerweile liegt diese Zahl über 1,2 Millionen. Nach dem Ausscheiden gegen Kroatien lud er 22 Bilder mit seinen Teamkameraden im russischen Kader hoch und versah jedes mit der Bildunterschrift: "Meine Kämpfer! Mein Stolz!"

Wenn Dzyuba heute für seinen Klub Zenit Sankt Petersburg aufläuft, wird er wie ein Held bejubelt: Ganze Stadien singen seinen Namen, Banner zu seinen Ehren werden entrollt und immer wieder muss der neue Publikumsliebling nach den Spielen unzählige Autogramme geben. Man kann sich sogar eine beliebte Navigations-App herunterladen und sich von Dzyubas Stimme durch die Straßen leiten lassen.

Dzyuba über seine Popularität nach der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™

  • "Es fühlt sich an, als würde ich fliegen, wenn das ganze Stadion meinen Namen singt. Das ist ein unbeschreibliches Gefühl."
  • "Wir müssen dieses Feuer in unseren Herzen und unserer Seele bewahren. Wir werden weiterhin mit diesem Antrieb in uns kämpfen, denn all diese Gefühle sind einfach unglaublich."
  • "Erstmals seit langer Zeit sind wir wirklich vereint: das Land und die Mannschaft – wir bilden nun ein Ganzes."
  • "Endlich ist es uns gelungen, das Land wieder auf unsere Seite zu ziehen. Diese magische Atmosphäre wollen wir nicht wieder verlieren."

Dzyuba feierte gestern seinen 30. Geburtstag, doch er wirkt deutlich jünger. Mit seiner Spontaneität und seiner Art und Weise, sein Herz auf der Zunge zu tragen, hat er das ganze Land geradezu infiziert. Auf dem Fussballfeld begeistert er die Fans unterdessen weiterhin mit Einsatz und Leidenschaft. In den fünf Spielen seit der WM erzielte er fünf Tore und ging fünf Mal als Sieger vom Platz. Mit Zenit Sankt Petersburg schaffte er das Wunder, sich trotz einer 0:4-Hinspielniederlage gegen Dinamo Minsk noch für die UEFA Europa League zu qualifizieren: Das Rückspiel gewann Zenit mit 8:1! Artem zeichnete für drei Tore verantwortlich – und wer das Team am meisten motiviert hat, dürfte wohl auch klar sein…

Das Erfolgsmärchen des Artem Dzyuba ist noch nicht zu Ende, doch sein Name steht schon jetzt unauslöschlich in den Annalen des russischen Fussballs.

Die besten Torjäger der UdSSR und Russlands bei WM-Turnieren:

6 – Oleg Salenko (1994)
5 – Valentin Ivanov (1958, 1962)
4 – Igor Belanov (1986), Anatoly Byshovets (1970), Debis Cheryshev (2018), Igor Chislenko (1962, 1966), Valery Porkuyan (1966)
3 – Artem Dzyuba (2018)

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