FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 1950™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 1950™

24 Juni - 16 Juli

An diesem Tag...

22. Mai 1950: Erste WM-Endrundenauslosung in Brasilien

Final Draw for the 1950 FIFA World Cup
© FIFA.com

Lernen Sie den Schauplatz der Endrundenauslosung der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 1950™ kennen. Sie fand am 22. Mai 1950 in einem Palast aus dem 19. Jahrhundert in Rio de Janeiro statt.

Der Konferenzsaal des Palácio Itamaraty im Zentrum von Rio de Janeiro –damals noch Hauptstadt Brasiliens – war der ausgewählte Ort. Hier verfolgten Vertreter von 14 Ländern gebannt die Endrundenauslosung der vierten Auflage der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™.

Es war der Nachmittag des 22. Mai 1950, und die Welt leckte noch die tiefen Wunden, die durch den II. Weltkrieg aufgerissen worden waren. Doch ein Teil des Erdballs richtete seine Aufmerksamkeit auf einen goldenen Globus, in dem sich zwölf nummerierte Kugeln befanden. Sie stellten die Nationalteams dar, die an der Auslosung teilnahmen. Einige von diesen, wie etwa jene aus Europa, Asien und Mittelamerika, hatten sich zuvor über Ausscheidungsrunden qualifiziert. Die Mannschaften aus Südamerika waren hingegen zu dem Turnier eingeladen worden.

Die Nationalteams von Brasilien, England, Italien und Uruguay befanden sich nicht im Lostopf. Sie waren zuvor vom Brasilianischen Sportverband unter Absprache mit der FIFA-Organisationskommission als Gruppenköpfe festgelegt worden. Die vier Mannschaften waren in ihren jeweiligen Gruppen gesetzt, welche folgendermaßen gestaltet waren: Es gab zwei Gruppen mit vier Teams, eine mit drei sowie eine vierte Gruppe mit lediglich zwei Mannschaften.

Official poster 1950 FIFA World Cup Brazil™
© Others

Nummeriert waren die Loskugeln wie folgt: (1) Bolivien; (2) Chile, (3) Spanien; (4) USA; (5) Frankreich; (6) Indien; (7) Jugoslawien; (8) Mexiko; (9) Paraguay; (10) Schweden; (11) Schweiz sowie (12) ein noch zu bestimmendes Team.

Der Umstand, dass noch Unklarheit über den zwölften WM-Teilnehmer im Lostopf bestand, hatte einen bestimmten Grund. Die Türkei, die sich in der Europa-Qualifikation durchgesetzt hatte, hatte auf ihre Teilnahme an der Weltmeisterschaft verzichtet. Um ihren Startplatz einzunehmen, wurde daraufhin Portugal eingeladen, das allerdings ebenfalls auf die Turnierteilnahme verzichtete.

Neben den diplomatischen Vertretern von 14 teilnehmenden Ländern – Bolivien hatte keine Abgesandten zu der Auslosung geschickt – versammelten sich ebenfalls Journalisten, Fotografen und Radioreporter im Palácio Itamaraty. Alle warteten gespannt darauf, die Gegner ihrer Nationalmannschaften in Erfahrung zu bringen. Dabei sprachen sie laut in unterschiedlichen Sprachen und sorgten für ein chaotisches Wirrwarr in dem Saal.

Stille trat erst ein, als Brasiliens Außenminister Raul Fernandes die Betätigung der Lostrommel ankündigte und daraufhin die erste Kugel heraus fiel.

"Nummer sieben", rief er und verkündete damit den Namen des ersten Gegners der brasilianischen Nationalmannschaft, die in der Gruppe 1 gesetzt war.

Es war Jugoslawien.

Danach ertönte die Stimme des Ministers erneut: "Nummer drei in die Gruppe 2."

Dabei handelte es sich um Spanien, das in die England-Gruppe gelost wurde.

So wurden die Kugeln nach und nach aus dem goldenen Behältnis gezogen, bis die Zusammenstellung der Gruppen feststand:

Gruppe 1: Brasilien, Jugoslawien, Mexiko und Schweden

Gruppe 2: England, Spanien, USA. und Chile

Gruppe 3: Italien, Schweden, Paraguay und Indien

Gruppe 4: Uruguay, Frankreich, Bolivien und das noch zu bestimmende Team.

So verlief die erste Endrundenauslosung einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft in Brasilien, die exakt einen Monat und zwei Tage später beginnen sollte.

Im Nachhinein wurden die Gruppen allerdings wieder geändert. Nach dem Verzicht der Türkei und von Portugal sagte nämlich auch Indien seine WM-Teilnahme ab. Die indischen Spieler verweigerten ihr Mitwirken am Turnier, weil es ihnen nicht erlaubt wurde, barfuß zu spielen. Schließlich sagte auch Frankreich seine Teilnahme aus Protest ab. Der Spielplan hätte dem Team eine Reise von 3.500 km zwischen zwei Partien abverlangt.

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