FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™

14 Juni - 15 Juli

FIFA WM 2018™

Artem Dzyuba: Ein Traum wird wahr

Russia v Egypt: Group A - 2018 FIFA World Cup Russia
© Getty Images
  • Artem Dzyuba rutschte erst in letzter Minute in den russischen WM-Kader
  • Fast zwei Jahre lang war der Stürmer nicht berücksichtigt worden
  • Er traf bisher in beiden Spielen der Sbornaja

Von Igor Borunov*, Teamreporter Russland*


Nach der Partie zwischen Russland und Ägypten war Artem Dzyuba bei den Medien ein gefragter Mann. Er gab ein Flash-Interview, beantwortete Fragen von FIFA TV und verbrachte mehr Zeit in der Mixed Zone als jeder andere Spieler. "Ich bin müde, aber es ist eine schöne Erschöpfung", meinte er lächelnd. Kein Wunder, denn der russische Stürmer hat bislang bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2018™ auf heimischem Boden bei jedem Spiel ein Tor erzielt.

Dzyuba gehörte bereits zuvor zu den Leistungsträgern im russischen Nationalteam. Während der Qualifikation für die UEFA EURO 2016 war er eine große Stütze des russischen Teams und erzielte acht Treffer, darunter den entscheidenden gegen Schweden. Damals schien Dzyuba dem Schweden Zlatan Ibrahimović in nichts nachzustehen, doch die Lage sollte sich bald ändern. Das Turnier in Frankreich lief für Russland nicht wie geplant, und während der nächsten beiden Jahre kam Dzyuba nur zu einem einzigen Einsatz im Freundschaftsspiel gegen Costa Rica (3:4), bei dem er einen Doppelpack erzielte. Beim FIFA Konföderationen-Pokal 2017 musste der Torjäger verletzungsbedingt passen.

Dann hatte er auf Vereinsebene einige Probleme mit Roberto Mancini, dem Cheftrainer von Zenit Sankt Petersburg, der ihn kaum einsetzte. Die WM rückte immer näher, und dem Stürmer war klar, dass etwas passieren musste.

Russia v Saudi Arabia: Group A - 2018 FIFA World Cup Russia
© Getty Images

Dzyuba traf eine gewagte Entscheidung: Er wechselte auf Leihbasis zum Arsenal Tula, einem Klub im Tabellenmittelfeld der russischen Liga. Dies sollte sich als brillanter Schachzug erweisen. Der Stürmer bestritt zehn Spiele für die russischen Gunners und erzielte sechs Treffer. Der russische Cheftrainer Stanislav Cherchesov lobte seine Leistung über den grünen Klee. Cherchesov war in diesem Augenblick in einer schwierigen Situation, denn sein Team verlor einen Spieler nach dem anderen. Der russische Top-Torschütze Alexander Kokorin hatte sich verletzt, sodass Dzyuba kurz vor dem Start der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2018™ nominiert wurde, um Fedor Smolov zu unterstützen – den einzigen russischen Stürmer, der fit war und regelmäßig Tore erzielte.

Nachdem der scharfzüngige Dzyuba gegenüber Medienvertretern geäußert hatte, er sei ohnehin nur als Bankdrücker dabei, aber glücklich, überhaupt die WM zu bestreiten, fing er sich sofort einen Rüffel von Stanislav Cherchesov ein. Der Trainer machte deutlich, dass er allein zu entscheiden hätte, wer spielt und wer nicht. Cherchesov hatte recht. Dzyuba nahm zwar im Eröffnungsspiel gegen Saudiarabien zunächst auf der Bank Platz, wurde jedoch in der zweiten Halbzeit eingewechselt und erzielte zwei Minuten später ein Tor. Er eroberte das Spiel und die Weltbühne im Sturm.

"Ich bin überglücklich", so Dzyuba nach seinem ersten WM-Tor. "Der Weg bis hierher war steinig. Jetzt würde ich gern sagen, dass wahrscheinlich alles seinen Grund hatte. Ich musste viele Hindernisse überwinden."

So fing es an. In der Partie gegen Ägypten war Dzyuba nicht aufzuhalten. Er war an allen drei Angriffen beteiligt, die zu Toren führten, und erzielte selbst einen meisterlichen Treffer, der ganz Russland in Euphorie versetzte.

Er durfte in Sankt Petersburg, der Stadt seines Klubs, endlich wieder einen Treffer feiern – diesmal im Trikot seiner Nationalmannschaft und beim größten Turnier seines Lebens. Er ist wieder ein Held, lebt ein Fussballmärchen und möchte nicht, dass es endet.

"Wir haben ein Minimalziel erreicht", meint ein glücklicher Dzyuba. "Aber die WM ist noch nicht vorbei. Es mag vielleicht etwas unverschämt erscheinen, aber jetzt wollen wir um den ersten Platz in der Gruppe kämpfen. Wir hatten Glück, aber wir haben es uns mit unserer Begeisterung und unserer Leidenschaft verdient. Einer hat für den anderen gekämpft. Das ganze Land hat hinter uns gestanden. Wir haben diesen Sieg verdient, weil wir den Ägyptern keinen Zentimeter geschenkt haben. Lasst uns über die Brücke gehen, wenn wir sie erreichen. Ich bin überglücklich, hier zu sein, zu spielen und Tore zu schießen – das war mein Kindheitstraum."

Mehr zu diesem Thema erfahren

Empfohlene Artikel