FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™

11 Juni - 11 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™

Südafrika sagt "Goodbye"

The Spain team celebrate victory with the World Cup, on the podium
© Getty Images

Am Ende der 19. FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ hatte man auf beiden Seiten der Straße von Gibraltar Grund zum Jubeln: In Afrika feierte man die erfolgreiche Ausrichtung des Turniers, während in Spanien die Fans frenetisch den ersten Titelgewinn ihrer Roja bejubelten.

Es war die erste FIFA Fussball-Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden, und sie wird nicht nur wegen der nahezu perfekten Organisation und der Freundlichkeit der Gastgebernation unvergesslich bleiben, sondern auch wegen des Titelgewinns der spanischen Mannschaft, die dank des Treffers von Andres Iniesta in der 116. Minute des Endspiels gegen die Niederlande nun als achte Nation den Weltmeistertitel gewonnen hat.

Der Titelgewinn der Spanier im markanten Soccer-City-Stadion setzte den Schlusspunkt unter 31 Tage, in denen sich alles um den Fussball drehte: 64 Spiele in neun FIFA WM-Städten, in denen insgesamt 599 Spieler aus 32 Mannschaften zum Einsatz kamen und 145 Tore erzielten. Am Ende des Turniers hielten die Schützlinge von Vicente del Bosque zwar den Pokal in den Händen, doch das war nicht die einzige Erfolgsgeschichte der WM: die Regenbogen-Nation Südafrika hatte voller Selbstbewusstsein ein nahezu perfekt organisiertes Turnier auf die Beine gestellt, das für den gesamten Kontinent ein Symbol der Hoffnung war. Und obgleich Südafrika als erster WM-Gastgeber nach der ersten Runde ausschied, schmälerte dies nicht den Enthusiasmus der Menschen im Lande, die auch weiterhin unvermindert für die unvergleichliche akustische Untermalung der Spiele durch die Vuvuzelas sorgten.

*Oranje *mit gemischten Gefühlen
Südafrika 2010 war ein Turnier mit zahlreichen Überraschungen. Auch Spanien war davon betroffen und kassierte zum Auftakt eine Niederlage gegen die Schweiz. Doch ihre verbleibenden sechs Spiele gewannen die Iberer ausnahmslos, die letzten vier indes jeweils nur mit dem Minimalergebnis von 1:0. Noch nie hat eine Mannschaft mit lediglich acht Toren den Titel geholt. Trotzdem spielten die Spanier zumindest streckenweise den begeisternden Fussball, den sie in den vergangenen Jahren so oft gezeigt haben. Xavi und Iniesta ließen ihre gewohnte Passsicherheit erkennen, Torjäger David Villa agierte brandgefährlich und Schlussmann Iker Casillas zeigte nicht nur im Finale bei zwei Rettungstaten im direkten Duell gegen Arjen Robben, dass er als bester Torhüter des Turniers den Goldenen Handschuh von adidas verdient hatte.

Auf Seiten der Niederlande wird man mit gemischten Gefühlen an Südafrika zurückdenken. Bereits zum dritten Mal zog Oranje in einem WM-Finale den Kürzeren, wie schon 1974 und 1978. Die Niederländer von Bert van Marwijk gewannen alle sechs Partien auf dem Weg ins Finale. Zwar war das Spiel der Mannschaft stärker ergebnisorientiert als bei früheren Turnieren, doch die Offensivkräfte in der weithin beliebten 4-2-3-1-Formation konnten dennoch überzeugen. So brachte es beispielsweise Wesley Sneijder auf nicht weniger als fünf Tore.

Persönliche Auszeichnungen
Das deutsche Team von Bundestrainer Joachim Löw sorgte für eine weitere Erfolgsgeschichte. Die Fussballwelt zeigte sich beeindruckt vom überwältigenden Konterspiel des jungen Teams, das vier Treffer gegen England und erneut vier gegen Argentinien erzielte. Dann allerdings ging das neue Sommermärchen durch eine knappe Halbfinalniederlage gegen Spanien jäh zu Ende. Ebenso wie schon 2006 holten die Deutschen die Bronzemedaille, und ebenso wie 2006 erzielten sie die meisten Turniertore, dieses Mal sogar 16. Stürmer Thomas Müller wurde mit der Hyundai-Auszeichnung "Bester Junger Spieler" bedacht und gewann außerdem auch noch den Goldenen Schuh von adidas als bester Torjäger mit fünf Treffern und drei Vorlagen. Villa, Sneijder und Diego Forlan brachten es ebenfalls auf fünf Treffer, spielten aber weniger Vorlagen als Müller, dessen fünf platzierte Torschüsse alle in den Maschen landeten.

Die andere große persönliche Auszeichnung ging an Forlan, der den Goldenen Ball von adidas für seine herausragenden Einsätze für Uruguay, die große Überraschungsmannschaft des Turniers. Erstmals seit 40 Jahren zog Uruguay unter Trainer Oscar Tabarez wieder ins Halbfinale einer WM ein. Forlan kam besser als alle anderen Akteure mit dem Jabulani-Ball zurecht und auch Luis Suarez war ein ständiger Gefahrenherd.

Gyan als tragischer Held
Bis zum Viertelfinale hatte es so ausgesehen, als könne dies die WM der südamerikanischen Teams werden. Zum ersten Mal überhaupt gelang allen fünf Vertretern der CONMEBOL-Zone der Sprung aus der Gruppenphase, vier davon sogar als Gruppensieger. Die Chilenen konnten mit ihrer offensiven, attraktiven Spielweise die 48 Jahre währende Wartezeit auf einen WM-Sieg beenden und landeten am Ende in ihrer Gruppe auf Platz zwei hinter Spanien. Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay zogen anschließend im Gleichschritt ins Viertelfinale ein – für Paraguay war es das erste Mal. Insbesondere die Angriffsabteilung der Argentinier hinterließ einen herausragenden Eindruck, doch Maradonas großer Traum eines weiteren Weltmeistertitels für sein Land zerplatzte bei der herben Niederlage gegen die Deutschen. Auch die Hoffnungen der Brasilianer zerplatzten zum zweiten Mal in Folge im Viertelfinale. Die zweite Halbzeit der Partie gegen die Niederlande entwickelte sich für die Schützlinge von Dunga zu einem einzigen Alptraum.

Der Tag des Sieges von Oranje gegen die Brasilianer war ohnehin der dramatischste Tag des ganzen Turniers, denn am Abend kam es im Soccer-City-Stadion zur Partie zwischen Uruguay und Ghana. Die Black Stars schrammten nur um Haaresbreite am ersten Halbfinaleinzug eines afrikanischen Teams vorbei. Doch der Strafstoß von Asamoah Gyan in der letzten Minute der Verlängerung knallte gegen die Latte und dann ins Aus. Im anschließenden Elfmeterschießen versenkte Gyan seinen Schuss problemlos, doch am Ende setzte sich dennoch Uruguay durch.

Enttäuschende Afrikaner
Der Vorstoß von Ghana mit Siegen gegen Serbien und die USA blieb allerdings der einzige Lichtblick beim Abschneiden der afrikanischen Teams. Das Team der Gastgeber unter Startrainer Carlos Alberto Parreira schied trotz eines Sieges gegen Frankreich aufgrund der schlechteren Tordifferenz gegenüber Mexiko nach der Gruppenphase aus. Dennoch konnten *Bafana Bafana *erhobenen Hauptes vom Feld gehen, hatten sie doch eines der schönsten Turniertore erzielt, nämlich gleich im Eröffnungsspiel, als Siphiwe Tshabalala einen gewaltigen Linksschuss in die Maschen des mexikanischen Tores jagte. Die Elfenbeinküste scheiterte ebenso wie Südafrika mit vier Punkten auf dem Konto nur knapp, doch die anderen afrikanischen Teilnehmer Algerien, Kamerun und Nigeria wurden alle Gruppenletzter.

Die USA zeigten gleich mehrere dramatische Partien. Zunächst holten sie gegen Slowenien einen Zweitore-Rückstand auf und dann sicherten sie sich im letzten Gruppenspiel den Einzug in die nächste Runde, als Landon Donovan in letzter Sekunde den Siegtreffer gegen Algerien erzielte. Der 3:2-Sieg der Slowakei gegen Italien war ebenfalls ein unvergesslicher Höhepunkt der Gruppenphase. Robert Vittek trug mit einem Doppelpack zum Ausscheiden des Titelverteidigers bei und sorgte gleichzeitig dafür, dass die Schützlinge von Vladimir Weiss gleich bei ihrer ersten WM-Teilnahme als unabhängiges Land ins Achtelfinale einzogen.

Europa setzt sich durch
Einige weitere Teams haben sich ebenfalls viel Lob verdient. So präsentierte Mexiko eine Mannschaft mit mehreren vielversprechenden jungen Talenten und schaffte zum fünften Mal in Folge den Sprung ins Achtelfinale. Japan und die Republik Korea konnten sich zum ersten Mal außerhalb des eigenen Landes für die Achtelfinalrunde qualifizieren. Neuseeland wiederum, das erstmals seit 1982 wieder bei einer WM-Endrunde dabei war, musste als einziges Team ohne Niederlage die Heimreise aus Südafrika antreten. Griechenland und Slowenien konnten ihre ersten WM-Siege feiern. Tintenfisch Paul, das Tentakel-Orakel aus Oberhausen, entwickelte sich unterdessen mit seinen stets richtigen Prognosen zu einem absoluten Publikumsliebling. Weniger schön waren die sportlichen Misserfolge zweier großer europäischer Fussballnationen. Das italienische Team und die innerlich völlig zerstrittene französische Mannschaft, die 2006 noch das Finale bestritten hatten, schieden in ihren Gruppen jeweils als Letzter aus, nachdem beide keinen Sieg holen konnten. England wiederum kassierte beim 1:4 gegen Deutschland seine höchste WM-Niederlage aller Zeiten.

Andererseits war das Finale dann eine rein europäische Angelegenheit. Erstmals konnte ein europäisches Team auf einem anderen Kontinent den Titel holen. Doch auch Afrika hatte eine ganze Menge zu feiern. Ganz besonders dürfte sich Nelson Mandela über die gelungene WM-Endrunde gefreut haben, der das Publikum im Soccer-City-Stadion mit seinem kurzen Erscheinen vor dem Finale begeisterte. FIFA-Präsident Joseph S. Blatter sagte über den Mann, der eine solch wichtige Rolle bei der Schaffung des modernen Südafrika spielte: "Diese Weltmeisterschaft hatte einen speziellen Impuls, der in Zusammenhang mit der Geschichte der Freiheit und der Geschichte eines Mannes steht."

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