Folge uns auf
FIFA WM 2010™

Herber Dämpfer für die DFB-Auswahl

(FIFA.com)
Sami Khedira of Germany shows his frustration
© Getty Images

Deutschland hat bei der FIFA WM 2010™ einen herben Dämpfer erlitten. Nach einem atemberaubenden Turnierauftakt folgte an diesem Freitagnachmittag in Port Elizabeth eine 0:1-Niederlage gegen Serbien. Der Kampf um die Achtelfinaltickets in der Gruppe D ist damit wieder völlig offen.

Serbiens Offensivmann Milan Jovanovic avancierte mit seinem Siegtreffer in der 38. Minute zum gefeierten Helden, nachdem der deutsche Angreifer Miroslav Klose nur Sekunden vorher mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen wurde. Pech hatte zudem Lukas Podolski, der nach exakt einer Stunde Spielzeit mit einem Handelfmeter an Keeper Vladimir Stojkovic scheiterte.

Obwohl Bundestrainer Joachim Löw vor dem Spiel verraten hatte, über einen personellen Wechsel nachzudenken, vertraute er schließlich der gleichen Startelf, die beim spektakulären 4:0-Auftaktsieg gegen Australien begann. Auf Seiten der Serben gab es derweil drei Änderungen im Vergleich zur 0:1-Niederlage gegen Ghana: Innenverteidiger Neven Subotic rückte für den gesperrten Aleksandar Lukovic ins Team, Offensivkraft Milos Ninkovic erhielt den Vorzug vor Marko Pantelic und Zdravko Kuzmanovic durfte im defensiven Mittelfeld für Nenad Milijas ran.

Auf der Suche nach dem finalen PassDas teilweise neuformierte Ensemble von Radomir Antic begann die Partie wütend und ließ keinen Zweifel aufkommen, dass man den Fehlstart in das Turnier unbedingt vergessen machen wolle. Doch bereits nach wenigen Minuten nahm der dreimalige Weltmeister den Schwung aus dem serbischen Spiel, indem man den Ball lange und sicher in den eigenen Reihen zirkulieren ließ, um mit Geduld auf die Lücke in der massiven gegnerischen Abwehr um Serbiens Superstar Nemanja Vidic zu warten. Riskante Direktabnahmen von Sami Khedira aus naher Distanz und Lukas Podolski von der Strafraumgrenze landeten in der Anfangsphase jeweils hinter dem Tor.

Zwölf Minuten waren gespielt, als die Südosteuropäer ihrerseits erstmals gefährlich vor dem deutschen Schlussmann Manuel Neuer auftauchten. Milos Krasic setzte sich auf der rechten Seite durch und bediente den im Rücken der gegnerischen Abwehr lauernden Ninkovic, dessen Volleyabnahme über die Querlatte segelte. Allzu offensichtlich war, dass die Antic-Truppe immer wieder versuchte, das Flankenspiel zu forcieren, um dann den mehr als zwei Meter großen Sturmhünen Nikola Zigic mit Hereingaben zu füttern. Mehr als zwei harmlose Kopfbälle der serbischen Nummer 15 konnten in den ersten 30 Minuten jedoch nicht verbucht werden.

Doppelter Rückschlag für DeutschlandEs folgte ein Spielverlauf, der Deutschland geschockt in die Halbzeitpause gehen ließ. Nachdem ein knapp an Neuers Gehäuse vorbeigeflogener Freistoß von Aleksandar Kolarov eine serbische Drangphase ankündigte, leistete sich Miroslav Klose in der 37. Minute gegen Dejan Stankovic ein völlig überflüssiges Foul außerhalb jeglicher Gefahrenzone, so dass der ohnehin schon vorbelastete Gewinner des adidas Goldenen Schuhs der FIFA WM 2006 mit der Gelb-Roten Karte vom Platz gestellt wurde.

Für Löws Schützlinge kam es aber noch schlimmer, denn 60 Sekunden später landete eine Krasic-Flanke auf dem Kopf des am langen Pfosten lauernden Zigic, der für Milan Jovanovic ablegte, und der Mann von Standard Lüttich hatte keine Mühe, unbedrängt und aus kurzer Distanz das Leder zur serbischen Führung über die Linie zu bugsieren. Weil die jungen Deutschen kurz vor dem Halbzeitpfiff zudem bei einem Lattenkracher den prompten Ausgleich verpassten, hatte der Bundestrainer in der Kabine jede Menge Arbeit, seine Mannen wieder aufzurichten.

Podolski scheitert aus elf Metern
Löw reagierte nicht und schickte die gleichen zehn Mann in die zweiten 45 Minuten, die vor dem Wechsel das Feld verlassen hatten. Özil sollte fortan, unterstützt von Podolski und Müller auf den Außen, im Wechselspiel mit Khedira in die Spitze stoßen. Nach 55 Minuten hatten die deutschen Fans fast Grund zum Jubeln: Bastian Schweinsteiger kam aus 20 Metern zum Abschluss, doch Serbiens Keeper Vladimir Stojkovic parierte den Schuss reflexartig. Diese Szene gab den in Unterzahl agierenden Deutschen wieder mehr Mut.

Die folgenden Minuten waren von Dramatik kaum mehr zu überbieten. Podolski hätte zum gefeierten Retter avancieren müssen, doch zuerst vergab er gleich zwei Mal binnen einer Minute freistehend vor dem serbischen Schlussmann aus jeweils leicht spitzem Winkel, und dann vergab der Jungstar des 1. FC Köln nach exakt einer Stunde Spielzeit auch noch einen Strafstoß, nachdem Vidic unerklärlicherweise und unbedrängt das Leder im eigenen Strafraum mit den Fingern berührte. "Elfmeter-Töter" Stojkovic wurde daraufhin von den serbischen Fans frenetisch mit Sprechchören gefeiert.

Volle OffensiveDie Stadionuhr zeigte die 67. Minute an, als die Antic-Truppe für die Vorentscheidung hätte sorgen können: Abermals war es Jovanovic, der im gegnerischen Strafraum gefährlich in Aktion trat, doch sein Linksschuss prallte vom rechten Pfosten des deutschen Gehäuses zurück ins Spiel. Daraufhin reagierte Löw und brachte mit Marko Marin und Cacau für Özil und Müller zwei frische Offensivkräfte. Doch es war der Gegner des Vize-Europameisters, der durch einen Zigic-Kopfball und einen Kolarov-Linksschuss weiter dem zweiten Tor näher war als die Deutschen ihrem ersten.

Für die Schlussviertelstunde brachte Löw nun auch noch Gomez für Holger Badstuber und setzte damit alles auf eine Karte. Podolski und der quirlige Marin kamen nun immer wieder über die linke Seite, hatten aber sowohl im Abschluss als auch im Versuch, Gomez und Cacau zu bedienen, kein Glück.

Die Gruppe D ist durch den Sieg der Serben nun wieder völlig offen. Spannung verspricht somit der dritte Spieltag am kommenden Mittwoch, an dem Deutschland im Soccer-City-Stadion von Johannesburg auf Ghana trifft, während Serbien zeitgleich in Nelspruit gegen Australien spielt.

Empfohlene Artikel

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™

Vidic: "Ich war so erleichtert"

18 Jun 2010

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™

Friedrich hofft auf "Schuss vor den Bug"-Effekt

18 Jun 2010