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FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™

Deutschland stürmt ins Halbfinale

(FIFA.com)
Arne Friedrich of Germany (2L) celebrates scoring the third goal with teammates Miroslav Klose (L), Thomas Mueller (2R) and Per Mertesacker
© Getty Images

Deutschland ist mit einem weiteren Paukenschlag ins Halbfinale der FIFA WM 2010™ eingezogen. Der dreimalige Weltmeister bezwang am Samstagnachmittag in Kapstadt Argentinien deutlich und auf spektakuläre Weise mit 4:0 (1:0) und trifft nun in der Runde der letzten Vier am kommenden Mittwochabend in Durban auf Europameister Spanien, der im zweiten Spiel des Tages Paraguay mit 1:0 aus dem Turnier warf.

Schon nach drei Minuten brachte Thomas Müller die Deutschen in Führung, ehe Miroslav Klose (2x) in seinem 100. Länderspiel und Arne Friedrich mit ihren Treffern nach dem Seitenwechsel den Endstand perfekt machten. Mit der bevorstehenden Halbfinalpartie werden Joachim Löws Schützlinge den Rekord absolvierter WM-Spiele von Brasilien überbieten. Angesichts des deutlichen Triumphs gegen die Gauchos muss man Deutschland zudem spätestens jetzt als einen heißen Kandidaten auf den Titel in Südafrika betrachten.

Müller schockt die Gauchos frühIm stimmungsvollen Rund des Green-Point-Stadions legte die junge deutsche Mannschaft los wie die Feuerwehr. Angetrieben vom stets anspielbereiten Bastian Schweinsteiger drängte das Löw-Ensemble, das ebenso wie Argentinien mit der gleichen Startelf begann wie zuletzt im Achtelfinale, die Südamerikaner von der ersten Sekunde an in die Defensive und ließ keinen Zweifel aufkommen, dass man gegen Lionel Messi und Co. das Ziel verfolgt, ihnen das eigene Spiel aufzuzwingen.

Dies sollte bereits nach weniger als 180 Sekunden belohnt werden: Der Denker und Lenker von Bayern München setzte eine Freistoß-Hereingabe von der linken Seite präzise auf die Stirn seines Vereinskollegen Müller, der sich von Bewacher Nicolas Otamendi wegschlich und das Leder per Kopf zur frühen Führung ins gegnerische Netz wuchtete. Für den 20-jährigen Angreifer war es nicht nur der vierte Treffer in Südafrika, sondern er markierte zugleich das früheste Tor überhaupt bei diesem Turnier sowie den 200. deutschen Treffer in der WM-Geschichte.

Maradonas Stars wehren sichIn der Folge präsentierte sich der dreimalige Weltmeister völlig losgelöst und frei aufspielend. Schweinsteiger und Müller bildeten mit Sami Khedira, Mesut Özil und Lukas Podolski ein Kreativ-Quintett, dem es phasenweise gelang, mit schnellen Kombinationen die argentinische Defensive komplett durcheinanderzuwirbeln. Dass die Europäer nach 24 Minuten nicht schon mit zwei Toren Vorsprung führten, lag lediglich daran, dass Torjäger Klose freistehend aus zwölf Metern infolge eines feinen Müller-Querpasses deutlich über die Querlatte der Albiceleste schoss.

Die Stars von Diego Maradona brauchten eine halbe Stunde, um ins Spiel zu finden. Erst als der argentinische Coach seine Flügelspieler Maxi Rodriguez und Angel di Maria die Seiten wechseln ließ und FIFA Weltfussballer Messi sich häufiger bis an die Mittellinie zurückzog, um das Aufbauspiel der eigenen Elf zu steuern, wurden die Gauchos stärker.

Sowohl Di Maria als auch Goalgetter Gonzalo Higuain setzten sich mit zunehmender Spieldauer häufiger auf der linken Seite gegen Jerome Boateng und Arne Friedrich durch, die Flachschüsse der beiden Offensivakteure aus jeweils rund 14 Metern konnten von Deutschlands Keeper Manuel Neuer jedoch souverän pariert werden. Da Podolski auf der Gegenseite kurz vor dem Halbzeitpfiff einen Linksschuss aus rund 20 Metern knapp am Ziel vorbeisetzte, ging die Löw-Truppe nur mit einem einzigen Wehmutstropfen in die Pause: Müller sah aufgrund eines Handspiels die zweite Gelbe Karte und ist damit in der nächsten Partie gesperrt.

Klose trifft Argentinien mitten ins HerzNach dem Seitenwechsel präsentierte sich Argentinien mit einem komplett anderen Gesicht. Fortan zwang man die Deutschen mit mehr Aggressivität und mit der Bereitschaft, die Eins-gegen-Eins-Situationen zu suchen, in die Verteidigung. Di Maria zog nach 50 Minuten von der rechten Seite in die Mitte, um sein Glück mit einem 25-Meter-Kracher zu versuchen, der allerdings knapp am deutschen Gehäuse vorbeiflog. Und auch in den nächsten Minuten kreierten die Südamerikaner eine gefährliche Torraumszene nach der anderen, bei der die deutsche Abwehr jedoch entweder in letzter Sekunde aufpassen konnte, oder – wie bei einem tückischen Aufsetzer von Carlos Tevez nach 62 Minuten – Neuer zur Stelle war.

Deutschland versuchte nun, mit Kontern gefährlich zu bleiben, doch Argentinien rannte in der Not der Verzweiflung bedingungslos an. Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, bei dem Messi, Di Maria und Higuain im Mittelpunkt standen, ihre kurzen, wendigen Antritte aber zu selten das Abwehrbollwerk der deutschen Elitekicker durchbrechen konnten. Als die Anzeigetafel die 68. Minute anzeigte, sollte sich dies aus Sicht der Albiceleste rächen: Müller spielte im Fallen Podolski auf der linken Seite frei und der 25 Jahre alte Offensivmann des 1. FC Köln hatte alle Zeit der Welt, um mit einem perfekten Querpass den heraneilenden Klose zu bedienen, so dass die deutsche Nummer elf den Ball aus kürzester Distanz ohne Mühe über die Torlinie schieben konnte. Das 2:0 erwischte die Argentinier eiskalt.

Friedrich setzte noch einen drauf
Doch damit noch nicht genug: Nur sechs Minuten später zeigte Schweinsteiger seine ganze Extraklasse, indem er den Ball auf der linken Außenbahn annahm, mit Bestimmtheit in die Mitte zog, drei Gegenspieler stehenließ und an der Grundlinie angekommen einen Rückpass zu Friedrich spielte, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort stand, um aus drei Metern zur 3:0-Vorentscheidung einzuschießen. Für den Abwehrspieler war es der erste Treffer im 77. Länderspiel.

Der eingewechselte Toni Kroos prüfte in der Schlussphase mit einem Fernschuss noch einmal Argentiniens Keeper Sergio Romero, während dessen Gegenüber Neuer in den letzten Minuten der Partie relativ beschäftigungslos blieb. Es wirkte, als hatte man sich auf Seiten der Südamerikaner nach Friedrichs Treffer mit dem bitteren Ausscheiden abgefunden, als Klose den deutschen Fans noch einmal Grund zum Jubeln gab: Nach einem Konter über Podolski tauchte der 32-Jährige alleine vor Romero auf und schob eiskalt zum 4:0-Endstand ein.

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