Homare Sawa braucht man dem geneigten Fan des Frauenfussballs zweifelsohne nicht groß vorzustellen. Die Japanerin gehört seit Jahren zu den absoluten Ikonen der weiblichen Seite des runden Leders. Unvergessen ist der Triumph der Nadeshiko 2011 bei der FIFA Frauen-WM™ in Deutschland, wo Sawa zugleich als beste Spielerin bzw. beste Torschützin des Turniers ausgezeichnet wurde. Wenige Monate später krönte sie ihre Karriere mit der persönlichen Auszeichnung zur FIFA Weltfussballerin.

Auch vier Jahre später gehört die inzwischen 36-Jährige zum japanischen Kader, der in Kanada nach der Titelverteidigung greift. Für Sawa ist es die sechste Teilnahme am globalen Gipfeltreffen - eine Rekordbilanz, die im Fussball gleichermaßen für Männer und Frauen gilt. Allerdings muss sie sich diesen Rekord mit der Brasilianerin Formiga teilen.

Kurz vor dem Achtelfinal-Duell gegen den Debütanten aus den Niederlanden traf sich FIFA.com mit der japanischen Ausnahmespielerin, um mit ihr über ihre neue Rolle im Team, den bisherigen Turnierverlauf sowie ihre Zukunft zu sprechen.

*Frau Sawa, was sagen Sie zu den Leistungen Japans bisher bei dieser Frauen-WM? *
Wir haben 2011 den Titel geholt, daher sehen uns die anderen Teams jetzt mit anderen Augen. Wir sind stark, aber eine WM zu gewinnen, ist schwer. Bislang haben wir alle drei Spiele gewonnen. Das hat neben uns nur noch Brasilien geschafft. Das ist gut für unser Selbstbewusstsein. Nicht nur auf uns bezogen, sondern auch generell, ist das Niveau der WM im Vergleich zu der vor vier Jahren deutlich gestiegen.

Sind Sie mit Ihren eigenen Leistungen zufrieden?
Im Vergleich zur letzten WM habe ich noch nicht meine besten Leistungen gezeigt und auch noch nicht getroffen. Aber ich gebe alles, um etwas zum Erfolg des Teams beitragen zu können. Ab jetzt darf man nicht mehr verlieren. Ich hoffe, dass ich ein Tor erzielen werde, wenn es die Mannschaft wirklich braucht. Aber ich möchte auch verteidigen und mich auf dem Platz voll und ganz einbringen. Auch wenn ich schon etwas älter bin, werde ich alles tun, um erfolgreich zu sein. Ich habe fast alles erreicht, was man als Fussballerin schaffen kann und jetzt konzentriere ich mich darauf, den zweiten WM-Titel zu holen.
*
Ist Japan besser als 2011 in Deutschland?
*
Ich glaube nicht, dass man die Mannschaften miteinander vergleichen sollte. 2011 hatten wir das beste Team zu jenem Zeitpunkt. Nun haben wir das beste Team, was es aktuell gibt.

*Was wissen Sie über Ihren Achtelfinalgegner? *
Ich habe die WM-Spiele der Niederlande gegen Neuseeland und gegen Kanada im Fernsehen gesehen. Die Qualität der einzelnen Spielerinnen ist sehr hoch und sie haben die typischen europäischen Eigenschaften: physisch stark, gut im Dribbling und als Team sehr schnell. Dazu haben sie großgewachsene Spielerinnen. Darauf müssen wir achten.

Vor vier Jahren waren Sie der große Star, die Kapitänin, die beste Spielerin und beste Torschützin des Turniers. Welche Rolle haben Sie hier in Kanada?
Ich bin natürlich nicht mehr der Top-Scorer oder die wichtigste Spielerin, aber ich versuche der Mannschaft zu helfen, wo ich nur kann. Aya Miyama ist nun die Kapitänin. Es ist schwer, ein Team zu führen, daher unterstütze und berate ich sie dabei. Wenn man 23 Spielerinnen im Kader hat, gibt es natürlich manchmal unterschiedliche Meinungen. Diese Meinungen zusammenzubekommen ist meine Aufgabe gemeinsam mit Aya.

*War es schwer, einen Schritt zurückzutreten und Aya Miyama den Vortritt zu lassen? *
Nein überhaupt nicht. Aya ist diejenige, die jetzt in der Verantwortung steht, das Team besser zu machen. Es muss immer ein gleitender Übergang sein - im Sinne des japanischen Fussballs. Ich finde das absolut gut.

*Wird Kanada 2015 Ihre letzte Frauen-Weltmeisterschaft sein? *
Ja, das wird meine letzte WM sein. Nichtsdestotrotz werde ich danach weiter Fussball spielen, so lange wie es mein Geist und mein Körper zulassen. Wenn ich noch die Möglichkeit habe, würde ich natürlich gerne im kommenden Jahr beim Olympischen Frauenfussballturnier mitspielen.

*Wie sehen Ihre Pläne nach der Karriere aus? *
Ich werde definitiv keine Trainerin werden, weil ich nicht daran interessiert bin. Ansonsten weiß ich noch nicht genau, was nach der aktiven Karriere kommt. Aber ich möchte auf jeden Fall irgendetwas im Fussball machen, gerne möchte ich bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio involviert sein.
*
Zum Abschluss: Haben Sie eine Lebensphilosophie? *

Träume sollten nicht geträumt, sondern verwirklicht werden.

Empfohlene Artikel

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™

Video-Highlights: Japan - Kamerun (FIFA Frauen-WM ...

13 Jun 2015

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™

Video-Highlights: Japan - Schweiz (FIFA Frauen-WM ...

09 Jun 2015

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™

Homare Sawa: Dieses Tor könnte ich nicht wiederhol...

07 Jun 2015

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™

Sawa (2011: JPN vs. USA)

08 Mai 2015

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™

FIFA Frauen-WM 2015: Ecuador - Japan

16 Jun 2015