FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015

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#WorldCupAtHome: USA bezwingen Deutschland in Montreal

Die USA zogen dank eines 2:0-Halbfinalsieg über Deutschland ins Endspiel der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015™. Carli Lloyd und Kelley O'Hara machten mit ihren Toren den zweiten Finaleinzug in Folge perfekt.

Spielinfo

USA – Deutschland 2:0
30. Juni 2015
Olympic Stadium, Montréal (CAN)

Torschützinnen: 1:0 Carli Lloyd (69., Elfm.), 2:0 Kelley O'Hara (84.)

Aufstellungen:

  • USA: Hope Solo, Becky Sauerbrunn, Carli Lloyd (C), Ali Krieger, Lauren Holiday, Alex Morgan (90.+3 Sydney Le Roux), Morgan Brian, Megan Rapinoe (80. Abby Wambach), Tobin Heath (75. Kelley O'Hara), Julie Johnston, Meghan Klingenberg
  • Deutschland: Nadine Angerer (C), Saskia Bartusiak, Leonie Maier, Annike Krahn, Simone Laudehr, Anja Mittag (77. Dzsenifer Marozsan), Celia Sasic, Melanie Leupolz, Alexandra Popp, Lena Goeßling, Tabea Kemme

Hintergrund

Von den bis zu diesem Zeitpunkt sechs FIFA Frauen-Weltmeisterschaften waren vier von Deutschland oder den USA gewonnen worden. Beide Länder sicherten sich je zwei Mal die Krone. Auch die beiden ersten Plätze der FIFA Frauen-Weltrangliste waren 2015 seit Jahren das private Jagdrevier dieser Teams. So konnte mit Fug und Recht gesagt werden, dass im Halbfinale die zwei besten Mannschaften aufeinandertrafen.

Drei WM-Duelle gab es bis dahin zwischen den beiden Giganten des Frauenfussballs. In den ersten beiden Begegnungen behielten die U.S.-Amerikanerinnen die Oberhand (5:2 in 1991 und 3:2 in 1999). 2003 wiederum setzten sich die Deutschen 3:0 durch. Nadine Angerer und Christie Rampone waren schon in den letzten beiden Aufeinandertreffen dabei, saßen aber jeweils auf der Bank.

Spielverlauf

Im Gegensatz zum Viertelfinale gegen Frankreich kam die DFB-Elf gut in die Partie. Gleiches galt auch für die U.S.-Girls, die mit zunehmender Spieldauer den aktiveren Part übernahmen. In der Offensive gelang es dem Team von Trainerin Jill Ellis besser, sich gut in den Strafraum zu spielen. So hatten sie auch die gefährlicheren Chancen, aber sowohl Julie Johnston (7.) als auch Alex Morgan (13.) scheiterten an der gut aufgelegten Nadine Angerer im Tor. Auf der anderen Seite konnte Deutschland keine Lücken in der soliden Abwehr vor Hope Solo finden.

Auch nach der Pause hatten die USA die besseren Möglichkeiten, Deutschland hingegen Probleme im Spielaufbau, kämpfte sich aber in die Partie. Nun kreierten die DFB-Frauen gute Chancen, aber Anja Mittag per Kopf (53.) oder auch Celia Sasic per Strafstoß (60.) blieben erfolglos. Auf der Gegenseite behielt Lloyd vom Punkt die Nerven und erzielte per Elfmeter die Führung (69.). Die Deutschen wollten nun unbedingt den Ausgleich, aber angetrieben vom Großteil der Fans im Olympic Stadium von Montreal blieben die U.S.-Amerikanerinnen standhaft. In der 84. Minute sorgte O'Hara mit dem 2:0 für die Vorentscheidung.

Der Star

"Sie spielt das Turnier ihres Lebens." Das sagte Abby Wambach am Mikrofon von FIFA.com während des weltweiten Gipfeltreffens über Teamkollegin Carli Lloyd, und die Zahlen bestätigen ihre Aussage. Die Nummer zehn der U.S.-Girls trumpfte vor allem in den entscheidenden Spielen und Momenten auf. Im Finale legte sie los wie die Feuerwehr und brachte ihr Team durch die beiden Treffer in den ersten fünf Minuten auf die Siegesstraße. Dazu erzielte die zentrale Mittelfeldspielerin sowohl gegen China VR im Viertelfinale als auch gegen Deutschland im Halbfinale das wichtige 1:0 für ihr Team. Sie kontrollierte den Spielaufbau im Zentrum und war immer anspielbar. Sie verpasste keine Spielminute in Kanada und wurde vier Mal zum Live Your Goals Player of the Match gewählt. Es folgten der Goldene Ball von adidas für die beste Spielerin des Turniers sowie der Silberne Schuh für die zweitbeste Torschützin. Ihr Treffer im Finale gegen die Nadeshiko wurde zudem zum Tor des Turniers gewählt.

Zitate

"Wir werden das heute genießen, und uns dann auf unseren nächsten Gegner konzentrieren. Ich bin sehr stolz auf die Spielerinnen, sie haben sich heute Abend gesteigert. Das Team hat die Verantwortung angenommen und auf allen Linien verteidigt. Wir haben kampfstarke und technisch versierte Spielerinnen in der Abwehr und unsere Bilanz in der Defensive spricht für das Team. Wir haben mit einer Doppelsechs gespielt, damit wir Carli [Lloyd] freispielen konnten, und es hat funktioniert."
Jill Ellis (Trainerin, USA)

"In diesem Halbfinale sind zwei hochklassige Teams gegeneinander angetreten. Leider haben wir vor dem Tor des Gegners nicht genügend Gefahr ausgestrahlt und ich gratuliere den USA. Ich glaube, hier sind zwei sehr gute Mannschaften aufeinandergetroffen, und in einem solchen Szenario neutralisieren sie sich dann gegenseitig. Dennoch war es ein gutes Spiel. Diese Mannschaft hat heute alles gegeben, aber leider hat es trotzdem nicht gereicht."
Silvia Neid (Trainerin, Deutschland)

"Ich habe mir einfach gesagt, dass ich so etwas schließlich schon tausend Mal im Training gemacht habe. Dass dieses Tor natürlich sehr wichtig war, aber dass ich mit Selbstvertrauen an die Sache herangehen und die Kugel im Netz unterbringen musste. Also schnappte ich mir den Ball, legte ihn auf den Punkt und konzentrierte mich ganz auf den Ball und auf das, was ich zu tun hatte."
Carli Lloyd (USA) über den Moment vor dem Elfmeter, den sie zum 1:0 verwandelte

"Die Enttäuschung, dass wir es nicht ins Finale geschafft haben, ist natürlich groß. Uns hat das Quäntchen Glück gefehlt, das wir gegen Frankreich wohl zu viel hatten. Grundsätzlich können wir stolz sein auf das, was wir geliefert haben, und auch heute können wir dennoch erhobenen Hauptes aus dem Stadion fahren."
Alexandra Popp (Deutschland)

Alexandra Popp of Germany looks dejected
© Getty Images

Und danach?

Im Finale trafen die USA in Vancouver auf Japan und holten sich dank eines 5:2-Erfolges den dritten WM-Titel nach 1991 und 1999. Die DFB-Auswahl verlor auch das Spiel um Platz drei gegen England. Im vergangenen Jahr verteidigten die Stars and Stripes ihren Titel, während Deutschland im Viertelfinale gegen Schweden ausschied.

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